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Pressemitteilung des Bezirksstadtrats Michael Karnetzki zur Stammbahn-Diskussion: Bewohnerinnen und Bewohner von Steglitz-Zehlendorf nicht gegeneinander ausspielen!

Pressemitteilung vom 07.01.2020

Als Bezirksstadtrat für den öffentlichen Nahverkehr begrüße ich grundsätzlich jeden Vorschlag, den schienengebundenen Personennahverkehr im Berliner Südwesten möglichst schnell auszubauen, um unseren Bezirk von den immer stärker wachsenden PKW-Pendlerströmen zu entlasten. Das ist auch gut für eine nachhaltige und klimafreundliche Stadtentwicklung. Beim neuen Vorstoß des Aktionsbündnisses “Ressourcen nutzen, Natur schützen!” (www.stammbahnalternative.de) (siehe Berliner Woche Zehlendorf vom 2.1.2020) befürchte ich jedoch, dass die Dinge nicht zu Ende gedacht sind. Der Vorschlag geht dahin, dass auf Dauer statt der Stammbahntrasse das Gütergleis neben der S-Bahnlinie 1 (Wannseebahn) für die neue Regionalbahnlinie aus Richtung Potsdam genutzt werden soll. Das sei einfacher, schneller und kostengünstiger zu realisieren.

Das stimmt aber nur dann, wenn man vernachlässigt, dass derzeit lediglich im Gespräch ist, eine dieselbetriebene Regionalbahnlinie (RB 33) von Wannsee aus zu verlängern, weil die Strecke gar nicht elektrifiziert ist, und wenn man davon ausgeht, dass hier keine Lärmschutzmaßnahmen für die an der Strecke Anwohnenden ergriffen werden. Berücksichtigt man dies jedoch, so wird auch hier ein Planfeststellungsverfahren erforderlich sein und der vermeintliche Vorteil würde sich schnell in Luft auflösen.

Uns als Bezirksamt sind jedoch alle Menschen gleichermaßen wichtig. Eine Regionalbahnstrecke dauerhaft mit Dieselbetrieb und ohne Lärmschutz in Nikolassee und Schlachtensee wollen wir nicht. Und ich bin überzeugt, die betroffenen Bürgerinnen und Bürger in Nikolassee auch nicht.
Von den negativen Folgen des Bahnbetriebs sind an der Wannseebahn mehr Menschen betroffen als an der “Stammbahn”. Und Vorteile gibt es dort auch für fast niemanden. Denn die S-Bahn auf der Strecke gibt es schon.

Das Aktionsbündnis argumentiert darüber hinaus mit dem vermeintlichen Vorteil, dass am Bahnhof Wannsee ein wichtiger Knotenpunkt für den Pendlerverkehr aus Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf angeschlossen würde. Die Anwohnenden in der Umgebung des Bahnhofs Wannsee erleben den zunehmenden PKW-Pendlerverkehr in ihren Wohnstraßen jedoch schon seit langem als ein Problem und fordern vom Bezirksamt, Schritte dagegen zu unternehmen.

Der Pendlerverkehr aus den genannten Orten mit dem ÖPNV besteht dagegen nur aus einer einzigen Buslinie. Die ÖPNV-Anbindung aus Teltow/Kleinmachnow Stahnsdorf ließe sich natürlich mindestens genauso gut an den Bahnhöfen Düppel/Kleinmachnow und Europarc Dreilinden organisieren.