03/2025-CHARKIW – Klaus Dittmer unterstützt orthopädische Zentralklinik

Orthopädietechniker Klaus Dittmer vor einer Paketsendung mit gespendeten Prothesenteilen

Orthopädietechniker Klaus Dittmer vor einer Paketsendung mit gespendeten Prothesenteilen

Charkiw / März 2025

Mit 84 Jahren ziehen sich viele Senioren zurück, legen die Beine auf Sofa und gönnen sich einen geruhsamen Lebensabend. Nicht so Klaus Dittmer. Der gelernte Werkzeugmacher und Orthopädietechniker aus Zehlendorf hat eine neue Bestimmung gefunden: Zwölf Jahre nach Beginn seines Ruhestands ist er unermüdlich damit beschäftigt, gebrauchte Prothesen und Orthesen zu sammeln, die in der Ukraine dringend benötigt werden. Es geht ihm darum, „Patienten zu helfen, wieder auf ‚eigenen‘ Beinen stehen zu können“, begründet er sein Engagement. Ausrangierte Prothesenteile, die sonst in den Müll wandern würden, zerlegt er und nutzt sie für neue Teile. Seit Kriegsbeginn in der Ukraine haben über 50.000 Menschen Gliedmaßen verloren. Der Bedarf vor Ort ist also groß.

Klaus Dittmer (Orthopädietechniker im Ruhestand) und Olga Pischel (Vorstandsbeisitzerin Städtepartnerschaftsverein Steglitz-Zehlendorf e.V.)

Klaus Dittmer (Orthopädietechniker im Ruhestand) und Olga Pischel (Vorstandsbeisitzerin Städtepartnerschaftsverein Steglitz-Zehlendorf e.V.)

Klaus Dittmer setzt auf die logistische und finanzielle Unterstützung durch den Städtepartnerschaftsverein Steglitz-Zehlendorf e.V. Dessen Vorstandsmitglied Olga Pischel ist gebürtige Ukrainerin und verfügt über ein dichtes Kontaktnetz in unsere Partnerstadt Charkiw. Im April 2022 hatte der Orthopädiefachmann über einen Zeitungsartikel von der Spendenaktion des Städtepartnerschaftsvereins erfahren. Er setzte sich mit Olga Pischel in Verbindung und fragte, ob in der Ukraine Prothesenteile benötigt würden. Mit dem ukrainischen Forschungsinstitut für Prothetik und Rehabilitation war schnell ein Projektpartner in Charkiw gefunden. Die von Dittmer gelieferten Teile helfen vielen Patienten, die Zeit zu überbrücken, bis sie eine individuell angepasste Prothese erhalten.

Für die aus Zehlendorf geleistete Hilfe ist man in der Ukraine sehr dankbar. „Mit den von Ihnen erhaltenen Modulen bereiten die Prothesenhersteller maßgefertigte Lösungen für die erste Patientenversorgung: die Übergangsprothese für die Formung des Stumpfes und anschließend die ersten Gehübungen“, formuliert Direktorin Antonina Salleva in einem Dankesschreiben vom 18. Januar 2024. „Ihre humanitäre Hilfe, die gesendeten Prothesenteile und –module erlaubten uns, (…), in Charkiw die Bedingungen für die qualifizierte und rasche Prothesenversorgung nicht nur für Soldaten, sondern auch für Zivilisten, die sich an Minen vor ihrem Haus verletzen, zu schaffen“, ergänzt sie. Bei einem Raketenbeschuss im Frühjahr 2022 wurde die Werkstatt in Charkiw beschädigt. Derzeit operiert sie von dem im Westen der Ukraine liegenden Lemberg aus. Für eine Übergangszeit landen dort auch die Prothesenpakete aus Zehlendorf. In Lemberg laufen Planungen, den Betrieb in Charkiw wiederaufzubauen.

ein Mann mit Beinprothese steht auf einer Treppe im Freien

„Ich habe meine Kindheit in einem kriegszerstörten Berlin verbracht“, erinnert sich Klaus Dittmer. Als vierjähriger Junge saß er im Luftschutzbunker – eine Erfahrung, die ihn zweifellos prägte und für das Leiden anderer sensibilisierte. Durch seine jahrzehntelange Tätigkeit hat er ein großes und stabiles Netzwerk im Bereich Orthopädietechnik aufgebaut. Dieses Netzwerk kommt ihm jetzt zugute. „Es freut mich unwahrscheinlich, wenn ich die Teile, die mir geschenkt werden, weitergeben und anderen damit ein Geschenk machen kann“, sagt er. Er hat bereits sechs Autoladungen mit jeweils 20 Kartons voller Prothesen in die Ukraine geschickt.

Dittmers Projekt „Prothesenteile für die Ukraine“ hat über verschiedene Medien den Weg in die Öffentlichkeit geschafft: Im Dezember 2022 berichtete die Deutsche Welle, Ende Februar 2025 der RBB. Eine kleine Dokumentation mit dem Titel „Alte Beine – Neues Leben“ wurde in der RBB-Reihe „DER TAG“ am 26. März 2025 gesendet.

Klaus Dittmer macht sich keine Illusionen: „Die Hilfe, die ich geben kann, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. So lange der russische Aggressor nicht daran denkt, seine Angriffe auf das Nachbarland einzustellen, sei „unsere Hilfe auch weiterhin notwendig“. Deshalb ist auch über 1200 Tage nach der Großinvasion Russlands jede Spende zugunsten der „Charkiw-Hilfe“ des Städtepartnerschaftsvereins hochwillkommen. Den Link zum Spendenkonto finden Sie hier. Mittlerweile ist die unglaubliche Summe von 213.435,60 Euro (Stand: 30. Juni 2025) an Spenden eingegangen.

Gebrauchte Prothesenteile können direkt an folgende Anschrift gesendet werden:

ICA-NET GmbH VH
2. OG links
Lehnitzstraße
16515 Oranienburg

Das Bezirksamt dankt Klaus Dittmer von Herzen für seinen segensreichen Einsatz. Zusammen mit dem Städtepartnerschaftsverein hat er sich um die deutsch-ukrainische Freundschaft, besonders mit unserer Partnerstadt Charkiw, verdient gemacht.

Beauftragter für Partnerschaften

Christian Urlaub