Kernaufgabe der Gesundheitsberichterstattung ist „eine interpretierende Beschreibung der gesundheitlichen Lage der Bevölkerung“, die Analyse gesundheitlicher Problemlagen und die Benennung von Handlungsbedarfen [1, S. 3]. Auch das Gesundheitsdienstgesetz Berlin benennt die Information über die gesundheitliche und soziale Lage der Bevölkerung als zentrale Aufgabe der integrierten Gesundheitsberichterstattung.
Dafür sind Kenntnisse über die Bevölkerungszahl, Bevölkerungszusammensetzung und die Bevölkerungsentwicklung unverzichtbare Grundlagen. Zum einen dienen Bevölkerungszahlen als Bezugsgröße, um Fall- und Personenzahlen mit bestimmten Gesundheitsproblemen, Bedarfen oder gesundheitsrelevanten Ressourcen über Regionen oder über die Zeit zu vergleichen. Mathematisch betrachtet ist die Bevölkerungszahl also der Nenner für die Berechnung von Quoten oder Raten [2]. Zum anderen sind Zahlen zur Bevölkerung und bestimmten Bevölkerungsgruppen Voraussetzung für Planungen (nicht nur) im Bereich von Gesundheitsförderung, Prävention und gesundheitlicher Versorgung [2].
Grundsätzlich bezieht sich die Gesundheitsberichterstattung auf die Wohnbevölkerung des Gebiets, über das berichtet wird [1]. Auf Landesebene wird als Bezugsgröße häufig die im letzten Zensus (zuletzt 2022) ermittelte und dann anhand von An- und Abmeldungen fortgeschriebene Bevölkerung verwendet. Zu dieser liegen aber keine kleinräumigen Daten auf der Ebene der Lebensweltlich orientierten Räume vor. Für differenzierte Betrachtungen im Rahmen der bezirklichen Gesundheitsberichterstattung bieten sich daher die Bevölkerungszahlen aus dem Einwohnerregister an [3]. Diese liegen für alle LOR-Ebenen in Berlin vor und werden beispielsweise auch in den Bezirksregionenprofilen der Sozialraumorientierten Planungskoordination (SPK) verwendet.
Neben der reinen Bevölkerungszahl interessieren natürlich die Zusammensetzung der Bevölkerung z. B. nach Alter und Geschlecht, aber auch die Größe bestimmter Bevölkerungsgruppen, die möglicherweise besondere Bedarfe im Hinblick auf Gesundheitsförderung, Prävention und gesundheitliche Versorgung haben. Hierzu gehören Alleinerziehende mit ihren Kindern wie auch Menschen mit einer eigenen oder familiären Migrationsgeschichte. Auch wenn der Begriff des *Migrationshintergrund*es kritisiert wird (vgl. hierzu Indikator 1.2), ist dieses Merkmal doch noch Bestandteil verschiedener Statistiken und wird deshalb berücksichtigt.
Um Veränderungen und zukünftige Herausforderungen zu erkennen, sind Daten zur demografischen Entwicklung von großem Wert. Geburtenrückgang, eine älter werdende Gesellschaft und ins Rentenalter hineinwachsende „Baby-Boomer“ sind nicht nur ein gesellschaftspolitisches Thema, sondern auch von Bedeutung für die Gesundheitsplanung und die Weiterentwicklung von Angeboten im Gesundheitsbereich [5]. Für den Blick in die Zukunft wird die deshalb Bevölkerungsprognose der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen herangezogen.
Die Auswahl der Indikatoren für das Gesundheitsmonitoring im Themenfeld Bevölkerung orientiert sich grob am Themenfeld 2 „Bevölkerung und bevölkerungsspezifische Rahmenbedingungen des Gesundheitssystems“ im Indikatorensatz für die Gesundheitsberichterstattung der Länder [1]. Über folgende Indikatoren wird berichtet:
Eine ähnliche Indikatorenauswahl findet sich auch im integrierten Indikatorenset Urbane Gesundheit [4]. Dort sind zusätzlich Daten zur Bevölkerungswanderung (Umzüge, Zuzüge, Wegzüge) enthalten. Solche Daten sind auf Bezirksebene verfügbar, werden aber hier im Monitoring (bisher) nicht direkt berichtet. Wanderungsbewegungen sind allerdings in den Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung und -prognose berücksichtigt.
Literatur
[1] Starke D, Tempel G, Butler J, Starker A, Zühlke C et al. (2019). Gute Praxis Gesundheitsberichterstattung – Leitlinien und Empfehlungen 2.0. Journal of Health Monitoring 4(S1): 1–22. DOI 10.25646/6058. CC BY 4.0.
[2] Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden – AOLG (Hrsg.) (2003). Indikatorensatz für die Gesundheitsberichterstattung der Länder. Bielefeld: lögd.
[3] Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (18.07.2025). Wie viele Menschen leben in Berlin? Welche Quelle ist die richtige? Unterschiede in der amtlichen Datenaufbereitung. Letzter Abruf: 19.01.2026.
[4] Bolte G, Hamilton J, Baumgart S & Hallmann A (2024). Integriertes Indikatorenset Urbane Gesundheit. Abschlussbericht. Bremen: Universität Bremen und BPW Stadtplanung.
[5] Landeshauptstadt Dresden (2024). Stadtgesundheitsprofil 2024. WHO-Projekt „Gesunde Städte“. Dresden: Amt für Gesundheit und Prävention.
[6] Ehlert J, Herrmann-Fiechtner M & Hebecker J (2025). Bevölkerungsprognose für Berlin und die Bezirke 2024 – 2040. Gesamtbericht. Berlin: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen.