06/2024-CHARKIW – Auf Reisen in der ukrainischen Partnerstadt

Hier wird gebacken: Olga Pischel (2.v.l.), Vorstandsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V., im Kreise der ehrenamtlichen Bäckerinnen und Bäcker des "Hell's Kitchen"

Hier wird gebacken: Olga Pischel (2.v.l.), Vorstandsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V., im Kreise der ehrenamtlichen Bäckerinnen und Bäcker des "Hell's Kitchen"

Charkiw / Juni 2024

Als echte Charkiwerin ist es Olga Pischel ein Bedürfnis, sich immer wieder auf Reisen in die Ukraine zu begeben, um sich persönlich ein Bild von der Lage ihrer Heimatstadt zu machen. Zuletzt war das Vorstandsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V. im Juni 2024 vor Ort.

Über ihren Verein hat Olga Pischel der interessierten Öffentlichkeit einen ausführlichen Reisebericht vorgelegt. „Es fiel mir schwer, nach diesen 6 Monaten, in denen sich fast täglich eine neue Tragödie durch die russischen Angriffe ereignete, im Juni nach Charkiw zu fahren“, gestattet sie zunächst einen Einblick in ihr Seelenleben. Besonders wichtig war es ihr, in Erfahrung zu bringen, ob die von Steglitz-Zehlendorf aus geleistete Hilfe auch wirklich ankommt. Außerdem ging es ihr darum, aktuelle Bedarfe an Hilfsgütern direkt vor Ort zu ermitteln. Konkret zählt sie Hilfe für medizinische Einrichtungen, Bildungs- und Kindereinrichtungen, Generatoren, sowie psychologische Unterstützung und Rehabilitationsmaßnahmen auf.

Vorher-Nachher-Effekt im Regionalkrankenhaus: Hier vor der Sanierung

Vorher-Nachher-Effekt im Regionalkrankenhaus: Hier vor der Sanierung

Im Zentrum des Reiseberichts stehen vier Handlungs- und Aufgabenfelder: Prothesen und Rehabilitation, Psychologische Betreuung im Krankenhaus, Betrieb einer Suppenküche, Förderung eines Kindertanzstudios.

Versorgung mit Prothesen und Rehabilitation

Dank der finanziellen und logistischen Unterstützung des Städtepartnerschaftsvereins, sowie der Prothesenspenden von Klaus Dittmer, Orthopädietechniker im Ruhestand, konnte das Prothesen- und Rehabilitationszentrum in Charkiw wiederaufgebaut werden. Dort erfolgt die Erstversorgung der Patienten, denen Gliedmaßen amputiert werden mussten. Die Leiterin des Prothesenzentrums dankte ausdrücklich für die Lieferung von Prothesenmodulen aus Steglitz-Zehlendorf.

Im ersten Halbjahr 2024 wurden zwei Transporte (ca. 50 Kartons) mit Prothesenteilen in das Prothesen- und Rehabilitationszentrum auf den Weg gebracht. Sehr hilfreich ist das exzellente Kontaktnetz von Klaus Dittmer zu Fachleuten und Institutionen in Deutschland.

Psychologische Betreuung im Regionalkrankenhaus

„Zurzeit ist das Krankenhaus (…) überfüllt, so dass für die notwendige psychologische Betreuung der Patienten und ihrer Angehörigen keine Räumlichkeiten zur Verfügung stehen“, schreibt Olga Pischel über den aktuellen Zustand des Regionalkrankenhauses. Einige ältere Gebäudeteile sind stark renovierungsbedürftig. Dank einer Spende der evangelischen Pauluskirchengemeinde Lichterfelde konnte inzwischen mit dem Umbau eines kleinen Raumes für die psychologische Betreuung der Patienten begonnen werden. Ein Wasserschaden wurde beseitigt, die Wände sind verputzt.

Vorher-Nachher-Effekt im Regionalkrankenhaus: Hier nach der Sanierung

Vorher-Nachher-Effekt im Regionalkrankenhaus: Hier nach der Sanierung

Ensemble der Kinder- und Jugendtanzgruppe ARiRa

Ensemble der Kinder- und Jugendtanzgruppe ARiRa

Kindertanzgruppe „ARiRa“

Leider waren die rund 30 Kinder der Kindertanzgruppe nicht anwesend, als Olga Pischel in deren Trainingshalle vorbeischaute. Sie erholten sich gerade von einer 16-stündigen Busreise in die Westukraine, wo sie sich wegen eines Auftritts aufgehalten hatten. Ermöglicht wurde die Reise den jungen Tänzerinnen und Tänzern aufgrund einer Spende des Städtepartnerschaftsvereins vom Mai 2024. „Trotz der langen Reise waren sie sehr glücklich und begeistert“, ist glaubhaft überliefert. Zwei engagierte Gruppenleiter, Natalia Bedych und Oleksiy Dendeberya, unterrichten die Kinder im modernen Tanz. „Mit Eurer Hilfe waren wir in der Lage, die Aktivitäten zu erweitern, neue interessante Veranstaltungen für die Kinder durchzuführen, die Bedingungen für die Trainings und Auftritte, sowie die Sicherheit der Kinder zu verbessern“, formulieren sie in einem an den Städtepartnerschaftsverein gerichteten Dankesschreiben.

Ensemble der Kinder- und Jugendtanzgruppe ARiRa

Ensemble der Kinder- und Jugendtanzgruppe ARiRa

Seit 2023 unterstützt der Partnerschaftsverein das Tanzstudio. Trotz der Bombenangriffe bietet es „einen Raum für (…) Kinderbegegnung an einem sicheren und geschützten Ort“, heißt es auf der Vereinswebsite.

Beim gemeinsamen Backen herrscht gute Stimmung: Freiwillige Helferinnen und Helfer in der Suppenküche "Hell's Kitchen"

Beim gemeinsamen Backen herrscht gute Stimmung: Freiwillige Helferinnen und Helfer in der Suppenküche "Hell's Kitchen"

Suppenküche „Hell’s Kitchen“

Seit 2022 unterstützt der Städtepartnerschaftsverein eine Suppenküche in Charkiw. Dass die Einrichtung logistisch und organisatorisch so reibungslos läuft, war für Olga Pischel „eine große Überraschung“. Ungeachtet der permanenten Bedrohung durch mögliche Raketenangriffe und trotz der Frontnähe helfen dort viele Freiwillige mit, z.B. aus England und den USA. Durch ihren Dienst tragen sie dazu bei, die Not der Binnenflüchtlinge aus anderen Regionen der Ukraine zu lindern. Sie backen Brot und helfen bei der Zubereitung von warmen Mahlzeiten. „An manchen Wochentagen werden bis 1000 Essensportionen und 1000 kleine Brote gebacken“, berichtet die Vereinswebseite.

Der Verein kann sich bei der finanziellen Unterstützung der Suppenküche auch auf eine monatliche Zuwendung der Margit-Horváth-Stiftung stützen.

Kleiner Ausblick

Während die Menschen in den friedlichen Teilen Europas ihre Sommerfrische genießen, bleibt die Gesamtlage in Charkiw schwierig, denn die Sommerferien „bringen den Kindern und ihren Familien wenig Freude – nicht viele können sich einen Urlaub leisten, bzw. sind okkupiert“. Gerade in der warmen Jahreszeit versuchen die kommunalen Versorgungsdienste, die Strom- und Wasserleitungen zu „stabilisieren“. Dies hat zur Folge, dass Lebensmittel nicht so gut gekühlt werden können, Gastronomiebetriebe und Geschäfte ihre Öffnungszeiten einschränken müssen.

Die zivile Infrastruktur Charkiws ist Objekt russischer Zerstörungswut. Da auch die Charkiwer Universität stark beschädigt wurde, bittet die Rektorin aktuell um Unterstützung. Hilferufe sind auch von einem Militärhospital eingegangen, wo Fenster und Generatoren fehlen.

Dennoch schließt Olga Pischels Reisebericht mit einem vorsichtig optimistischen Fazit: „Trotz der Stromausfälle, Luftalarme und den Zerstörungen lebt und kämpft die Stadt weiter und wir können dabei helfen“.

Weiterhin sammelt der Städtepartnerschaftsverein eifrig Spenden über seine „Charkiw-Hilfe“ ein, damit die Hilfe über den Herbst 2024 hinaus fortgesetzt werden kann. Die Ukraine-Hilfe leistet der Verein ehrenamtlich und unentgeltlich. Damit unterstützt er ganz konkrete Projekte vor Ort. Die geleistete Hilfe kommt verlässlich am Zielort an, was bei großen namhaften Organisationen nicht immer der Fall ist.

Das Spendenkonto des Partnerschaftsvereins lautet wie folgt:
IBAN: DE27100500001010004405
BIC-/SWIFT-Code: BELADEBEXXX

Bitte fügen Sie als Kennwort “Charkiw-Hilfe” hinzu.

Beauftragter für Partnerschaften

Christian Urlaub