SMARTE BETEILIGUNG IN TREPTOW-KÖPENICK - Wie die Kiezkassen-Applikation digitale Bürgernähe konkret macht!
Bild: BA TK
Pressemitteilung vom 24.07.2025
Das Projekt ist Teil der Landesstrategie Gemeinsam Digital: Berlin (GD:B) und wird im Rahmen des Modellprojekts Smart City von der Senatskanzlei über das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und der KfW gefördert. Übergeordnetes Ziel ist es daher, eine moderne und lernfähige Stadtverwaltung zu schaffen, die auf Augenhöhe mit der Stadtgesellschaft agiert.
Treptow-Köpenick, der flächengrößte Berliner Bezirk mit starkem Engagement in seinen Kiezen, bietet dafür das ideale Testfeld. Hier zeigen sich sowohl die Chancen als auch die strukturellen Herausforderungen digitaler Partizipation, gerade im Hinblick auf zielgruppenspezifische Kommunikation, Zugangsgerechtigkeit und Prozessklarheit.
Was die Applikation leisten soll – und kann
Die Kiezkassen-Applikation digitalisiert zentrale Bestandteile der jährlichen Fördermittelvergabe im Rahmen der bezirklichen Stadtteilbudgets: Ideeneinreichung, Versammlungsvorbereitung, Abstimmung, Antragstellung und Abrechnung. Der Prototyp ist modular aufgebaut und berücksichtigt die Perspektiven aller Beteiligten: Antragstellende, Anwohnende, Moderierende und Sachbearbeitende. Damit wird ein durchgängiger, rechtskonformer und leicht zugänglicher Beteiligungsprozess ermöglicht, der gleichzeitig weiterentwickelt und auf andere Förderkulissen übertragen werden kann. Nicht zuletzt ist die Applikation vollständig nach Open-Source-Prinzipien entwickelt und wird – gemäß dem Leitsatz „Public Money, Public Code“ – über die Plattform OpenCode veröffentlicht. Das bedeutet, die Software kann flexibel weiterentwickelt und an lokale Bedürfnisse angepasst werden.
Workshop am 13. Mai im CityLAB: Reale Prozesse, reale Rückmeldungen
In drei Phasen testeten 22 Teilnehmende, darunter zwölf Bürger:innen, vier Kiezpat:innen und sechs Verwaltungsmitarbeitende, die Plattform. Sie schlüpften in verschiedene Rollen, reichten Ideen ein, simulierten eine Kiezkassenversammlung, stellten Anträge, rechneten ab, und nutzten die Chatfunktion zur Klärung von Fragen.
Die Rückmeldungen zeigten: Die Applikation überzeugt – insbesondere in Hinblick auf Zugänglichkeit, Design und Dialogorientierung. Gleichzeitig wurden zahlreiche Hinweise für die Weiterentwicklung gesammelt: von klareren Pflichtfeldkennzeichnungen bis hin zu Glaubwürdigkeitsprüfungen oder der Visualisierung von Abstimmungsergebnissen.
Gerade diese Echtzeit-Rückmeldungen sind es, die den Pilotcharakter des Projekts so wertvoll machen und die zeigen, warum Testformate mit realen Nutzer:innen keine Kür, sondern Voraussetzung erfolgreicher Digitalisierungsvorhaben sind.
Im Workshop kamen auch Sorgen über digitale Hürden zur Sprache, insbesondere mit Blick auf ältere und technisch weniger versierte Menschen. Die Applikation zielt darauf, den Kiezkassenprozess zukunftsfähig zu gestalten und möglichst vielen die Beteiligung zu ermöglichen. Sie stellt auch zum ersten Mal alle Informationen zum Kiezkassenprozess in englischer Sprache bereit. Doch es ist klar: Es dürfen keine neuen Barrieren entstehen, wo andere abgebaut werden. Wer nicht digital teilnehmen kann oder möchte, erhält nach wie vor analoge Beratung und Hilfestellung.
Eine ausführliche Dokumentation der Veranstaltung mit Einblicken in den Workshop, die Applikation und die neuen Öffentlichkeitsmaterialien finden Sie unter: https://www.berlin.de/ba-treptow-koepenick/politik-und-verwaltung/service-und-organisationseinheiten/sozialraumorientierte-planungskoordination/bezirkskoordination/artikel.1379211.php.
Von der Pilotierung zur Einführung: Was es jetzt braucht
Die Applikation wurde mit einem klaren Fokus auf Übertragbarkeit entwickelt. Viele der Funktionen – von digitalem Ideenmanagement bis hin zur Fördermittelabrechnung – sind auch für andere Bezirke oder Formate (z. B. Bürgerbudgets, Nachbarschaftsfonds oder Quartiersfonds) relevant. Die modulare Architektur, also das System von unabhängigen und austauschbaren Modulen im Softwaredesign, die Entwicklung in enger Zusammenarbeit mit Verwaltung und Stadtgesellschaft sowie die mögliche Anbindung an andere Open-Source-basierte Plattformen machen einen berlinweiten Einsatz realistisch.
Zugleich hat das Projekt im Rahmen von Gemeinsam Digital: Berlin deutlich gemacht, wie viel Potenzial in kleinteiligen, nutzerzentrierten und gemeinsam entwickelten Lösungen steckt, auch mit begrenztem Budget. Der Ansatz war dabei nicht, große verwaltungsweite IKT-Basisdienste zu ersetzen. Vielmehr sollte ein Möglichkeitsraum geschaffen werden, in dem sichtbar wird, wie sich zwei bisher getrennte Welten – partizipative Verfahren und formalisierte Zuwendungsprozesse – digital verschränken lassen. Gerade im Bereich von kleinen Projektförderungen, bei denen Bürger:innen direkt mit der Verwaltung in Kontakt treten, kann das einen echten Unterschied machen: in Sachen Wirksamkeit, Transparenz und Zugänglichkeit.
Was es dafür braucht, ist der politische Wille zur Verstetigung: Die Ergebnisse des Workshops zeigen, dass es funktioniert, wenn man Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft konsequent zusammenbringt. Und sie zeigen: Smarte Beteiligung ist kein Luxus, sondern ein Baustein für eine widerstandsfähige, gemeinwohlorientierte Stadt von morgen.
Kontakt
Sozialraumorientierte Planungskoordination
Henriette Schleinstein
Neue Krugallee 4
12435 Berlin
Tel. (030) 90297 2205
E-Mail: sozialraumorientierung@ba-tk.berlin.de
SMART CITY Pilotprojekt Webseite: https://gemeinsamdigital.berlin.de/de/massnahmen-der-strategie/burgerhaushalt-und-smarte-partizipation/