Spaziergang durch Steglitz-Zehlendorf Seite 1

Die Entdeckung der "verborgenen" Orte

Ein Spaziergang vom S-Bahnhof Zehlendorf zum Jagdschloss Grunewald

Stress, Lärm und Hektik, das sind die Dinge, die das Leben der Menschen in der Großstadt beeinflussen. Es gibt manchmal Tage, wo man diesen Einflussfaktoren schlicht entkommen möchte. Man will einen Ort finden, wo man wieder Energie tanken kann. Es liegt einfach in der Natur der Menschen, nach Gegebenheiten zu suchen, wo sie sich entspannen können, wo sie wieder zu sich kommen, und wo sie sich erholen können. Manche von uns finden diese tausende von Kilometern weit weg und verreisen dafür Tage oder Wochen, nur um dem Stress des Alltags zu entkommen. Wenn wir aber mal mit offenen Augen durch Berlin bummeln, würden wir erkennen, dass sich so ruhige und auch wertvolle Orte in unserer Nähe verbergen.

Das Problem ist einfach nur, dass wir sie – im Alltag verhaftet – einfach nicht genügend beachten. Wenn wir aber einen „zweiten Blick“ riskieren und uns nur ein bisschen mehr Zeit für die „schönen Dinge“ nehmen, dann würden wir erkennen, dass Berlin eine große Anzahl an solchen interessanten Orten aufweist. Wenn wir uns nur einen Ortsteil herausnehmen, können wir auf diesem kleinen Fleck sogar außergewöhnliche und kulturell und historisch interessante Plätze finden. Genau auf solche Orte möchte ich Sie aufmerksam machen. Dazu lade ich Sie herzlich zu einer Wanderung durch den „Grünen Bezirk“ Steglitz-Zehlendorf von Berlin ein. Noch ein kleiner Tipp für unseren Spaziergang: Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung!

Ankunft am S-Bahnhof Zehlendorf

Ankunft am S-Bahnhof Zehlendorf

Wir starten am S-Bahnhof Zehlendorf. Diesen erreichen Sie mit der Linie S1 oder mit den Bussen 101, 115 und 623. Mit der S-Bahn angekommen, gehen wir die Treppe vom Ausgang runter und biegen dann links ab. Schon hier werden wir von sündhaft leckeren Gerüchen begrüßt: Obsthändler verkaufen frisches Obst und Gemüse und unterschiedliche Imbisse laden zum schmackhaften Snack ein.

Aussicht vom Bahnsteig S-Bahnhof Zehlendorf

Aussicht vom Bahnsteig S-Bahnhof Zehlendorf

Wer eine Stärkung benötigt, kauft sich eine Kleinigkeit, denn für unseren Spaziergang müssen Sie ungefähr zwei Stunden einplanen. Wir laufen nun den Teltower Damm entlang. Mein erster Eindruck war, als ich hier ankam, es handelt sich um ein kleines Dorf. Ich hatte das Gefühl, dass jeder jeden kennt. Die kleinen fünfstöckigen Häuser mit den Läden erinnerten mich an ein Dorf in der Nähe der Ostsee.

v.l.n.r. Rathaus Zehlendorf und Pauluskirche

v.l.n.r. Rathaus Zehlendorf und Pauluskirche

Doch ich darf nicht all zu tief in meine Erinnerungen verfallen, denn an der zweiten Ampel müssen wir nach links in die Kirchstraße abbiegen. Hier möchte ich Ihnen ein Gebäude vorstellen, welches im Jahr 2029, genauer gesagt am 20. April 2029, sein „100. Jubiläum“ feiern wird.

Von Außen nichts sagend, doch die Geschichte verrät uns, dass das Rathaus Zehlendorf eine bewegte Vergangenheit hinter sich hat.

Im Jahre 1914 begangen die Vorarbeiten zum Bau des Rathauses Zehlendorf. Der beginnende Erste Weltkrieg stoppte alle Überlegungen, danach folgten die Weltwirtschaftskrise und die Inflation. Erst 15 Jahre später, am 20. April 1929, konnte das Bauprojekt abgeschlossen werden. Die Beendigung der Bauarbeiten war eine große Erleichterung für alle Beteiligten. Der damalige Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß brachte dies in seiner Rede wie folgt zum Ausdruck: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Er betonte noch: „…dass dieses Haus ein Denkmal sein möge der friedlichen Verständigung zwischen Bürgerschaft und Stadt, ein Ansporn für treue Arbeit zum Wohle unser großen Stadt Berlin.“

Rathaus Zehlendorf

Eingang Rathaus Zehlendorf, Kirchstraße 1/3, 14163 Berlin

Für die damalige Zeit war die Fertigstellung des Rathauses ein großes Ereignis, denn das frühere Amtsgebäude konnte der wachsenden Vorortgemeinde nicht mehr standhalten, und es musste ein neues Quartier her. Die Eröffnung wurde zu einer Festlichkeit, zu der viele Beteiligte kamen. Der damalige „Zehlendorfer Anzeiger“ schrieb am nächsten Tag: „Mittags um 12.30 Uhr versammelten sich rund 250 geladene Gäste im Bürgersaal zur Schlüsselübergabe, unter ihnen Berlins Oberbürgermeister Gustav Böß, Stadtältester Fritz Wege, Architekt Prof. Dr. Eduard Jobst Siedler, die Mitglieder des Bezirksamtes und alle Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung (BVV).“

Und obwohl schon ein paar Jährchen vergangen sind, hat sich gar nicht so viel verändert. Die BVV tagt immer noch jeden Monat im Bürgersaal. Auch die Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski findet jeden Monat in ihrer Bürgersprechstunde ein offenes Ohr für die Anliegen jedes einzelnen Bürgers bzw. jeder einzelnen Bürgerin. Wenn ich alles aufzählen würde, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hier leisten, dann würden wir nicht vorankommen.

Was ich aber noch nennenswert finde, ist die Beziehung zu den Partnergemeinden und -städten, die der Bezirk Steglitz-Zehlendorf pflegt. Einige Namen kann man dem Schild, das am Haupteingang des Rathauses in der Kirchstraße 1/3 angebracht ist, entnehmen.

  • *Wegweiser*

    *Wegweiser*

  • Rathaus Zehlendorf

    *Rathaus Zehlendorf*

  • Eingangsbereich Rathaus Zehlendorf

    *Rathaus Zehlendorf - Eingangsbereich von Außen*

  • *Rathaus Zehlendorf - Eingangbereich*

    *Rathaus Zehlendorf - Eingangbereich*

  • Übersicht Partnerschaften am Rathaus Zehlendorf

    *Kennzeichnung der Partnerstädten*

Pauluskirche Zehlendorf

Pauluskirche

Gegenüber des Haupteinganges auf der anderen Straßenseite steht eine unglaublich große Kirche, die Pauluskirche . Sie ist rot wie das Feuer und mit so einer Fertigkeit in den Jahren 1903 bis 1905 erbaut worden, dass man heute noch vor ihr steht und durch ihre Mächtigkeit und Detailtreue fasziniert ist.

An jeder Ecke finden wir verspielte Details dieser neugotischen Kirche. Einer der damals ganz großen Architekten war an diesem Bau beteiligt, Hubert Stier (* 27. März 1838, +25. Juni 1907). Er war ein Architekt, der seinen Beruf mit Leidenschaft ausübte. Sein Talent bewies er nicht nur an der Pauluskirche, sondern z. B. auch beim Bau des „Roten Rathauses“ in Berlin-Mitte, wo heute der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit seinen Sitz hat. Eine Besonderheit der Pauluskirche ist die Walcker-Orgel, deren Musik die Menschen verzaubert. Interessierte können hier hervorragende Konzerte erleben.

Doch apropos verzaubert, wenn wir links an der Pauluskirche die
Martin-Buber-Straße bis zur Potsdamer Straße entlanggehen, können wir auf der linken Straßenseite einen kunstvollen Brunnen sehen.

Zeli-Brunnen

Zeli-Brunnen

Die Künstlerin Brigitte Stamm hat ihn den “Zeli-Brunnen” genannt, doch im Volksmund wird einfach vom “Märchenbrunnen” gesprochen. Wenn man vor diesem außergewöhnlichen Brunnen steht, wird die Fantasie angeregt. Rundherum sind bronzene Märchenfiguren zu erkennen und man fängt automatisch an, die rustikalen Frauen-, Kinder- und Tiergestalten in das passende Märchen einzuordnen. Ein besonderes Merkmal dieses Kunstwerkes sind die Schlangen, die sich um die Säule, an der die Figuren moduliert sind, herum schlingen.

Wie gesagt, bei jeder Figur fällt mir ein Märchen ein. Doch ich möchte nicht allzu viel verraten, ich lasse Ihnen die Gelegenheit, sich in die Kindheit zurückzuversetzen.

Wir gehen nun rechts von der Martin-Buber-Straße die Potsdamer Straße entlang bis zu der nächsten großen Kreuzung. Auf der linken Seite können sie den so genannten „historischen Winkel“ betrachten. Um es uns mal aus der Nähe anzusehen, gehen wir die Straße hinüber.

  • Pauluskirche Zehlendorf

    *Pauluskirche*

  • *Eingangsbereich der Pauluskirche*

    *Eingangsbereich der Pauluskirche*

  • *Straßenschild*

    *Straßenschild*

  • *Zeli-Brunnen aus der Nähe*

    *Zeli-Brunnen aus der Nähe*

  • Zeli-Brunnen

    *Zeli-Brunnen*

  • *Zeli-Brunnen*

    *Zeli-Brunnen*