04/2026 – Gemeinsam gegen Antiziganismus: Flaggenhissung am Weltromatag

8. April 2026: Bezirksamt und BVV zeigen Flagge gegen Antiziganismus in Steglitz-Zehlendorf

8. April 2026: Bezirksamt und BVV zeigen Flagge gegen Antiziganismus in Steglitz-Zehlendorf

April 2026

Am 8. April 2026 wurde auch in Steglitz-Zehlendorf der Internationale Tag der Roma begangen. Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg und der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf, René Rögner-Francke, hissten vor dem Rathaus Zehlendorf die Roma-Flagge. Ebenfalls anwesend waren mehrere BVV-Verordnete sowie die bezirklichen Beauftragten für Partizipation und Integration, Gabriele Rosenstreich, und Christian Urlaub für den Bereich Antisemitismusprävention. Franziska Menzel, Beauftragte für die Arbeit mit Geflüchteten und Asylverfahrensberaterin im Evangelischen Kirchenkreis Teltow Zehlendorf, vertrat das Diakonische Werk Steglitz und Teltow Zehlendorf.

Der Gedenk- und Aktionstag erinnert an den ersten Internationalen Roma-Kongress am 8. April 1971 in London. Damals formierte sich erstmals eine internationale Interessenvertretung, die sich für Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe einsetzte – und zugleich Symbole wie Flagge und Hymne etablierte.

Bis heute ist dieser Einsatz notwendig. Sinti und Roma leben seit Jahrhunderten in Europa und bilden mit rund zwölf Millionen Menschen die größte Minderheit des Kontinents. Dennoch sind viele von ihnen weiterhin Diskriminierung ausgesetzt. Das zeigt auch der aktuelle „Berlin-Monitor“, der verbreitete antiziganistische Einstellungen in der Stadt dokumentiert. Wörtlich entlarvt er Antiziganismus und Antisemitismus „als Brückenideologien in rechtsextreme Einstellungsmuster“.
Wer ein antisemitisches Weltbild hegt, ist oft auch feindselig gegenüber Sinti und Roma eingestellt. Beide Ressentiments sind eng miteinander verwoben.

8. April 2026: Roma-Flagge wird vor dem Rathaus Zehlendorf gehisst

8. April 2026: Roma-Flagge wird vor dem Rathaus Zehlendorf gehisst

Etliche Initiativen und Selbstorganisationen setzen sich seit Jahren dafür ein, dieser Entwicklung entgegenzuwirken – mit Bildungsarbeit, Dokumentation und politischem Engagement. Der Roma-Tag macht diese Arbeit sichtbar und erinnert zugleich daran, dass der Einsatz gegen Ausgrenzung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleibt.

Nicht zuletzt verweist der 8. April auf die historische Verantwortung: Rund 500.000 Sinti und Roma wurden im Nationalsozialismus ermordet. Lange blieb dieser in Romanes, der Sprache der Roma, „Porajmos“ genannte Genozid wenig beachtet; erst 2012 wurde in Berlin ein zentrales Denkmal für die Opfer eingeweiht.

Zum 55. Weltromatag hat sich auch die transkulturelle Roma-Jugendselbstorganisation Amaro Foro e.V. zu Wort gemeldet. Der Verein warnt, dass „die Realität vieler Menschen weiterhin von Diskriminierung geprägt ist“. Rassistische Hetze und die Ausgrenzung von Sinti und Roma nähmen zu, so Amaro Foro.

Einer Initiative von Amaro Foro von 2020 ist es zu verdanken, dass seither am 8. April die Roma-Flagge vor den Berliner Bezirksrathäusern aufgezogen wird. Betroffene antiziganistischer Vorfälle können diese niedrigschwellig der Dokumentationsstelle Antiziganismus – DOSTA/MIA Berlin melden.

Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf will seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Antiziganismus sensibilisieren. Im Rahmen einer Fortbildung Mitte April 2026 sollen Diversitykompetenz gestärkt sowie Bilder und Vorurteile über Roma reflektiert werden.

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub