Enthüllung der Informationsstele „Dritte Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union in Steglitz“

Pressemitteilung vom 22.04.2026

Donnerstag, 7. Mai 2026, 15.30 Uhr, Albrechtstraße 81A, 12167 Berlin

Am Donnerstag, den 7. Mai um 15.30 Uhr wird vor dem Gemeindehaus der Markus-Kirchengemeinde in der Albrechtstraße 81A eine regionalhistorische Informationsstele der Öffentlichkeit übergeben, die an die Rolle der Bekennenden Kirche in Steglitz im Zeitraum des Nationalsozialismus erinnert. Die Stele wurde nach einem Entwurf von Karin Rosenberg gefertigt. Es sprechen die Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport Malgorzata Sijbrandij, die Superintendentin des Kirchenkreises Steglitz Christa Olearius, Pfarrer Sven Grebenstein sowie die Historikerin Dr. Christiane Scheidemann.

Text der Informationsstele

Vom 23. bis 26. September 1935 tagte im Gemeindehaus Markus die dritte Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union (APU). Dieser Landeskirche gehörte die Steglitzer Gesamtgemeinde mit der Matthäus-, Lukas- und Markuskirche an. Während des Kirchenkampfes ab 1933 standen sich in der evangelischen Kirche die nationalsozialistisch geprägte Glaubensgemeinschaft der Deutschen Christen und die oppositionelle Bekennende Kirche gegenüber. Letztere organisierte landeskirchliche Gemeindetage und Synoden, darunter auch diese Synode.
Eingriffe der Nationalsozialisten in die kirchliche Leitungsstruktur, die zu einer protestantischen Reichskirche führen sollten, zeigten sich bereits bei den Kirchenwahlen am 23. Juli 1933, bei denen die Deutschen Christen reichsweit, auch in der NS-Hochburg Steglitz, die Mehrheit gewannen. Die preußische Landeskirche unterstand nun einem deutschchristlichen Kirchenregiment. Offene Kritik wurde mit Suspendierung, Diffamierung und Verhaftung verfolgt. In Steglitz schlossen sich neun von elf Pfarrern, darunter auch die der Markuskirche, der späteren Bekennenden Kirche an. Aus Protest gegen den NS-Totalitätsanspruch und die Übertragung des „Arierparagraphen“ auf die Kirchenordnung wurde im September 1933 in der kirchlichen Opposition der Pfarrernotbund gegründet. In christlicher Solidarität unterstützte er Pfarrer und Gemeindemitarbeitende jüdischer Herkunft ideell und materiell. Eine Stellungnahme gegen die Judenverfolgung im öffentlichen Leben blieb jedoch aus. Der theologische Widerstand wurde bei der ersten Bekenntnissynode in Barmen im Mai 1934 formuliert. Die auf der Grundlage der Barmer Theologischen Erklärung gegründete Bekennende Kirche verstand sich künftig als rechtmäßige Vertretung der evangelischen Kirche.

1935 wurde die NS-Kirchenpolitik forciert. Eine Synode zur Beratung über die Eingriffe in die Eigenverwaltung wurde von der Bekennenden Kirche der APU einberufen und für den 16. September in Königsberg geplant. Einen Tag zuvor wurden die „Nürnberger Rassegesetze“ erlassen. Meinungsverschiedenheiten über die von einigen Bekenntnispfarrern eingeforderte Thematisierung der „Judenfrage“ und die Haltung der evangelischen Kirche zur Judenverfolgung erschwerten die Planung der Synode. Sie sollte nun vom 23. bis 26. September in Steglitz stattfinden.

Auf der Synode wurde über Fragen der Verkündigung, Sakraments- und Finanzverwaltung beraten und entschieden. Die zumindest einem Teil der Synodalen bekannte erschütternde Denkschrift der bekenntnistreuen Studienrätin Dr. Elisabeth Schmitz gegen die Judenverfolgung wurde dagegen nicht verhandelt. Nach ernsten Auseinandersetzungen konnte sich die Synode nur zur Anerkennung der christlichen Taufe von Jüdinnen und Juden in der evangelischen Kirche durchringen. Zu den „Nürnberger Gesetzen“ schwieg sie; eine weitere Auslassung dazu wurde vertagt. Das Ergebnis demonstrierte theologische Entschiedenheit bei politischer Entsagung.

Die Synode war die letzte reguläre der insgesamt 12 bis 1943 stattfindenden Bekenntnissynoden der APU. Zwei später ebenfalls hier tagende Synoden fanden am 31. Juli 1938 und 21. Mai 1939 in der Illegalität statt.