01/2026-KIRIAT BIALIK – Online-Konferenz zum Holocaust-Gedenktag

27. Januar 2026: Miriam Harel spricht auf einer Online-Konferenz der Stadt Kiriat Bialik

27. Januar 2026: Miriam Harel spricht auf einer Online-Konferenz der Stadt Kiriat Bialik

Kiriat Bialik / Januar 2026

Am 26. Januar 2026 wurden die sterblichen Überreste der letzten israelischen Hamas-Geisel Ran Gvili nach Israel überführt – nur einen Tag vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag. Die Ereignisse des 7. Oktober 2023 haben sich tief ins kollektive Gedächtnis der Jüdinnen und Juden weltweit eingebrannt. Noch einschneidender für das historische Bewusstsein ist der 27. Januar 1945 als Tag der Befreiung des Todeslagers Auschwitz durch die Rote Armee. Alljährlich wird an diesem Tag des Holocaust gedacht – des größten Menschheitsverbrechens, das jemals verübt worden ist. Die Nachgeborenen haben die Verantwortung, den jungen Menschen zu vermitteln, was Menschen jüdischer Herkunft während des Nationalsozialismus angetan wurde. Solange es Holocaust-Überlebende gibt, müssen sie ihre Geschichte erzählen und die Erinnerung an ihr Schicksal wachhalten.

Miriam Harel, geboren 1924 im polnischen Lodsch, ist eine Bürgerin unserer israelischen Partnerstadt Kiriat Bialik. Wie schon im Vorjahr sprach sie auf einer online übertragenen und von der Stadtverwaltung Kiriat Bialik am 27. Januar 2026 ausgerichteten internationalen Videokonferenz. Zugeschaltet waren auch Vertreter der beiden deutschen Partnerkommunen Chemnitz und Steglitz-Zehlendorf.

Holocaust-Überlebende Miriam Harel (geb. 1924) erzählt ihre Geschichte

Holocaust-Überlebende Miriam Harel (geb. 1924) erzählt ihre Geschichte

Aus Sicht der israelischen Gastgeber besonders erfreulich war die Teilnahme einer 9. Klasse des Dreilinden-Gymnasiums, zusammen mit ihrer Lehrerin Katharina Dannenberg und Schulleiter Jens Stiller.
„Wir alle waren sehr berührt von Miriam Harel und ihrer Geschichte“, schreibt Frau Dannenberg. Die Schülerinnen und Schüler hätten „wahrgenommen, wie besonders es ist, in die Weitergabe dieser Erinnerungen involviert zu werden“. Einige hätten sogar noch Briefe an Miriam Harel geschrieben. Der Schulleiter habe die Thematik mit seinen Schülern im Geschichtsunterricht vertieft, ergänzt sie.

Dass junge Menschen mit den Erzählungen von Holocaust-Überlebenden konfrontiert werden, ist der Garant dafür, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät.

Neben den Schülern war der Bezirk Steglitz-Zehlendorf durch den stellvertretenden Vorsitzenden des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V., Rolf Breidenbach, und den Beauftragten des Bezirksamtes für Partnerschaften, Christian Urlaub, vertreten. Für die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. nahm Jan Kutscher teil.

Bevor Miriam Harel das Wort ergriff, dankte Bürgermeister Eli Dukorski in einem kurzen Grußwort allen zugeschalteten Konferenzteilnehmern für ihre Mitwirkung.

Miriam Harel, sechstes Kind von Gabriel und Sara Goldberg, überlebte das Ghetto Lodsch, das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und das KZ Bergen-Belsen. Ihre Eltern und die beiden geliebten Brüder wurden ermordet. Trotz dieser Schicksalsschläge bezeichnet sie sich als „eine sehr optimistische Person“. Ihre Mutter habe ihr diesen Wesenszug mitgegeben, der auch der wichtigste Grund sei, warum sie noch lebe.

Miriam Harel hat drei Kinder, neun Enkel und mittlerweile fünf Urenkel. Im 102. Lebensjahr erfreut sie sich guter Gesundheit, benötigt beim Lesen keine Brille und hört noch sehr gut. Ihre nachdenklichen und bewegenden Worte verfehlten ihre Wirkung bei den Zuhörerinnen und Zuhörern der Videokonferenz sicher nicht. „Never again“ fasste Revital Schwartz-Svirsky, Vizebürgermeisterin von Kiriat Bialik, ihre Eindrücke zusammen. In diese Richtung äußerte sich auch Jarosław Stawiarski, Marschall der Woiwodschaft Lublin, zu der auch unsere drei polnischen Partnerstädte Poniatowa, Naleczów und Kazimierz Dolny gehören.

So Gott will, werden wir Miriam Harel auch 2027 wieder erleben.

Im Nachgang äußerte sich die Sprecherin der Gemeinde Kiriat Bialik, Dr. Alona Eisenberg:
„Diese Zusammenkunft war nicht nur wichtig, um das Andenken an die Opfer und Überlebenden zu ehren, sondern auch, um unsere gemeinsame Verantwortung zu stärken, zu erinnern, aufzuklären und uns entschieden gegen Antisemitismus und alle Formen des Hasses zu stellen. Das Zusammenkommen als Gemeinschaft stärkt die Werte der Menschenwürde und Solidarität über Generationen hinweg“.

Beauftragter für Partnerschaften

Christian Urlaub