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CHARKIW – Aus Solidarität mit unserer Partnerstadt: Charkiw-Park eingeweiht

Bezirksbürgermeisterin Schellenberg und BVV-Vorsteher Rögner-Francke nach der Enthüllung des Benennungsschildes

Bezirksbürgermeisterin Schellenberg und BVV-Vorsteher Rögner-Francke nach der Enthüllung des Benennungsschildes

Charkiw / Oktober 2022

Unter Partnern ist es wichtig, füreinander einzustehen und Solidarität zu zeigen: Unter dem Eindruck des russischen Angriffskrieges heißt eine Grünfläche im Bezirk Steglitz-Zehlendorf künftig „Charkiw-Park“. Alle Bürgerinnen und Bürger waren eingeladen, am 24. Oktober 2022 um 16:00 Uhr an einer öffentlichen Feierstunde teilzunehmen, in deren Rahmen die bislang namenlose Parkanlage hinter dem Kulturhaus „Schwartzsche Villa“, 12165 Berlin-Steglitz, offiziell ihren neuen Namen erhielt.

Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg stellte in ihrer einleitenden Rede „die ausdrückliche Verbundenheit von Steglitz-Zehlendorf mit der Stadt und die Solidarität mit den Bürgerinnen und Bürgern“ heraus. „Dabei ist mir sehr bewusst, dass die Benennung einer Grünanlage nur ein Symbol sein kann“, ergänzte sie. Die Menschen, die zu uns gekommen sind, gelte es nun „weiter mit offenen Armen aufzunehmen“. Schließlich würdigte sie das überparteiliche Signal, das mit der breiten Unterstützung des Benennungsantrags in der BVV ausgesandt worden sei.

Ausdrücklich dankte sie Olga Pischel für ihre Rolle im Zusammenhang mit den Hilfsaktionen des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V. Das aus Charkiw stammende Vereinsvorstandsmitglied ergriff unmittelbar nach der Bezirksbürgermeisterin das Wort.

Vortrag von Olga Pischel, Vorstandsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V.

Vortrag von Olga Pischel, Vorstandsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V.

Olga Pischel hat bereits mehrere Hilfstransporte in ihre Heimatstadt organisiert und verfügt über ein dichtes Netz an Kontakten. Mit bewegenden Worten gab sie ein aktuelles Lagebild über die Millionenstadt im Nordosten der Ukraine ab. Der Städtepartnerschaftsverein unterstützt seit August 2022 jeden Monat eine Suppenküche, die Essen für Bedürftige zubereitet und Brot backt. Zur Unterstützung der Charkiwer Feuerwehr hat der Verein nach Auskunft von Frau Pischel Geld für die Anschaffung einer Sattelzugmaschine gespendet. Besonders im Winter werde aber weitere Hilfe benötigt: Dieselgeneratoren, Notstromaggregate, Zelte.

Olga Pischel erinnerte an die jahrzehntelange Geschichte des gegenseitigen musikalischen Austauschs zwischen dem Kinderkulturpalast Charkiw und der Leo-Borchard-Musikschule Steglitz-Zehlendorf.

„Ich sehe diesen Ort als ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen einer Stadt, die für immer in die Geschichte eingehen wird“,

schloss sie ihre Ansprache.

Anna Konstantinova, aus der Ukraine stammende Sängerin, bei ihrem Gesangsauftritt

Anna Konstantinova, aus der Ukraine stammende Sängerin, bei ihrem Gesangsauftritt

Zahlreiche Gäste aus Politik und Gesellschaft folgten der Einladung der Bezirksbürgermeisterin. In Vertretung des am gleichen Tag akkreditierten neuen ukrainischen Botschafters Oleksij Makejew war Botschaftsrätin Oksana Dubovenko in Steglitz zu Gast. Carolin Freifrau von Buddenbrock, Leiterin der Abteilung Protokoll und Internationales des Landes Berlin, war für die Senatskanzlei anwesend. Hinzu kamen mehrere Abgeordnete des Deutschen Bundestages und des Berliner Abgeordnetenhauses, fast alle Bezirkstadträtinnen und –stadträte aus Steglitz-Zehlendorf, der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung, René Rögner-Francke, sowie viele Bezirksverordnete. Fast geschlossen fand sich der Vorstand des von der Vorsitzenden Gisela Pflug geleiteten Städtepartnerschaftsvereins in Steglitz ein. Unter den Gästen der Feierstunde wurden auch etliche interessierte Bürgerinnen und Bürger aus Steglitz-Zehlendorf gesichtet.

Für die musikalische Umrahmung sorgten mit Anna Konstantinova (Gesang) und Roman Stolbov (Akkordeon) zwei aus Charkiw stammende Musiker.

Nach der Enthüllung: Das Benennungsschild "Charkiw-Park"

Nach der Enthüllung: Das Benennungsschild "Charkiw-Park"

Mit der Benennung setzt der Bezirk einen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf vom 18. Mai 2022 um, wonach „ein Zeichen unserer Solidarität“ für die „viele zivile Opfer beklagende ukrainische Partnerstadt“ gesetzt werden solle. An gleicher Stelle geehrt wird künftig auch der KZ-Überlebende Borys Tymofijowytsch Romantschenko (1926-2022), der 96-jährig am 18. März 2022 durch einen russischen Raketenangriff auf das Wohngebiet, in dem seine Wohnung lag, verstarb. Am 22. Juni 2022 hatte die BVV den Beschluss gefasst, im Zuge der Benennung des Charkiw-Platzes zusätzlich des langjährigen Vizepräsidenten des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora zu gedenken. Schon als 16-Jähriger war er von deutschen Streitkräften verschleppt worden, um Zwangsarbeit zu leisten. Nach seiner Befreiung und dem Dienst in der Sowjetarmee kehrte er in die Ukraine zurück, um an der Bergbauakademie in Charkiw zu studieren und dort als leitender Ingenieur zu arbeiten.

„Es erscheint uns als ein besonders zynisches Beispiel, dass gerade Borys Romantschenko durch russische Raketen … getötet wurde“,

sprach Maren Schellenberg den Gästen der Veranstaltung aus der Seele.

Die Einladung der Bezirksbürgermeisterin zu einer gemeinsamen Schweigeminute zu Ehren der zahlreichen Kriegsopfer in der Ukraine wurde dankbar angenommen.

Fundstück am Rande der Feierstunde im Charkiw-Park

Fundstück am Rande der Feierstunde im Charkiw-Park

Es ist eine glückliche Fügung, dass die Einweihung des Charkiw-Parks zeitlich mit der besonderen Ehrung eines ukrainischen Schriftstellers und Musikers zusammenfiel: Tags davor, am 23. Oktober 2022, war Serhij Zhadan mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. In seinem Kriegstagebuch „Der Himmel über Charkiw“ setzt sich der Charkiwer mit den traumatischen Erlebnissen seit Ausbruch des Krieges und mit der Frage des Überlebens im Kriegsalltag seiner Heimatstadt auseinander.

Für Olga Pischel gilt Zhadan den Menschen in Charkiw als großer Hoffnungsträger:

„Keiner hat der Stadt in diesen düsteren Zeiten so viel Hoffnung wie er gegeben. Es war extrem wichtig für uns alle, täglich seine aufmunternden und mutigen Nachrichten in den sozialen Medien zu lesen“.

Die Friedenssehnsucht der Menschen in unserem Bezirk spiegelt in rührender Weise ein kleines, unscheinbares Fundstück wider: Direkt im Charkiw-Park fand eine aufmerksame Bürgerin einen mit einem Friedenswunsch beschrifteten Stein, umrahmt von drei Herzen. So ist es auch mit dem Frieden: Der Weg zu ihm beginnt manchmal mit ganz kleinen, kaum wahrnehmbaren Schritten.

Blau-Gelb in Steglitz: Benennungsschild nach der Enthüllung

Blau-Gelb in Steglitz: Benennungsschild nach der Enthüllung