03/2026-SDEROT – Alle Jahre wieder: Jan Kutscher besucht Sderot

Informationszentrum zum 7. Oktober 2023, Kobi-Hügel Sderot

Informationszentrum zum 7. Oktober 2023, Kobi-Hügel Sderot

Sderot / März 2026

Kein Konflikt, kein Krieg, keine Krise – nichts kann Jan Kutscher aus Zehlendorf davon abhalten, einmal im Jahr für mehrere Wochen nach Israel zu reisen. Einen besseren Freund als das Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. könnte sich das Land am östlichen Mittelmeer kaum wünschen. Besonders unserer Partnerstadt Sderot gilt sein Engagement. Vom 22. Februar bis einschließlich 22. März 2026 hielt er sich im Land auf und geriet damit unmittelbar in eine Zeit offener Feindseligkeiten zwischen dem Iran auf der einen, Israel und den Vereinigten Staaten auf der anderen Seite. Der Beginn der Eskalation wird auf den 28. Februar datiert, als es zu israelischen und US-amerikanischen Luftschlägen kam.

12. März 2026: Jan Kutscher (Mitte) überbringt Gastgeschenke für Bürgermeister Alon Davidi (rechts im Bild). Links im Bild der Assistent des Bürgermeisters, Eduard Amirgolov

12. März 2026: Jan Kutscher (Mitte) überbringt Gastgeschenke für Bürgermeister Alon Davidi (rechts im Bild). Links im Bild der Assistent des Bürgermeisters, Eduard Amirgolov

Wo andere schnellstmöglich gepackt und in Windeseile das Land verlassen hätten, blieb Jan Kutscher mit stoischer Ruhe. Mehr noch: Er scheute sich nicht, Bunker und Schutzräume aufzusuchen, um sich vor feindlichen Angriffen zu schützen. Im Schutzraum der Wasserschutzpolizei des Sees Genezareth sei „alles im grünen Bereich“, meldete er am 28. Februar, dem Tag des Kriegsausbruchs. Seine geplante Radtour rund um den See musste er abbrechen. Mit unerschütterlichem Optimismus gesegnet, machte er in mehreren Regionen des Landes Bekanntschaft mit Schutzräumen unterschiedlicher Größe und Ausstattung. Dabei nutzte er diese unwirtlichen Orte, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und nebenbei seine Hebräischkenntnisse aufzufrischen. Die meisten seien entspannt, weder panisch noch aggressiv, zudem hätten Armee und Heimatschutz die Situation „sehr gut im Griff“. Es gibt eine Warn-App des Heimatschutzes, die gut funktioniert und im Gefahrenfall einen Einheitston auf alle Handys sendet – „ein durch Mark und Bein gehendes Geräusch“, so Kutscher. „Wenn ich zurück bin, werde ich dann einen Israel-Reiseführer ‚Die schönsten/originellsten/saubersten Schutzräume‘ verfassen“, scherzte der Neu-Experte mit einer Prise Galgenhumor.

Gedenkstein zur Erinnerung an eines der Opfer vom 7. Oktober 2023

Gedenkstein zur Erinnerung an eines der Opfer vom 7. Oktober 2023

15. März 2026: Jan Kutscher besucht Sderots Vizebürgermeisterin Hava Nahshonov

15. März 2026: Jan Kutscher besucht Sderots Vizebürgermeisterin Hava Nahshonov

12. und 15. März 2026: Jan Kutscher in Sderot

Auch Sderot habe den einen oder anderen Alarm gemeldet, berichtete Jan Kutscher. „Aber sie sind dort nicht so stark unter Beschuss wie das Zentrum des Landes“, erklärte er am 9. März, wenige Tage vor seiner Ankunft in der Partnerstadt. Nachdem er die Damen und Herren Rathausmitarbeiter wenige Tage vor seiner Ankunft „vorgewarnt“ hatte, wurde er am 12. März 2026 von Bürgermeister Alon Davidi und seinem Assistenten Eduard Amirgolov freundlich empfangen. Gemeinsam posierten sie mit Gastgeschenken aus Steglitz-Zehlendorf und einem Schreiben von Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg, gerichtet an ihren Amtskollegen. Darin lobte sie Jan Kutscher als „wichtigen ‚Botschafter‘ zum Erhalt unserer gegenseitigen Beziehungen“ und blickte dankbar auf den Berlinbesuch einer israelischen Delegation im Juli 2025 zurück.

Am 15. März hatte Kutscher einen zweiten Termin im Rathaus von Sderot und traf die stellvertretende Bürgermeisterin Hava Nahshonov. Sie wies auf die Kontakte hin, die sie seit kurzem mit Adi Kaslasy-Way pflegt. Die aus Sderot stammende Autorin lebt in Zehlendorf und wurde am 25. März 2026 als Beisitzerin in den Vorstand des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V. gewählt.

Lokaljournalist Uri Gabay zeigt Schreiben des Städtepartnerschaftsbeauftragten von Steglitz-Zehlendorf

Lokaljournalist Uri Gabay zeigt Schreiben des Städtepartnerschaftsbeauftragten von Steglitz-Zehlendorf

Bei einem Redaktionsbesuch übergab Kutscher dem Lokaljournalisten Uri Gabay ein Schreiben des Partnerschaftsbeauftragten des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf, Christian Urlaub, worüber sich der Empfänger sehr freute. Dessen Online-Portal „Sderonet“ berichtet immer sehr wohlwollend über die Städtepartnerschaft zwischen Sderot und Steglitz-Zehlendorf. „Durch Ihre Berichterstattung schaffen Sie bei der Bevölkerung von Sderot ein Bewusstsein für eine vertrauensvolle Partnerschaft, die seit 50 Jahren besteht“, schrieb Urlaub.

Stelen am Gedenkort für die am 7. Oktober 2023 im Kampf um das Polizeigebäude in Sderot Ermordeten

Stelen am Gedenkort für die am 7. Oktober 2023 im Kampf um das Polizeigebäude in Sderot Ermordeten

In seinen Berichten liefert Jan Kutscher ein spannendes Stimmungsbild über die aktuelle Situation der Stadt: Zunächst hebt er hervor, „wie ordentlich die Grünpflege ist“. Wenn man sich Sderot von Osten nähert, fallen mehrere Gedenksteine mit Erinnerungen an hier getötete Opfer des 7. Oktober 2023 auf, „die zunehmend die provisorischen Tafeln ablösen“. Außerdem sind noch zahlreiche Poster im Stadtbild zu sehen, „die an Verstorbene erinnern“. Am Kobi-Hügel, von dem aus man weit in den Gazastreifen blicken kann, entstand in der ersten Jahreshälfte 2025 ein Multimedia-Informationszentrum zum 7. Oktober. Mit drastischen und schockierenden Bildern thematisiert es auch die Zeit vor und nach dieser „Zeitenwende“. Seine Eindrücke fasst Kutscher zugespitzt als innerisraelischen „Terrorismus-Tourismus“ zusammen.

So wichtig die Pflege offizieller Kontakte auch ist: die kulinarischen Köstlichkeiten durften in Sderot auch diesmal nicht zu kurz kommen. Immer wieder schwärmt Jan Kutscher von den Schokoladen-Cremetörtchen in Pilzform, die ein lokales Kaffeehaus anbietet.

Zuletzt hatte sich der Zehlendorfer im März 2025 in Sderot aufgehalten (wir berichteten).

Beauftragter für Partnerschaften

Christian Urlaub