11/2024/KIRIAT BIALIK – „We are connected“ – Gäste aus Kiriat Bialik reisen zu Netzwerktreffen nach Berlin

We are connected! Vordere Reihe: Dr. Alona Eisenberg (links), Katharina Dannenberg (rechts); Hintere Reihe: Christian Urlaub (links), Jessica Brückner (Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Chemnitz, Mitte), Ortal Hadad (rechts)

We are connected! Vordere Reihe: Dr. Alona Eisenberg (links), Katharina Dannenberg (rechts); Hintere Reihe: Christian Urlaub (links), Jessica Brückner (Partnerschaftsbeauftragte der Stadt Chemnitz, Mitte), Ortal Hadad (rechts)

Kiriat Bialik / November 2024

Gute, verlässliche und stabile Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel sind zentral. Umso mehr gilt das in Zeiten, in denen sich Israel heftigen Anfeindungen ausgesetzt sieht und Antisemitismus weltweit um sich greift. Der deutschen Staatsräson entsprechend, ist es sinnvoll, sich auf allen Ebenen um vertrauensvolle deutsch-israelische Zusammenarbeit zu bemühen: auf der Bundes-, Landes-, und kommunalen Ebene. 1965 wurden diplomatische Beziehungen zwischen beiden Staaten aufgenommen. Um sie mit Leben zu erfüllen und vor allem die Zivilgesellschaft einzubeziehen, hielt man es für angezeigt, sie schrittweise durch deutsch-israelische Städtepartnerschaften zu unterfüttern. Das sah auch der Altbezirk Steglitz so und begründete im gleichen Jahr eine kommunale Partnerschaft mit der israelischen Gemeinde Kiriat Bialik. Im Jahr 2025 wird nicht nur der 60. Jahrestag des gegenseitigen Botschafteraustausches gefeiert, sondern auch das Jubiläum unserer Städtepartnerschaft.

Auf Dauer funktionieren Städtepartnerschaften nur dann, wenn man einander auch besucht und persönlich kennenlernt. Voraussetzung dafür ist ein regelmäßiger Austausch zwischen den Stadtverwaltungen. Er bildet das Fundament, auf dem die Zivilgesellschaften beider Partnerkommunen generationsübergreifend aufbauen können. „Fernbeziehungen“, die sich auf gelegentliche Chat-Kontakte beschränken, fehlt dieses Fundament.

Ein wichtiges Zauberwort zur Pflege internationaler Kontakte ist das „Netzwerken“. Das sieht man auch bei „ConAct“ so, dem in Lutherstadt Wittenberg ansässigen „Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch“. Im Rahmen der selbsterklärenden Initiative „We are connected“ fand vom 26. bis 28. November 2024 ein deutsch-israelisches Netzwerkseminar statt. Tagungsort war ein Hotel in Berlin-Mitte.

Briingt sie nach Hause - jetzt!

Briingt sie nach Hause - jetzt!

Redebeiträge aus Kiriat Bialik

Dr. Alona Eisenberg und Ortal Hadad aus Kiriat Bialik nutzten die Gelegenheit, durch den Besuch des Seminars wenigstens für ein paar Tage der alltäglichen Bedrohungssituation in der Heimat zu entfliehen. Sie habe endlich wieder einmal richtig geschlafen, meinte Dr. Eisenberg fast entschuldigend mit Blick auf die von Terroristen festgehaltenen Geiseln, denen dieses Privileg nicht vergönnt sei. Die in der Stadtverwaltung von Kiriat Bialik für die Pflege von Städtepartnerschaften zuständige Kollegin reiste zusammen mit Ortal Hadad nach Berlin. Ortal Hadad leitet das städtische Jugendamt und ist darüber hinaus Sprecherin der für den Jugendaustausch zuständigen nationalen israelischen Behörde.

Dr. Alona Eisenberg erinnert das Plenum an die Geiseln, die sich immer noch in der Gewalt der Hamas-Miliz befinden.

Dr. Alona Eisenberg erinnert das Plenum an die Geiseln, die sich immer noch in der Gewalt der Hamas-Miliz befinden.

Ortal Hadad, Jugendamtsleiterin von Kiriat Bialik, nimmt an einer Podiumsdiskussion teil.

Ortal Hadad, Jugendamtsleiterin von Kiriat Bialik, nimmt an einer Podiumsdiskussion teil.

In einem sehr bewegenden Vortrag wies sie auf die traumatischen Folgen hin, die der Nahostkrieg auf die israelische Jugend habe: mehr Alkohol, mehr Zigaretten, mehr Drogenkonsum. Man kann sich hierzulande tatsächlich kaum vorstellen, wie man als junger Mensch in Israel mit der permanenten Bedrohungssituation umgeht. Von Normalität ist man derzeit in Israel und der gesamten Nahostregion meilenweit entfernt.

Fachgespräch in einer Sitzungspause: Dr. Alona Eisenberg (rechts), Ortal Hadad (Mitte) und Katharina Dannenberg (Dreilinden-Gymnasium)

Fachgespräch in einer Sitzungspause: Dr. Alona Eisenberg (rechts), Ortal Hadad (Mitte) und Katharina Dannenberg (Dreilinden-Gymnasium)

Bilaterale Gespräche

Das dreitägige Seminar bot ausreichend Gelegenheit, sich in bilateralen Gesprächsformaten über die Perspektiven der Beziehungen zwischen Kiriat Bialik und Steglitz-Zehlendorf auszutauschen. In der Hoffnung, der Krieg im Nahen Osten möge rasch enden und der gesamten Region einen gerechten Frieden bringen, war man sich schnell einig, wie wichtig die Begegnung junger Menschen sei. Was den Aufbau einer dauerhaften Schulpartnerschaft anbelangt, gibt es positive Signale sowohl von Seiten der ORT Kiryat Bialik school, als auch von Seiten des Dreilinden-Gymnasiums in Steglitz-Zehlendorf. Für die Berliner Partnerschule nahm Lehrerin Katharina Dannenberg am Netzwerkseminar teil. Sie erläuterte dem Versammlungsplenum ihre Motivation, warum sie sich um die Wiederaufnahme der bereits seit März 2022 bestehenden Kontakte mit der israelischen Schule bemüht. Am Rande der Veranstaltung teilte sie mit, dass sie Schulleiter Rami Porat bereits angeschrieben habe.

Katharina Dannenberg, Lehrerin des Dreilinden-Gymnasiums, wendet sich an das Plenum.

Katharina Dannenberg, Lehrerin des Dreilinden-Gymnasiums, wendet sich an das Plenum.

Christian Urlaub, Städtepartnerschaftsbeauftragter des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf, spricht vor dem Plenum.

Christian Urlaub, Städtepartnerschaftsbeauftragter des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf, spricht vor dem Plenum.

Christian Urlaub, Partnerschaftsbeauftragter des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf, trug dem Plenum vor, wie wichtig es dem Bezirk sei, auch nach außen hin Solidarität mit den beiden israelischen Partnerstädten Kiriat Bialik und Sderot zu zeigen. Um dies zu illustrieren, zeigte er Fotos von den Flaggen beider Städte, die vor dem Rathaus Zehlendorf wehen, außerdem das blumen- und kerzengeschmückte Schild auf dem Sderotplatz.

Ende November 2024: Noch immer 101 Geiseln in der Gewalt der Terroristen. Bring them home now!

Ende November 2024: Noch immer 101 Geiseln in der Gewalt der Terroristen. Bring them home now!

Initiative „We are connected“

Die Initiative „We are connected“ wurde als Reaktion auf die Ereignisse des 7. Oktober 2023 gegründet und setzt sich für den deutsch-israelischen Jugend- und Schüleraustausch ein. Sie ermöglicht es z.B. traumatisierten israelischen Kindern und Jugendlichen, sich von den Schrecken des Krieges durch Reisen nach Deutschland etwas zu erholen.

Gefördert wird ConAct und der deutsch-israelische Netzwerkgedanke u.a. durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In ihrem Grußwort versicherte Bundesministerin und „We-are-connected“-Schirmherrin Lisa Paus dem im Tagungssaal versammelten Auditorium, dass die Bundesregierung an Israels Seite stehe und Antisemitismus bekämpft werden müsse. Ihr folgte Guy Gilady, Vizebotschafter des Staates Israel in Deutschland, aufs Rednerpult.

Grußbotschaft an das Plenum: Bundesministerin Lisa Paus (Ressort Familie, Senioren, Jugend und Frauen)

Grußbotschaft an das Plenum: Bundesministerin Lisa Paus (Ressort Familie, Senioren, Jugend und Frauen)

Zum Zeitpunkt des Seminars waren immer noch 101 israelische Geiseln in der Gewalt der Hamas-Terroristen. Ihrer wurde symbolisch während des gesamten Seminars gedacht: Um einen Tisch herum wurden Stühle gruppiert, darauf Fotos der zahlreichen Verschleppten gelegt, als seien diese selbst Teil des Publikums. Es ist der Wunsch aller, dass sie möglichst rasch befreit werden. Ihre Befreiung ist der Schlüssel zur Beendigung des Krieges.

Gelb ist die Hoffnung (auf baldige Befreiung der nach Gaza entführten israelischen Geiseln)

Gelb ist die Hoffnung (auf baldige Befreiung der nach Gaza entführten israelischen Geiseln)

Haben gut lachen: v.l.n.r. Ortal Hadad (Jugendamtsleiterin Kiriat Bialik), Dr. Alona Eisenberg (Partnerschaftsbeauftragte Kiriat Bialik), Christian Urlaub (Partnerschaftsbeauftragter Steglitz-Zehlendorf)

Haben gut lachen: v.l.n.r. Ortal Hadad (Jugendamtsleiterin Kiriat Bialik), Dr. Alona Eisenberg (Partnerschaftsbeauftragte Kiriat Bialik), Christian Urlaub (Partnerschaftsbeauftragter Steglitz-Zehlendorf)

Steglitz-Zehlendorf freut sich auf das 60. Jubiläum der Partnerschaft mit Kiriat Bialik, das im Jahr 2025 begangen wird. Indem wir diese wertvolle kommunale Freundschaft erhalten, leisten wir einen Beitrag zur deutsch-israelischen Völkerverständigung und zum Abbau von Israelhass und Antisemitismus.

Kirat Bialik hat übrigens zwei weitere kommunale Partner in Deutschland: Langenfeld (Rheinland, seit 1991) und – ganz neu – Chemnitz (seit 2022). Die Stadt Chemnitz wurde beim Berliner Netzwerkseminar durch Jessica Brückner, Abteilung für europäische und internationale Beziehungen/Protokoll, vertreten.

Gruppenbild mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars. Ganz vorne Bundesministerin Lisa Paus und der israelische Vizebotschafter Guy Gilady

Gruppenbild mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Seminars. Ganz vorne Bundesministerin Lisa Paus und der israelische Vizebotschafter Guy Gilady

Beauftragter für Partnerschaften

Christian Urlaub