03/2025-SDEROT – Ein Türöffner geht auf Reisen

Gedenkstätte in Erinnerung an den 7. Oktober 2023 in Sderot (früherer Standort der örtlichen Polizeistation)

Gedenkstätte in Erinnerung an den 7. Oktober 2023 in Sderot (früherer Standort der örtlichen Polizeistation)

Sderot / März 2025

Wer Jan Kutscher kennt, weiß, wie sehr er für Israel brennt. Besonders am Herzen liegt ihm die Städtepartnerschaft mit Sderot, mit dem Steglitz-Zehlendorf seit 1975 freundschaftlich verbunden ist. Zum dritten Mal nach November 2022 und März 2024 hielt sich das Mitglied der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. im März/April 2025 in Sderot auf.

Die geographisch prekäre Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gazastreifen hielt ihn nicht von dieser Reise ab. Hauptfortbewegungsmittel war übrigens sein durchaus robustes Fahrrad.

Hält ein Einladungsschreiben von Bezirksbürgermeisterin Schellenberg in Händen: Gilat Krief, Sekretärin im Rathaus von Sderot

Hält ein Einladungsschreiben von Bezirksbürgermeisterin Schellenberg in Händen: Gilat Krief, Sekretärin im Rathaus von Sderot

Als eine Art „Türöffner“ für die ziemlich eingeschlafenen Kontakte zwischen Steglitz-Zehlendorf und Sderot ist sein Engagement Gold wert. Städtepartnerschaftliche Beziehungen stehen und fallen mit einzelnen Personen, die sich ihrer mit Tatkraft und Herzblut annehmen. Jan Kutschers Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass das 50. Partnerschaftsjubiläum (1975-2025) nicht getrennt voneinander, sondern mit vereinten Kräften begangen wird. In Sderot ist er schon bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“, bevorzugten Zugang zu Bürgermeister Alon Davidi inklusive. Also sprach er erneut im Rathaus vor und überbrachte die bereits vorab per E-Mail versandte Einladung von Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg zu einer für Juli 2025 geplanten Jubiläumsreise nach Steglitz-Zehlendorf. Rathaussekretärin Gilat Krief ließ es sich nicht nehmen, sich mit dem Einladungsschreiben ablichten zu lassen.

An der südlichen Zufahrt (Hauptzufahrt) nach Sderot steht nach wie vor ein Posten mit zwei Soldaten.

An der südlichen Zufahrt (Hauptzufahrt) nach Sderot steht nach wie vor ein Posten mit zwei Soldaten.

Ein Stück Normalität: Wiedereröffnetes Straßencafé in Sderot

Ein Stück Normalität: Wiedereröffnetes Straßencafé in Sderot

Jan Kutscher berichtet, dass nach den schrecklichen Ereignissen des 7. Oktober 2023 wieder ein Stück weit Normalität in Sderot eingekehrt sei. „Es gibt deutlich mehr Verkehr als vor einem Jahr“, sagt er, allerdings seien an der südlichen Hauptzufahrt nach wie vor zwei Soldaten zum Schutz der Bürger postiert. Der Platz, an dem das von Terroristen zerstörte Polizeigebäude stand, sei zu einer Gedenkstätte umgestaltet worden. Seit seinem letzten Besuch im Vorjahr habe ein belebtes Café wiedereröffnet, was als gutes Zeichen zu werten sei. Wie in ganz Israel seien aber die nach wie vor von der Hamas festgehaltenen Geiseln überall präsent, zum Beispiel durch eine Vielzahl an Plakaten und kleinen Aufklebern. Plakate tragen Aufschriften wie „Die Jungs sind noch in Gaza“ oder „Bringt die Jungs zurück“.

Das ist der sehnlichste Wunsch der Bevölkerung von Sderot, dem man sich auch in Steglitz-Zehlendorf nur anschließen kann.

Gedenkstätte in Erinnerung an den 7. Oktober 2023 in Sderot

Gedenkstätte in Erinnerung an den 7. Oktober 2023 in Sderot

Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt die Gedenkstätte der „Ewigen Säulen“ an dem Ort, an dem die von Terroristen komplett zerstörte Polizeiwache stand. Der auf einer Gedenktafel niedergeschriebene Begleittext spricht für sich:

„Die 18 Säulen ragen als eine Einheit in den Himmel, und in der Mitte befindet sich ein leerer Raum. Dies steht für die Entschlossenheit und Solidarität der Gemeinde Sderot und für die Leere, die bei den Verteidigern und Bewohnern der Stadt entstanden ist“.

Beauftragter für Partnerschaften

Christian Urlaub