10/2025 – Steglitz-Zehlendorf begrüßt Betty-Katz-Straße

Noch sechs Monate Doppelbeschilderung: Treitschkestraße wird zur Betty-Katz-Straße

Noch sechs Monate Doppelbeschilderung: Treitschkestraße wird zur Betty-Katz-Straße

Oktober 2025

Was lange währt, wird endlich gut: Diese Volksweisheit drängt sich jedem auf, der auf die die „unendliche Vorgeschichte“ der Umbenennung der Treitschkestraße zurückblickt. Seit 1. Oktober 2025 ist der jahrzehntelang erbittert geführte Streit um den rechten Namen dieser Steglitzer Straße endgültig Geschichte.

Ab sofort trägt die bislang nach einem glühenden Antisemiten benannte Straße den Namen von Betty Katz. Unter breiter Anteilnahme von Bezirkspolitik und Bevölkerung wurde das neue Platzschild in einer feierlichen Zeremonie an der Ecke Betty-Katz-Straße/Harry-Bresslau Park enthüllt.

„Es ist ein wichtiger und richtiger Schritt, Antisemiten aus dem Stadtbild zu entfernen und Betty Katz (…) mit der Straßenbenennung in die Erinnerungskultur des Bezirkes aufzunehmen und zu würdigen“, sagte Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg.
„Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, die Umbenennung noch in diesem Jahr umzusetzen“, sekundierte Urban Aykal, Bezirksstadtrat für Ordnung, Umwelt- und Naturschutz, Straßen und Grünflächen. Im Bezirk gebe es nun eine weitere Straße, „die nach einer Steglitzer Frau mit einer bewegenden Biographie benannt ist“.
Die frühere Direktorin des jüdischen Blindenheimes in der Wrangelstraße fiel dem Holocaust zum Opfer und verstarb am 6. Juni 1944 in Theresienstadt.

1. Oktober 2025: Bezirksstadtrat Urban Aykal spricht bei der feierlichen Umbenennungszeremonie der Treitschekstraße, die jetzt Betty-Katz-Straße heißt

1. Oktober 2025: Bezirksstadtrat Urban Aykal spricht bei der feierlichen Umbenennungszeremonie der Treitschekstraße, die jetzt Betty-Katz-Straße heißt

Um Postzusteller und Kfz-Navigationssysteme zu entlasten, wird die Straße für sechs Monate weiterhin als „Treitschkestraße“ erkennbar sein – allerdings rot durchgestrichen auf einem Zusatzschild. Nach der Übergangszeit wird die Doppelbeschilderung entfernt und nichts mehr von Betty Katz ablenken.

Unbürokratische Unterstützung der Anwohner

Das Bezirksamt nimmt die Sorgen der Anwohnerinnen und Anwohner ernst, die sich neue Personaldokumente oder Kfz-Zulassungsbescheinigungen beschaffen und sich irgendwie mit der Straßenumbenennung arrangieren müssen: Alle notwendigen Änderungen sind während der üblichen Öffnungszeiten für betroffene Personen kostenfrei und ohne vorherige Terminvereinbarung in den drei bezirklichen Bürgerämtern (Rathäuser Steglitz, Zehlendorf und Lankwitz) möglich. Am 7. und 14. Oktober 2025 war zusätzlich das sogenannte „Mobile Bürgeramt“ im Kiez unterwegs.

Bei aller Verärgerung der Bürgerinnen und Bürger, die von den Unannehmlichkeiten der Umbenennung am meisten betroffen sind, bleibt zu hoffen, dass sich am Ende das entscheidende Argument durchsetzt: Straßenschilder sind nicht dazu da, überzeugte Antisemiten zu ehren.

Näheres zur Geschichte der Treitschkestraße erfahren Interessierte im Rahmen einer sehenswerten Ausstellung zum Thema Straßennamen, die noch bis 9. November 2025 im Gutshaus Steglitz gezeigt wird.

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub