Fast 3000 Anträge auf Kostenübernahme für Hotel und Unterbringung sind beim Bezirk Steglitz-Zehlendorf eingegangen. Dies ist als Maßnahme der Gefahrenabwehr während des Stromausfalls im Januar, der weite Teile Zehlendorfs nach dem Brandanschlag auf die Stromversorgung in Berlin im Dunklen und Bitterkalten ausharren ließ, notwendig. Jeden Tag werden Zahlungen veranlasst, mit Stand 7. April sind schon 800 Anträge in Zahlung bzw. bereits schon auf die Konten der Betroffenen ausgezahlt.
„Uns ist sehr bewusst, dass der damalige Stromausfall viele Bürgerinnen und Bürger vor sehr kurzfristige und teilweise belastende Entscheidungen gestellt hat. Gerade deshalb ist es uns ein wichtiges Anliegen, die eingegangenen Anträge mit großer Sorgfalt, aber zugleich pragmatisch, schnell und mit dem notwendigen Augenmaß zu prüfen.“, sagt Tim Richter, Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Soziales.
Es wird mit hoher Priorität daran gearbeitet, die Verfahren zügig abzuschließen. Grundlage der Prüfung sind die jeweils eingereichten Nachweise, insbesondere Hotelrechnungen sowie Angaben zum Aufenthalt während des Stromausfalls. Voraussetzung für eine Erstattung sind vollständige und prüffähige Unterlagen. Die Auszahlungen erfolgen fortlaufend. „Unser Ziel ist es, berechtigte Anliegen möglichst zügig und lösungsorientiert zu bearbeiten. Um die Bearbeitung weiter zu beschleunigen, sind derzeit rund ein Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Berliner Verwaltung zusätzlich im Einsatz.“, so Richter.
Gleichwohl lässt sich angesichts der Vielzahl der Anträge leider nicht vermeiden, dass die Bearbeitung insgesamt noch etwas Zeit in Anspruch nimmt. Tim Richter: „Wir bitten daher weiterhin um ein wenig Geduld und danken herzlich für das Verständnis.“ Zudem dankt Richter auch den Unterstützungen aus den Ämtern des Bezirks und des Landes. Gerade für ein kleines Amt für Soziales wie das in Steglitz-Zehlendorf sei es „eine große Aufgabe, die bereits bis heute schon gestemmt wurde und ich bin sicher, dass wir auch die nächste Etappe konstruktiv und im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und mit Rücksicht auf alle Beteiligten im Bezirksamt meistern.“
Das Amt für Soziales stellt auf der Übersichtsseite zur Erstattung der Kosten für Unterbringung im Zusammenhang mit der Großschadenslage ein Dashboard zur Verfügung, um transparent den Fortschritt aufzuzeigen:
https://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-soziales/artikel.1643408.php
Hintergrundinformationen sowie Fragen und Antworten:
Wenn aufgrund des Stromausfalls im Bezirk Steglitz-Zehlendorf eine kostenpflichtige Übernachtung zur Überbrückung einer individuellen Notlage in Anspruch genommen werden musste, können die reinen Übernachtungskosten im erstattungsfähigen Zeitraum nachträglich erstattet werden. Erstattungsfähig sind alle Unterkunftskosten, soweit sie eine bedarfsgerechte Übernachtung darstellen und im Zusammenhang mit der Großschadenslage aufgrund des großflächigen Stromausfalls im Januar 2026 stehen. Die Erstattung ist nicht auf bestimmte Hotels beschränkt. Die Erstattungshinweise stehen unter www.steglitz-zehlendorf.de/hke online zur Verfügung. Für Rückfragen steht eine gesonderte E-Mail zur Verfügung: stromausfall-kosten@ba-sz.berlin.de .
Für diese gesonderte Kostenübernahme individueller Unterbringung im Rahmen der Großschadenslage hat der Bezirk erstmalig und bisher einmalig in Berlin Geschäftsprozesse und IT-gestützte Prüfverfahren in Rekordzeit entwickelt: Nicht nur wurde eine entsprechende Arbeitsgruppe aufgesetzt, Flächen im Großraumbüro ertüchtigt, Ausstattung, Personaleinsatz, Entscheidungsebenen definiert und flexibel organisiert. Auch umfasst dies u.a.:- Entwicklung technisch-organisatorisches Fachverfahren
- Definition Geschäftsprozess für Prüfung der eingegangenen Anträge
- konkrete Arbeitsanweisung und Prüfbogen
- den konkreten Rechtskreis zu prüfen
- die rechtlichen Grundlagen für die Entscheidungen zu begründen
- Abrechnung, Auszahlungsprozess und die entsprechenden Freigaben für die Einzelauszahlungen zu definieren.
Dies ist in dieser Größenordnung in Berlin erstmalig so in diesem Tempo umgesetzt worden.
Wie lange braucht es, einen Antrag auf Kostenerstattung zu bearbeiten?
Die durchschnittliche Netto-Arbeitszeit pro Antrag beträgt 65-70 Minuten. Das bedeutet, bei Vorliegen aller notwendigen Informationen nimmt die Bearbeitung regelmäßig durchschnittlich diese Zeit in Anspruch.
Wenn 3000 Anträge vorliegen, ein Antrag durchschnittlich 70 Minuten in Anspruch nimmt, wie lange braucht ein Mitarbeiter, diese Anträge zu bearbeiten?
3000 Anträge à 70 Minuten entsprechen 210.000 Minuten Bearbeitungszeit, also rund 3500 Stunden. Das sind bei einer 40-Stunden-Woche etwa 87,5 Arbeitswochen für eine Person, also gut 1,7 Jahre als reine Arbeitszeit für alle Anträge.
Wie hat es der Bezirk Steglitz-Zehlendorf dann geschafft, dass Anfang März – also nur sechs Wochen nach Ende der Großschadenslage – bereits mit den Auszahlungen begonnen werden konnte?
Das ist durch gute Zusammenarbeit geschafft worden und durch eine klare organisatorische Priorisierung in den definierten Geschäftsprozessen. Was so technisch klingt, ist schließlich eine Management-Aufgabe, bei der viele mitwirken. Auch bearbeiten mehrere Teams die Anträge, so dass Anträge parallel behandelt, Rückfragen eingeholt und anderweitig Auszahlungen erfolgen können.
Liegen denn immer alle Informationen bereits entscheidungsreif vor?
Es kommt in einer Vielzahl der Anträge vor, dass zum Beispiel Rückfragen bestehen. Oder Fotos der Dokumente nicht klar erkennbar sind oder fehlen. Manchmal auch Zahlendreher in der IBAN, die für die Auszahlung natürlich notwendig ist. Dies führt zu Rückfragen (sogenannte „Mitwirkung“). Um dies transparent zu machen, führt das Bezirksamt in seinem Dashboard auch die Zahl der noch unvollständigen Anträge auf, zu denen noch Rückfragen geklärt werden.
Wann werden die Anträge komplett entschieden sein?
Die eingegangenen Anträge werden mit großer Sorgfalt, aber zugleich pragmatisch, schnell und mit dem notwendigen Augenmaß beschieden. Dies braucht aber seine Zeit, insofern rechnen wir mit dem Abschluss der konkreten Arbeit der extra geschaffenen Arbeitsgruppe im Frühsommer, streben jedoch an, schneller zu sein.