Im Jahr 1935 verschärfte das NS-Regime seine Kirchenpolitik. Die Bekennende Kirche der APU plante zunächst für den 16. September eine Synode in Königsberg, um über die zunehmenden Eingriffe in die kirchliche Selbstverwaltung zu beraten. Einen Tag zuvor waren die Nürnberger Rassegesetze verabschiedet worden. Zugleich gab es innerhalb der Bekennenden Kirche unterschiedliche Auffassungen darüber, ob und in welcher Form die Verfolgung der Juden thematisiert werden sollte. Schließlich wurde die Synode nach Steglitz verlegt und fand dort vom 23. bis 26. September statt.
Die Synodalen berieten unter anderem über Fragen der Verkündigung, der Sakramentsverwaltung und der kirchlichen Finanzen. Eine Denkschrift der bekenntnistreuen Studienrätin Dr. Elisabeth Schmitz (1893-1977), die sich mit großer Deutlichkeit gegen die Judenverfolgung wandte und zumindest einem Teil der Synodalen bekannt war, wurde hingegen nicht behandelt. Nach kontroversen Diskussionen verständigte sich die Synode lediglich darauf, die christliche Taufe von Jüdinnen und Juden in der evangelischen Kirche anzuerkennen. Zu den Nürnberger Rassegesetzen selbst nahm sie keine Stellung; eine entsprechende weitere Beratung wurde vertagt.
Damit zeigte die Synode einerseits theologischen Widerstand gegen Eingriffe des NS-Regimes in die Kirche, blieb andererseits aber bei der politischen Auseinandersetzung mit der Judenverfolgung zurückhaltend. Die Informationsstele erinnert damit auch an die Ambivalenzen des kirchlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.
Die Steglitzer Synode von 1935 war die letzte reguläre der insgesamt zwölf Bekenntnissynoden der APU, die bis 1943 stattfanden. Zwei weitere Synoden kamen später ebenfalls in Steglitz zusammen: am 31. Juli 1938 und am 21. Mai 1939. Beide fanden bereits unter den Bedingungen der Illegalität statt.