02/2026 – Vorfahrt für Antisemitismusprävention

Darf beim Demokratietag nicht fehlen: die Victor-Gollancz-Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf

Februar 2026

Antisemitismusprävention in Zeiten wie diesen ist auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen eine Notwendigkeit. Menschen jüdischer Herkunft und jüdischen Glaubens müssen sich bei uns zu jeder Zeit akzeptiert und sicher fühlen können. In Steglitz-Zehlendorf arbeiten Bezirksamt und Zivilgesellschaft bei der Verhütung von Antisemitismus Hand in Hand.

Aktivitäten der Victor-Gollancz-Volkshochschule

In der Programmplanung der Victor-Gollancz-Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf nimmt die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und der Geschichte des Nationalsozialismus immer wieder breiten Raum ein. Hinzu kommen Kurse, die auf die Stärkung der Demokratie abzielen.

Bildungszeit

Ausdrücklich ermuntert die VHS Steglitz-Zehlendorf auch zum Besuch von Kursen, die vom Land Berlin offiziell als Bildungszeit zur politischen und beruflichen Weiterbildung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern anerkannt sind.
Beispiel gefällig? Im Zeitraum 20.-24. April 2026 untersucht eine fünftägige Veranstaltung mit dem Titel „Rechte Kipppunkte. Und was wir dagegen tun können“ historische Parallelen zwischen dem Aufstieg des Nationalsozialismus in den 1930 Jahren „und vergleichbaren Kipppunkten dieser Tage“. Anmeldungen sind online, per E-Mail oder in den Servicebüros der VHS möglich.

Lesung und Gespräch mit Zeitzeugin

In Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Berlin e.V. (GCJZ) lud die Volkshochschule am 2. Februar 2026 zu einer Lesung und einem Zeitzeugen-Gespräch von und mit Irene Bindel ein. Sie wurde 1938 in Zehlendorf als Tochter einer christlichen Mutter und eines jüdischen Vaters geboren. In ihrem Buch „Wassermilch und Spitzenwein“ erzählt die Autorin ihre Familiengeschichte, die sich über mehr als ein Jahrhundert erstreckt. Im Mittelpunkt steht das Schicksal der Familie während der NS-Zeit und den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren.

Das anschließend Gespräch wurde von der jüdischen GCJZ-Vorsitzenden Beatrice Loeb moderiert.

An dieser Stelle "durch Mörderhand" gefallen: Reichausaußenminister a.D. Walther Rathenau (1867-1922); Berlin-Grunewald

An dieser Stelle "durch Mörderhand" gefallen: Reichausaußenminister a.D. Walther Rathenau (1867-1922); Berlin-Grunewald

Grunewald-Spaziergang

Zu einem historischen Spaziergang durch die Villenkolonie Grunewald lud Stilla Zrenner am 24. Januar 2026 ein. Dabei wurde u.a. der Gedenkstein zu Ehren des von rechtsextremen Gewalttätern ermordeten Reichsaußenministers Walther Rathenau (1867-1922) besichtigt. Auf dem Programm dieser VHS-Veranstaltung stand auch der Besuch des berüchtigten Gleises 17 des S-Bahnhofes Grunewald, von wo aus viele jüdische Menschen ab 1941 in Ghettos, Arbeits- und später Vernichtungslager in Osteuropa deportiert wurden. Die Vegetation zwischen den Schienen wird bewusst sich selbst überlassen, denn nie wieder wird ein Zug von diesem Gedenkort abfahren.

In der Villenkolonie hatten sich seit dem späten 19. Jahrhundert zahlreiche jüdische Bürger mit ihren Familien niedergelassen: Unternehmer, Fabrikanten, Bankiers, Verleger, Kunstsammler, Mäzene, Ärzte, Rechtsanwälte, Wissenschaftler, Intellektuelle.

Ehemaliges Wohnhaus von Franz von Mendelssohn (1865-1935), Jurist, Bankier und Mitinhaber des Bankhauses Mendelssohn (Grunewald)

Ehemaliges Wohnhaus von Franz von Mendelssohn (1865-1935), Jurist, Bankier und Mitinhaber des Bankhauses Mendelssohn (Grunewald)

Aktivitäten des Martin-Niemöller-Hauses

Das Martin-Niemöller-Haus in Dahlem ist nach Pastor Martin Niemöller (1892-1984) benannt, einem führenden Vertreter der nationalsozialismuskritischen „Bekennenden Kirche“. Das frühere Pfarrhaus ist denkmalgeschützt und dient heute als Lern- und Erinnerungsort, der an die Geschichte des Kirchenkampfes und den christlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert. Das Haus spielt eine wichtige Rolle in der Erinnerungskultur in Steglitz-Zehlendorf.

Am 17. Februar 2026 war Stephan Lehnstaedt zu Gast im Martin-Niemöller-Haus. Unter dem Motto „Der vergessene Widerstand“ thematisierte der Historiker und Professor für Holocaust Studies und Jewish Studies an der Touro University Berlin den jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
„Die Nationalsozialisten sahen für Jüdinnen und Juden nur eine Rolle vor: die des Opfers“, ist in der Veranstaltungsankündigung zu lesen. Tatsächlich hatten sich aber Zehntausende gewehrt und Widerstand im Kampf gegen den Holocaust geleistet.

Am 20. Januar 2026 stellte die Schriftstellerin Andrea von Treuenfeld im Martin-Niemöller-Haus ihr Buch „Israelis in Berlin nach dem 7. Oktober“ vor. Nach der Lesung fand ein Gespräch statt, an dem auch die Journalistin Tal Alon und die deutsch-israelische Photographin Ruthe Zuntz teilnahmen. Thematisch ging es um jüdisches Leben in Berlin vor und nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023 und in welcher Form und Intensität der zunehmende Antisemitismus hierzulande erlebt wird.

Eindrücke Gedenkstättenfahrt Krakau_Gruppenbild

Eindrücke Gedenkstättenfahrt Krakau_Gruppenbild

Rückblick auf Gedenkstättenfahrt von Jugendlichen aus dem Bezirk

In den Herbstferien 2025 unternahmen 23 Jugendliche aus dem Haus der Jugend Zehlendorf, der JFE G. Marshall, der JFE Albrecht Dürer sowie dem Kinder- und Jugendzentrum Dr. Wolf gemeinsam mit pädagogischem Personal eine mehrtägige Gedenkstättenfahrt nach Krakau (wir berichteten). Ziel war es, historisch-politische Bildung erfahrbar zu machen, die Auseinandersetzung mit dem Holocaust zu vertiefen und einen aktiven Beitrag zum Abbau von Antisemitismus zu leisten.

Den Schwerpunkt bildete der zweitägige Besuch der Gedenkstätte Auschwitz mit pädagogisch begleiteten Rundgängen durch Auschwitz I und Auschwitz-Birkenau. Die intensive Beschäftigung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, den Schicksalen der Opfer und den historischen Zusammenhängen förderte Empathie, Wissen und eine kritische Haltung gegenüber antisemitischen Denkmustern. Tägliche Gesprächs- und Reflexionsrunden begleiteten das Programm, ergänzt durch die Erkundung der Krakauer Altstadt.

Die Teilnehmer empfanden die Fahrt als eindrücklich und bereichernd. Sie stärkte historisches Bewusstsein, sensibilisierte nachhaltig gegen Antisemitismus, Ausgrenzung und Diskriminierung und wirkte für viele als prägende Erfahrung über die Reise hinaus.

Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin

Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin

Vortrag an der FU Berlin zu Antisemitismus, Rassismus und Nahost

Am 11. Februar 2026 stand das Thema „Antisemitismus, Rassismus und Nahost als Themen der politischen Bildung“ im Mittelpunkt eines Vortrags im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin (FU) in Dahlem. Die Moderation der gemeinsam von der Landeszentrale für politische Bildung, dem Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft und dem Arbeitsbereich für Politikdidaktik/Politische Bildung der FU Berlin ausgetragenen Veranstaltung übernahmen Prof. Dr. Sabine Achour von der Freien Universität und Thomas Gill von der Landeszentrale. Den Impuls zur Diskussion gaben Tabea Böker und Fadl Speck von der „Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus“.

Der Vortrag fragte danach, wie politische Bildungsarbeit auf die Verwerfungen nach dem 7. Oktober 2023 und dem Gaza-Krieg reagieren kann. Das Sprechen über Antisemitismus, Rassismus und Nahost ist seither „von Unsicherheit, Polarisierung und starken Emotionen geprägt“, stellen die Veranstalter fest.

Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannsee-Konferenz"

Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannsee-Konferenz"

Babka & Krantz verlässt den Standort Wannsee

Ohne großes mediales Aufsehen hat der jüdische Konditoren-Meisterbetrieb Babka & Krantz seine Filiale auf dem Gelände des Hauses der Wannsee-Konferenz aufgegeben. Damit endet nach nur gut zwei Jahren eine mehr als genussreiche Periode, die sich rund um handwerklich gefertigte süße Kränze oder pikante Babkas drehte. Die Betreiber haben den Besucherinnen und Besuchern der Gedenkstätte, aber auch den Menschen der Wannseer Nachbarschaft, die Vielfalt jüdischer Backkunst nahegebracht. In einer am 18. Dezember 2025 veröffentlichten Pressemitteilung erläutern Direktion, Leitung und Verwaltungsleitung des Hauses der Wannsee-Konferenz die Gründe und danken der Babka & Krantz Meisterkonditorei GmbH ausdrücklich für „zwei Jahre hervorragende Zusammenarbeit“ und die Bereicherung der Gedenk- und Bildungsstätte „durch ausgezeichnete biologische und koschere Produkte“.

Babka & Krantz ist der erste jüdische Meisterbetrieb der Berliner Bäckerinnung und Preisträger des Handwerkspreises der Bürgschaftsbanken unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und des Bundeswirtschaftsministeriums.

Das Haupthaus im Ortsteil Friedenau des benachbarten Bezirks Tempelhof-Schöneberg bleibt Gott sei Dank erhalten. Einen jüdischen Betrieb im Herzen unserer Stadt zu unterstützen, ist ein aktiver Beitrag gegen Antisemitismus.

Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannsee-Konferenz"

Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannsee-Konferenz"

Ein kleiner Wermutstropfen: Wie einem Pressebericht vom 29. Januar 2026 zu entnehmen war, verzeichnet das Haus der Wannsee-Konferenz im Jahr 2025 einen Rückgang der Besucherzahlen von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024. Im Gesamtjahr 2025 hätten sich zudem 30 antisemitische, israelfeindliche oder andere menschenfeindliche Vorfälle ereignet, davon 26 Gästebucheinträge, hieß es weiter. 2023 lag die Zahl bei insgesamt neun, somit deutlich niedriger.

Es bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sich aktiv gegen Antisemitismus einzusetzen.

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub