12/2024-CHARKIW – Einladung in den „Underground Garden“ nach Steglitz

Ausstellung "Underground Garden", Steglitz (16. Dezember 2024 bis 13. Januar 2025)

Ausstellung "Underground Garden", Steglitz (16. Dezember 2024 bis 13. Januar 2025)

Charkiw / Dezember 2024

Der 18. November 2024 war ein denkwürdiger, ein trauriger Tag: An diesem Tag herrschte seit 1000 Tagen Krieg in der Ukraine. Der russische Aggressor macht keinerlei Anstalten, den Angriffskrieg zu beenden oder sich zumindest auf Verhandlungen über einen gerechten Frieden einzulassen, der die Souveränität der Ukraine respektiert. Während der Kreml darauf spekuliert, dass die Kriegsmüdigkeit in Europa zunimmt, gleichzeitig aber die Solidarität mit der Ukraine abnimmt, leiden die Menschen vor Ort unter den fortdauernden Angriffen auf Ziele der zivilen Infrastruktur. Um dieser Gefahr vorzubeugen, ist es wichtig, im Reden über die Kriegsfolgen nicht nachzulassen.

Ganz besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche, für die der Luftschutzkeller ebenso zum Alltag gehört wie Strom- und Heizungsausfälle. Das betrifft auch die zweitgrößte Stadt des Landes: Charkiw. Viele junge Menschen haben nach Ausbruch des Angriffskrieges in U-Bahn-Schächten Zuflucht gesucht und diese in Kunstateliers umgewandelt. Mit Unterstützung des in unserer Partnerstadt ansässigen Kunststudios „Aza Mizi Naza“ entstanden in großer Zahl Kunstwerke, die Charkiws Untergrund schmücken und von dort als eine Art Hoffnungsanker nicht mehr wegzudenken sind.

16. Dezember 2024: Gruppenbild im Charkiw-Park mit Kindern und Jugendlichen aus Charkiw und Vertretern des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V.

16. Dezember 2024: Gruppenbild im Charkiw-Park mit Kindern und Jugendlichen aus Charkiw und Vertretern des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V.

16. Dezember 2024: Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (2.v.r.) spricht das Grußwort zur Ausstellungseröffnung; links daneben Olga Pischel, Vorstandsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V.

16. Dezember 2024: Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (2.v.r.) spricht das Grußwort zur Ausstellungseröffnung; links daneben Olga Pischel, Vorstandsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V.

Nach einer Zwischenstation in Prag sind nun acht Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und sechzehn Jahren, zusammen mit ihren Begleitpersonen und einem Filmteam, nach Steglitz-Zehlendorf gereist.
Am 16. Dezember 2024 eröffnete die für Bildung, Kultur und Sport zuständige Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski eine Gemäldeausstellung, in der eine Auswahl besonders gelungener Bildwerke präsentiert wird. Als Standort konnte ein Fußgängerübergang gewonnen werden, der das Untergeschoss des Einkaufszentrums „Das Schloss“ mit der U-Bahn-Station „Rathaus Steglitz“ verbindet.

Aza Nizi Maza sei „ein Ort für die Kreativität und Widerstandsfähigkeit inmitten der Härte des Krieges“, schreiben die Veranstalter in einer Mitteilung. „Im Schutzraum der U-Bahn-Schächte“ hätten die jungen Künstlerinnen und Künstler „ihre traumatischen Erfahrungen verarbeitet und mithilfe der Kunst ausgedrückt, wonach sie sich sehnen: nach Frieden und Sicherheit im Kreis ihrer Familien und Freunde“, ergänzte das Bezirksamt in einer Pressemitteilung vom 11. Dezember 2024.

„Gerade jetzt in der Geschäftigkeit der Vorweihnachtszeit laden die Bilder zum Innehalten ein und vermitteln die Hoffnung auf Frieden“, erklärt Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg.

Ausgerechnet am Tag der Vertrauensfrage: Olaf-Scholz-Porträt wird am 16. Dezember 2024 Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski überreicht. Links Doku-Filmproduzent Oleksiy Makukhin

Ausgerechnet am Tag der Vertrauensfrage: Olaf-Scholz-Porträt wird am 16. Dezember 2024 Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski überreicht. Links Doku-Filmproduzent Oleksiy Makukhin

„Diese Ausstellung gibt uns einen einzigartigen Einblick in die Gedanken, Träume und Hoffnungen der Kinder, die in einer Zeit des Krieges leben“, sekundiert Cerstin Richter-Kotowski, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und Bezirkskulturstadträtin. „In jeder Linie, jeder Farbe steckt ein Stück Hoffnung und eine Botschaft des Friedens, die es wert ist, gehört und verstanden zu werden“, fügt sie hinzu. Kinder erinnerten „durch ihre Kreativität und (…) unerschütterliche Hoffnung an das Gute“. Dass das Olaf-Scholz-Porträt einer jungen Künstlerin künftig das Dienstzimmer der Bezirksstadträtin zieren wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Besonnen-nachdenklich den Kopf neigend, posiert der gemalte Kanzler vor Reichstag und Brandenburger Tor.

16. Dezember 2024: Vertreter des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V. verteilen Geschenke an die Kinder und Jugendlichen aus Charkiw

16. Dezember 2024: Vertreter des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V. verteilen Geschenke an die Kinder und Jugendlichen aus Charkiw

Begleitet wurden die Kinder und Jugendlichen von einem Kamerateam des Filmkollektivs „I am Ukrainian“, das unter Leitung von Produzent Oleksiy Makukhin derzeit an einer Dokumentation über das Aza-Nizi-Maza-Projekt arbeitet. Der Produzent hat auch die Berlinreise der Kinder organisiert, die für viele Beteiligte die erste Auslandsreise überhaupt ist. Kofinanziert wurde die Ausstellung durch den Städtepartnerschaftsverein Steglitz-Zehlendorf e.V.. Einen besonderen Dank spricht der Verein auf seiner Webseite dem Center-Manager Jörn Friedrichsen aus. Er habe es ermöglicht, dass die Ausstellung im Untergeschoss des Einkaufszentrums stattfinden kann.

Zu sehen ist sie bis einschließlich 13. Januar 2025.

Farbenfroh-phantasievoller Käfer

Farbenfroh-phantasievoller Käfer

Mit dem Bild des Gartens verbindet sich in der Regel eine positive Konnotation. Insofern passt es auch, dass die Gemäldeausstellung den Titel „Underground Garden“ trägt. Die Bilder entführen in die Phantasiewelten der Kinder und Jugendlichen: Eine Jugendliche hat das Schlafzimmer von Vincent van Gogh ins Bild gesetzt, „allerdings das aufgeräumte“, wie sie fast entschuldigend betont. Ein zehnjähriges Mädchen malte eine Blume, „die mit ihren Wurzeln bis in den Kosmos reicht“. Hier krabbelt ein farbenfroher Käfer über die Leinwand, dort ist ein ukrainischer Soldat mit blau-gelbem Hoheitszeichen zu sehen. Die Motive sind genauso vielfältig wie die künstlerischen Intentionen und Interpretationen der jungen Kunstschaffenden.

Entstanden sind die ausgestellten Bilder im Winter 2022, während der heftigsten Angriffe auf Charkiw. Sie gelten als Symbole des Widerstandes der Zivilbevölkerung in unserer Partnerstadt.

Totale Transparenz des Menschen

Totale Transparenz des Menschen

In jedem Fall hat die Bilderschau einen willkommenen Nebeneffekt: Sie hält das Bewusstsein auch der Menschen hierzulande aufrecht, dass die Ukraine nicht nur um ihre Unabhängigkeit und territoriale Integrität, sondern auch um den Erhalt ihrer kulturellen Identität kämpft.

Die Ukrainische Botschaft entsandte Botschaftssekretärin Nina Masol zur Vernissage. Der Vorstand des Städtepartnerschaftsvereins war durch den Vorsitzenden Sebastian Leskien, dessen Stellvertreter Rolf Breidenbach, sowie die Vorstandsmitglieder Olga Pischel, Rosemarie Menzel, Elke Dietrichs und Heinz-Joachim Elbe stark vertreten.

16. Dezember 2024: Bezirksstadträtin und stellv. Bezirksbürgermeisterin Richter-Kotowski verteilt Geschenke

16. Dezember 2024: Bezirksstadträtin und stellv. Bezirksbürgermeisterin Richter-Kotowski verteilt Geschenke

Beauftragter für Partnerschaften

Christian Urlaub