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Bolt und TH Wildau untersuchen Mikromobilität in Berliner Stadtrandlagen

Pressemitteilung vom 18.07.2022

  • In drei Reallaboren testen Bolt und TH Wildau das Potenzial von Mikromobilität am Stadtrand für die erste und letzte Meile
  • Dabei sollen die Rahmenbedingungen erforscht werden, die es für ein erfolgreiches Verleihsystem braucht
  • Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit den Bezirken Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg

18.07.2022, Berlin. Gemeinsam mit der TH Wildau führt Bolt einen neunmonatigen Feldversuch zu Mikromobilität am Stadtrand durch.

Der Mobilitätsanbieter Bolt untersucht in den kommenden neun Monaten in Kooperation mit den Bezirken Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg die Nutzung von Mikromobilität am Stadtrand von Berlin. Gemeinsam mit der BMDV-Stiftungsprofessur Radverkehr der TH Wildau startet das Unternehmen drei Reallabore, die das Potenzial von geteilten E-Scootern und E-Bikes für die erste und letzte Meile sowie als Zubringer zum ÖPNV testen sollen. Micromobility-Sharing-Systeme sind inzwischen fester Bestandteil insbesondere des innerstädtischen Verkehrs. Allerdings gibt es weiterhin offene Fragestellungen zur Wirtschaftlichkeit und zur notwendigen Ausgestaltung des Angebots in den Stadtrandlagen. Diese Fragestellungen sollen in der Studie von Bolt und der TH Wildau erforscht werden.

Insbesondere soll dabei untersucht werden, welche Rahmenbedingungen es für die optimale Einbettung von geteilter Mikromobilität in das Verkehrsgefüge in Stadtrandlagen benötigt, damit diese nachhaltig ihr Potenzial entfalten kann. Durch die gemeinsame Studie erwartet Bolt deutlich besser gesicherte Forschungsergebnisse für Verkehrsplanung und -politik, auch über Berlin hinaus. Schon bei der Planung arbeitet Bolt daher eng mit den involvierten Bezirken zusammen.

Da Teile des Bezirks Tempelhof-Schöneberg außerhalb des S-Bahn-Ringes liegen, sieht die Bezirksstadträtin Saskia Ellenbeck großen Bedarf nach alternativen Mobilitätsformen:

Ich freue mich sehr, dass wir den Sharing-Gedanken mit diesem Modellvorhaben auch in den Süden unseres Bezirkes bringen können. Denn die Mobilitätswende darf nicht am S-Bahnring aufhören. Auch im Außenbereich brauchen wir flexible Alternativen zum eigenen Auto. Die virtuellen Stationen in Lichtenrade sorgen dafür, dass die Leihfahrzeuge nicht wild abgestellt werden können. Ich bin gespannt auf die Auswertung und hoffe auf rege Nutzung durch die Lichtenradener Bürger*innen.

Ein weiteres Reallabor befindet sich in Steglitz-Zehlendorf, wo sich das Gebiet großzügig über die Wohngebiete erstreckt.

Urban Aykal, Bezirksstadtrat, sieht die Integration von Mikromobilität ins Stadtgefüge als besonders wichtig an:

Ich freue mich auf das Reallabor, auch vor dem Hintergrund, dass die Nutzung im Zuge der Projektzusammenarbeit im Hinblick auf die Stadtverträglichkeit optimiert werden kann.

Auch Balthasar Scheder, Country Manager Rentals bei Bolt, sieht das Projekt als wichtigen Baustein für die Verkehrswende:

E-Scooter und E-Bikes zum Leihen finden sich aktuell vor allem in Innenstädten. Aus unserer Sicht kann Mikromobilität auch außerhalb der Stadt erheblichen Mehrwert leisten, zum Beispiel als Zubringer des Öffentlichen Nahverkehrs. So kann langfristig auch die Abhängigkeit vom Auto verringert werden. Im ersten Schritt wollen wir nun herausfinden, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Mikromobilität in Außenbezirken funktionieren kann.

Forschungsansatz: Rahmenbedingungen für die optimale Einbettung von geteilter Mikromobilität

Das Forschungsprojekt wurde gemeinsam mit der BMDV-Stiftungsprofessur Radverkehr der TH Wildau konzipiert. Die Technische Hochschule wird in den kommenden Monaten die Auswertung der Untersuchung übernehmen, um Rückschlüsse auf Nutzen und Wirtschaftlichkeit von Mikromobilität am Stadtrand zu ziehen. Dabei werden neben der Erhebung der aggregierten und anonymisierten Fahrdaten auch Nutzer*innen-Umfragen sowie Experteninterviews durchgeführt.

Für die Untersuchung etabliert Bolt in den kommenden neun Monaten folgende Reallabore:

Lichtenrade: Der Betrieb wird über circa 5 km² in einem virtuell-stationsbasierten Parksystem organisiert. Dabei werden 39 Parkflächen in der App ausgewiesen, an denen das Abstellen ausschließlich möglich ist. Der Preis beträgt zu Anfang 14 Cent/Minute ohne Entsperrgebühr. Ab der 14. Minute kostet die Fahrt mit 28 Cent/Minute doppelt so viel.
Zehlendorf: Im südlichen Zehlendorf werden ebenfalls auf circa 5 km² Bolt E-Scooter und E-Bikes im sogenannten free-floating Betrieb angeboten. Die Fahrzeuge können flexibel unter Wahrung geltender Parkregeln abgestellt werden. In den kommenden Wochen werden Parkflächen an den Hauptknotenpunkten im Bezirk hinzukommen. Der Preis beträgt hier ebenfalls ohne Entsperrgebühr 19 Cent/Minute für die ganze Fahrtlänge.
Brandenburger Kommune: noch in Planung, Start voraussichtlich im August

Die drei Reallabore unterscheiden sich in der Ausgestaltung des Angebots, um später Rückschlüsse zwischen Betriebsmodell und Wirksamkeit herstellen zu können. So wird es stationsbasierte, hybride und free-floating Ansätze geben, um herauszufinden, welches Angebotsmodell in Stadtrandlage funktioniert. Auch die Preise werden sich in den Bezirken und im Laufe der Reallabore unterscheiden bzw. verändern.

An der TH Wildau wird Prof. Dr. Christian Rudolph, Professor für Radverkehr in intermodalen Verkehrsnetzen der TH Wildau, das Projekt betreuen.

Wir sind sehr gespannt auf das gemeinsame Projekt mit Bolt. Geteilte Mikromobilität birgt in Stadtrandlagen ein enormes Potenzial, um Menschen den Zugang zum ÖPNV zu erleichtern und alternative Mobilitätsangebote zum Auto zu schaffen. Unser Ziel ist es, in den Reallaboren zu erforschen, unter welchen Rahmenbedingungen dieses Potenzial bestmöglich angehoben werden kann und ob dabei Unterschiede zwischen E-Scootern und E-Bikes bestehen.