11/2025 – Steglitz-Zehlendorf gedenkt der Reichspogromnacht

9. November 2025: Bezirksbürgermeisterin Schellenberg bei der Kranzniederlegung vor der Spiegelwand

9. November 2025: Bezirksbürgermeisterin Schellenberg bei der Kranzniederlegung vor der Spiegelwand

November 2025

Bekanntermaßen ist der 9. November ein sehr ambivalenter Tag in der deutschen Geschichte. Tiefe Trauer, Scham, aber auch ausgelassene Freude und Jubel kennzeichnen ihn. Das alljährliche Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938 gehört der ersten Kategorie an. Angesichts des weltweit grassierenden Antisemitismus dürfen die Pogromopfer nicht in Vergessenheit geraten – heute nicht, morgen nicht, niemals! Gleichzeitig müssen wir uns immer wieder an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erinnern, die aus ihrer Heimat deportiert wurden.

Ein zentraler Erinnerungsort unseres Bezirks ist die Spiegelwand auf dem Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz. Wie in jedem Jahr versammelten sich auch am 9. November 2025 Vertreterinnen und Vertreter von Bezirksamt und Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf vor der gläsernen Wand, um in Stille auszuharren und zusammen mit Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg Kränze niederzulegen.

Stolpersteine im Herbstlaub

Stolpersteine im Herbstlaub

9. November 2025: Die Stolpersteine zu Ehren der Familie Gradenwitz frisch im Boden eingelassen

9. November 2025: Die Stolpersteine zu Ehren der Familie Gradenwitz frisch im Boden eingelassen

Stolpersteinverlegung für Familie Gradenwitz

Eine wichtige erinnerungskulturelle Rolle spielen die Stolpersteine, die überall im öffentlichen Straßenland an verfolgte Jüdinnen und Juden erinnern. Auch am Tag des Pogromgedenkens fand eine solche Verlegung statt. Mit insgesamt sieben Stolpersteinen wurden Mitglieder der Familie Gradenwitz in der Schloßstraße 28 geehrt, nur einen Katzensprung vom Hermann-Ehlers-Platz entfernt. Seit 1904 lebte die Familie in dieser Wohnung, ehe deren Verfolgung während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft einsetzte.

9. November 2025: Weiße Rosen bedecken die Stolpersteine zu Ehren der Familie Gradenwitz

9. November 2025: Weiße Rosen bedecken die Stolpersteine zu Ehren der Familie Gradenwitz

9. November 2025: Verlegung von sieben Stolpersteinen zu Ehren der Familie Gradenwitz

9. November 2025: Verlegung von sieben Stolpersteinen zu Ehren der Familie Gradenwitz

Eingeladen hatte der Evangelische Kirchenkreis Steglitz, der innerhalb seines Sprengels federführend für die Verlegung von Stolpersteinen zuständig ist. Superintendentin Christa Olearius und Pfarrerin Andrea Köppen freuten sich, dass Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg der Zeremonie beiwohnte und eine kurze Würdigung der Geehrten hielt. Pfarrerin Köppen koordiniert die Stolperstein-Initiative des Kirchenkreises. Sabine Davids hatte sich im Vorfeld in die Biographien der zu ehrenden Personen vertieft und die entsprechenden Begleittexte verfasst. Bei der Verlesung der Biographien waren auch Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schule Steglitz aktiv beteiligt.

Die musikalische Begleitung erfolgte durch den Klarinettisten Rainer Vogt und Volker Fry an der Melodika. Sie spielten unter anderem das berührende Thema des Films „Schindlers Liste“, komponiert von John Williams.

In den Seiten der Zeit - Ich leb so gern

„Ich leb‘ so gern …“ – Filmvorführung im Mittelhof

Lebensfreude pur trotz der permanenten Bedrohung durch die Nationalsozialisten atmet der Film „In den Seiten der Zeit – Ich leb‘ so gern“, der am 9. November 2025 im Stadtteilzentrum Villa Mittelhof gezeigt wurde.

In den Jahren 1929 bis 1948 dokumentierte die junge Berlinerin Gerda M. Meyer in kleinen Taschenkalendern stichwortartig alle Facetten ihres ereignisreichen Lebens. Ihre Urgroßnichte Ulrike Cordier brachte die Aufzeichnungen später in eine gedruckte Form. Um diesen Schatz möglichst vielen jungen Leuten zugänglich zu machen, wurde in Kooperation mit der Alice-Salomon-Hochschule ein Film gedreht. Dies ist naheliegend, da Gerda einst Schülerin der „Sozialen Frauenschule“ war. „Sichtweisen werden differenziert, nicht nur um Antisemitismus innerhalb der Gesellschaft vorzubeugen, sondern auch um Perspektiven für Versöhnungschancen zu schaffen“, heißt es in einem von den Veranstaltern verbreiteten Pressetext. Angesichts des wiederaufkeimenden Antisemitismus ermutigt dieser Film zu mehr Zivilcourage.

Ulrike Cordier war bei der Filmvorführung persönlich anwesend. Zusammen mit Regisseurin Johanna Pohland und Olaf Löschke, Vorsitzender des Historikerlabors e.V., stellte sie sich im Anschluss den Fragen der Zuschauer.

Über den offiziellen Filmstart am 9. Mai 2025 im Schlossparktheater Steglitz hatten wir berichtet.

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub