05/2026 – Informationsstele erinnert an evangelische Bekenntnissynode von 1935 in Steglitz

7. Mai 2026: Die Stele ist enthüllt - v.l.n.r.: Superintendentin Christa Olearius (ev. Kirchenkreis Steglitz), Dr. Christine Scheidemann (Historikerin und Autorin des Stelentextes), Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandij, Pfarrer Sven Grebenstein (Markuskirchengemeinde)

7. Mai 2026: Die Stele ist enthüllt - v.l.n.r.: Superintendentin Christa Olearius (ev. Kirchenkreis Steglitz), Dr. Christine Scheidemann (Historikerin und Autorin des Stelentextes), Bezirksstadträtin Malgorzata Sijbrandij, Pfarrer Sven Grebenstein (Markuskirchengemeinde)

Mai 2026

Vor dem Gemeindehaus der Steglitzer Markus-Kirchengemeinde in der Albrechtstraße erinnert seit dem 7. Mai 2026 eine regionalhistorische Informationsstele an die Dritte Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union (APU). Die Stele beleuchtet die Geschichte der Bekennenden Kirche in Steglitz während der Zeit des Nationalsozialismus. Entworfen wurde sie von Karin Rosenberg.

Zur Übergabe sprachen die Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport, Malgorzata Sijbrandij, die Superintendentin des Kirchenkreises Steglitz, Christa Olearius, Pfarrer Sven Grebenstein und die Historikerin Dr. Christiane Scheidemann.

7. Mai 2026: Enthüllung im Vollzug - Informationsstele vor dem Gemeindehaus der ev. Markuskirchengemeinde Steglitz

7. Mai 2026: Enthüllung im Vollzug - Informationsstele vor dem Gemeindehaus der ev. Markuskirchengemeinde Steglitz

Im Mittelpunkt der historischen Erinnerung steht eine Synode, die vom 23. bis 26. September 1935 im damaligen Gemeindehaus Markus stattfand. Die Steglitzer Gesamtgemeinde mit der Matthäus-, Lukas- und Markuskirche gehörte seinerzeit zur Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Während des sogenannten Kirchenkampfes standen sich innerhalb der evangelischen Kirche die nationalsozialistisch ausgerichteten „Deutschen Christen“ und die Bekennende Kirche gegenüber. Letztere verstand sich als oppositionelle Bewegung und organisierte eigene Gemeindetage und Synoden.

7. Mai 2026: Malgorzata Sijbrandij, Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport, während ihrer Rede zur Stelenenthüllung

7. Mai 2026: Malgorzata Sijbrandij, Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport, während ihrer Rede zur Stelenenthüllung

Auch in Steglitz hatte die nationalsozialistische Kirchenpolitik früh Wirkung gezeigt. Bei den Kirchenwahlen vom Juli 1933 errangen die Deutschen Christen reichsweit die Mehrheit – auch in Steglitz, das als Hochburg der NSDAP galt. In der Folge geriet die preußische Landeskirche unter ein deutschchristlich geprägtes Kirchenregiment. Geistliche, die sich offen gegen diese Entwicklung wandten, mussten mit Suspendierungen, Diffamierungen und Verhaftungen rechnen. In Steglitz schlossen sich neun der damals elf Pfarrer der kirchlichen Opposition an, darunter auch die Pfarrer der Markuskirche.

Bereits im September 1933 war aus Protest gegen den nationalsozialistischen Anspruch auf eine umfassende Gleichschaltung der Gesellschaft und gegen die Übertragung des sogenannten „Arierparagraphen“ auf die kirchliche Ordnung der Pfarrernotbund gegründet worden, dessen prominenteste Figur Pastor Martin Niemöller (1892-1984) aus Berlin-Dahlem war. Der Notbund unterstützte Pfarrer und Beschäftigte jüdischer Herkunft ideell und materiell. Eine öffentliche Stellungnahme der evangelischen Kirche gegen die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung blieb jedoch aus. Den theologischen Widerstand der Bekennenden Kirche formulierte schließlich die Erste Bekenntnissynode in Barmen im Mai 1934. Auf Grundlage der dort verabschiedeten Barmer Theologischen Erklärung beanspruchte die Bekennende Kirche, die rechtmäßige Vertretung der evangelischen Kirche zu sein.

7. Mai 2026: Enthüllungsgemeinde vor dem Gemeindehaus der evangelischen Markuskirchengemeinde in Steglitz

7. Mai 2026: Enthüllungsgemeinde vor dem Gemeindehaus der evangelischen Markuskirchengemeinde in Steglitz

Im Jahr 1935 verschärfte das NS-Regime seine Kirchenpolitik. Die Bekennende Kirche der APU plante zunächst für den 16. September eine Synode in Königsberg, um über die zunehmenden Eingriffe in die kirchliche Selbstverwaltung zu beraten. Einen Tag zuvor waren die Nürnberger Rassegesetze verabschiedet worden. Zugleich gab es innerhalb der Bekennenden Kirche unterschiedliche Auffassungen darüber, ob und in welcher Form die Verfolgung der Juden thematisiert werden sollte. Schließlich wurde die Synode nach Steglitz verlegt und fand dort vom 23. bis 26. September statt.

Die Synodalen berieten unter anderem über Fragen der Verkündigung, der Sakramentsverwaltung und der kirchlichen Finanzen. Eine Denkschrift der bekenntnistreuen Studienrätin Dr. Elisabeth Schmitz (1893-1977), die sich mit großer Deutlichkeit gegen die Judenverfolgung wandte und zumindest einem Teil der Synodalen bekannt war, wurde hingegen nicht behandelt. Nach kontroversen Diskussionen verständigte sich die Synode lediglich darauf, die christliche Taufe von Jüdinnen und Juden in der evangelischen Kirche anzuerkennen. Zu den Nürnberger Rassegesetzen selbst nahm sie keine Stellung; eine entsprechende weitere Beratung wurde vertagt.

Damit zeigte die Synode einerseits theologischen Widerstand gegen Eingriffe des NS-Regimes in die Kirche, blieb andererseits aber bei der politischen Auseinandersetzung mit der Judenverfolgung zurückhaltend. Die Informationsstele erinnert damit auch an die Ambivalenzen des kirchlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

Die Steglitzer Synode von 1935 war die letzte reguläre der insgesamt zwölf Bekenntnissynoden der APU, die bis 1943 stattfanden. Zwei weitere Synoden kamen später ebenfalls in Steglitz zusammen: am 31. Juli 1938 und am 21. Mai 1939. Beide fanden bereits unter den Bedingungen der Illegalität statt.

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub