Die Veranstaltung „Alt werden – alt sein in verschiedenen Kulturen“ am 24.9. in Kooperation des Diakonischen Werks Steglitz und Teltow-Zehlendorf mit der generationsübergreifenden Arbeit des Ev. Kirchenkreises Teltow-Zehlendorfs fand im Rahmen des Sommercafés der Ev. Gemeinde Schönow-Buschgraben statt. An einem langen Tisch waren Senior*innen aus Zehlendorf sowie internationale Gäste aus der Nachbarschaft, darunter ein ägyptischer Nachbar mit seiner deutschen Frau, ein ukrainisches Rentnerpaar sowie zwei weitere ukrainische Senior*innen aus dem Dahlemer Ukrainecafé. Eine junge Frau aus dem Irak, welche ebenfalls in der Nachbarschaft Zehlendorf Süd wohnt, nahm als Übersetzerin teil und bereicherte das Gespräch mit ihren Sichtweisen.
In dem angeregten Gespräch wurden verschiedene Unterschiede und Gemeinsamkeiten deutlich.
Während die hier geborenen sowie der ukrainischen Senior*innen sich bereits mit dem Begriff „alt“ überhaupt nicht identifizieren konnten, da sie sich selbst nicht als „alt“ wahrnahmen angesichts der vielseitigen sportlichen, kulturellen oder auch ehrenamtlichen Aktivitäten und das Bedürfnis nach Unabhängigkeit, Privatsphäre und individueller Freiheit sehr hoch bewertet wurde, wurde z.B. aus dem Irak berichtet, dass das große Glück der älteren Menschen in der Gemeinschaft mit den Familienangehörigen bestehen würde.
Pflegebedürftige Angehörige in eine Einrichtung außerhalb der Familie zu bringen gelte im Irak als „ehrenlos“, die älteren Familienmitglieder würden immer von der Familie versorgt und betreut werden. Auch gab es Unterschiede in der Wahrnehmung der Einflussmöglichkeiten und Autoritäten der älteren Verwandten. Während das „Machtwort“ der älteren Menschen in arabischen Ländern zumindest nach außen hin ein hohes Gewicht habe und die Jüngeren sich daran halten müssten, würden die Nachkommen der Senior*innen aus Berlin zwar die Meinung der älteren Verwandten schätzen, ihre Entscheidungen aber völlig unabhängig davon treffen.
Der ägyptische Nachbar berichtete, dass die gesellschaftliche Teilhabe von älteren Menschen in Ägypten stärker von finanziellen Möglichkeiten abhängig sei als hier, es gäbe „Clubs“ für Ältere, die eher von wohlhabenderen Menschen genutzt werden würden.
Das Gespräch wurde von allen Teilnehmenden mit großem wechselseitigem Interesse und unter hoher Beteiligung geführt, eine Zehlendorfer Seniorin stupste ihre Nachbarin mittendrin an und sagte „..ach ist das spannend“.
Zum Abschluss bat eine ukrainische Teilnehmerin, ein Lied aus der Heimat singen zu dürfen. Die Intensität des Liedes rührte viele der Teilnehmenden zu Tränen. Die hiesigen Senior*innen sangen daraufhin gemeinsam „Geh aus mein Herz und suche Freud“.
Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Wir hoffen auf weitere Veranstaltungen dieser Art im nächsten Jahr.