Juli 2026
Die beste Methode, um Missverständnisse und hartnäckige Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen, ist das direkte Gespräch – respektvoll, offen und ohne ideologische Scheuklappen. In besonderer Weise gilt das für den israelisch-palästinensischen Dialog. Ein solcher Dialog wirkt noch nachhaltiger, wenn sich beide Partner auf Augenhöhe begegnen und ihre persönlichen Erfahrungen in der Nahostregion einfließen lassen.
Die beiden Freunde Shay Dashevsky und Dr. Ahmed Albaba – der eine Israeli, der andere Palästinenser – stellten sich am 2. Juli 2026 auf Einladung des Martin-Niemöller-Hauses bei einer Veranstaltung in Dahlem den Fragen des Publikums. Der Abend begann mit einer kurzen Präsentation in englischer Sprache über das Phänomen des Antizionismus. Es folgte ein Podiumsgespräch darüber, „wie ein respektvoller Dialog während Krieg und Terror gelingen kann“. Dashevsky und Dr. Albaba setzen sich gegen Radikalisierung ein – unabhängig davon, auf welcher Seite deren Ursachen zu verorten sind. Mit einer Fragerunde unter Einbindung des Publikums schloss die Veranstaltung. Die Moderation übernahm Dr. Verena Buser.Gastgeberin war Dr. Claudia Fröhlich, Leiterin des Martin-Niemöller-Hauses. Die Veranstaltung kam auf Vermittlung des Beauftragten des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf für Antisemitismusprävention zustande.
In der Debatte über den jahrzehntelangen Nahostkonflikt ist oft viel Halbwissen unterwegs. Einfache Antworten sind meist schnell gefunden – tragfähige Lösungen dagegen nicht. Hinzu kommt eine Unschärfe in der Verwendung zentraler Begriffe, die die Debatte bestimmen – Antisemitismus, Antizionismus, Hass auf Israel, ein verklärendes Palästinabild. Aufklärung aus erster Hand ist da hilfreich. Empathie für die Position des jeweils anderen ist in jedem Fall zielführender als sich an plakativen Schlagzeilen und scheinbar einfachen Wahrheiten zu orientieren.
Shay Dashevsky, Koch und Aktivist, ist in Tel Aviv geboren und lebt heute in Berlin. Nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 gründete er die Initiative „Civil Watch Against Antisemitism“ zur Dokumentation antisemitischer Vorfälle. In Steglitz-Zehlendorf ist er kein Unbekannter: Im Rahmen des Demokratietages trat er am 14. November 2025 in der Ingeborg-Drewitz-Bibliothek auf (wir berichteten). Mit seinem Gesprächsformat „I am from Israel. Ask me anything“ stellt er sich regelmäßig dem offenen Dialog mit Studentinnen und Studenten an Berliner Universitäten. Reichlich Gegenwind ist einkalkuliert.
Dr. Ahmed Albaba wuchs im Westjordanland auf und studierte Psychologie, Islamwissenschaft und Judaistik. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit Erinnerungskultur sowie den Folgen von Flucht und Vertreibung im Nahen Osten. Heute arbeitet er als freiberuflicher Forscher und Dozent.
Das Martin-Niemöller-Haus ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem und zusammen mit der St.-Annen-Kirche und dem Gemeindehaus Teil eines Erinnerungsensembles. Es fühlt sich der Erinnerung, dem Lernen und der Friedensarbeit verpflichtet. Benannt ist es nach seinem prominentesten Bewohner: Pfarrer Martin Niemöller (1892-1984), der mit seiner Familie von 1931 bis 1937 im damaligen Pfarrhaus lebte.