02/2026 – Kulturbahnhof geht auf Reisen: Weltreligionen im Heiligen Land

18. Februar 2026 im Vortragssaal des Bürgertreffpunkts Bahnhof Lichterfelde-West: Wenn einer viele Reisen tut, dann kann er viel erzählen! - Ethnologe Nils Seethaler

18. Februar 2026 im Vortragssaal des Bürgertreffpunkts Bahnhof Lichterfelde-West: Wenn einer viele Reisen tut, dann kann er viel erzählen! - Ethnologe Nils Seethaler

Februar 2026

„Von einem Kulturbahnhof aus kann man gut auf Reisen gehen“ – mit diesem passenden Bonmot lud Harald Hensel, Vorsitzender des Fördervereins Bürgertreffpunkt Bahnhof Lichterfelde West e.V., am 18. Februar 2026 die Gäste im großen Veranstaltungssaal der beliebten Seniorenfreizeitstätte zu einer gut einstündigen Reise ins Heilige Land ein. Sinnigerweise diente der Ort des Geschehens früher als Wartesaal für die Fahrgäste der dritten und vierten Wagenklasse. Lange warten musste niemand, denn Nils Seethaler, ein ebenso erfahrener wie belesener Ethnologe, stand als „Reiseleiter“ schon in den Startlöchern. Auf dem Reiseprogramm standen die heiligen Stätten von vier monotheistischen Weltreligionen, die in Israel und Palästina beheimatet sind: Judentum, Christentum, Islam und die Bahai-Religion. Um aber gleich vier Religionen auf einen Schlag kennenzulernen, reist man am besten virtuell …

Bahnhof Lichterfelde West

Bahnhof Lichterfelde West

Zunächst wies Seethaler mit Hilfe einer Landkarte auf die dichte Besiedlung des Heiligen Landes hin, das sich im Wesentlichen aus dem Staat Israel, dem Westjordanland und dem Gazastreifen zusammensetzt. Sein reich bebilderter Vortrag glich einem Parforceritt durch die religiöse Landschaft Israels und Palästinas, wohl bedingt durch das enge Zeitkorsett. Dennoch versuchte der Referent, allen vier Religionen in ihrer Bedeutung gerecht zu werden. Zusätzlich zu den Heiligtümern präsentierte er Bilder der regionalen Museumslandschaft mit ihren Zeugnissen zu Naturgeschichte, Archäologie, Ethnologie und Kunst.

18. Februar 2026: Harald Hensel, Vorsitzender des Fördervereins (Mitte), heißt den Referenten Nils Seethaler (rechts) willkommen; links im Bild: Andreas Ohrt, Leiter der Seniorenfreizeitstätte

18. Februar 2026: Harald Hensel, Vorsitzender des Fördervereins (Mitte), heißt den Referenten Nils Seethaler (rechts) willkommen; links im Bild: Andreas Ohrt, Leiter der Seniorenfreizeitstätte

Zentrale Heiligtümer von vier Weltreligionen im Heiligen Land

Das Christentum stellt im Heiligen Land heute nur eine kleine Minderheit dar, sieht man von der Geburtsstadt des Jesus von Nazareth, Bethlehem, und der Stadt Nazareth einmal ab. Zentrale christliche Heiligtümer sind die Geburtskirche in Bethlehem und die Grabeskirche in Jerusalem. Hinzu kommt die Via Dolorosa in Jerusalem, die dem Leidensweg Jesu Christi bis zur Kreuzigungsstätte auf Golgatha folgt.

Der Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem gilt den Muslimen nach Mekka und Medina als drittwichtigstes Heiligtum überhaupt. Mit der Al-Aqsa-Moschee befindet sich eine weitere zentrale Gebetsstätte an diesem Ort. In Jericho verehren gläubige Muslime das mutmaßliche Grab Mose, in Hebron die Gräber der Erzeltern bzw. Patriarchen, darunter die Grablege Abrahams/Ibrahims. Diese Stätte gilt Juden, Muslimen und Christen gleichermaßen als heilig – sie ist daher politisch besonders sensibel.

Gleiches gilt für den Tempelberg, dem Standort des zerstörten Tempels der Israeliten. Die Westmauer als der letzte erhaltene Teil der Umfassungsmauer des Zweiten Tempels ist der heiligste Ort des Judentums. Gläubige Juden stecken kleine Zettel mit persönlichen Bitten oder Segenswünschen in die Mauerritzen der sogenannten „Klagemauer“.

Die Bahai-Religion ist die jüngste der vier im Heiligen Land vertretenen Weltreligionen. Sie ist erst im 19. Jahrhundert im früheren Persien (dem heutigen Iran) entstanden und versteht sich als Religion der Einheit. Moses, Buddha, Jesus und Mohammed gelten als aufeinanderfolgende Offenbarer ein- und desselben göttlichen Willens. Das spirituelle Zentrum dieser Religion im Heiligen Land ist Akko, das an der israelischen Mittelmeerküste im Norden von Haifa liegt.

Damit Menschen unterschiedlicher Religionen einander verstehen, ist es unverzichtbar, zumindest über ein Grundwissen dessen zu verfügen, was den Anhängern der jeweils anderen Religion heilig ist. Toleranz und Akzeptanz helfen Antisemitismus, Islamophobie und Christenfeindlichkeit zu verhindern.

Auch wenn man sich vielleicht die eine oder andere Vertiefung gewünscht hätte, hat Seethalers virtuelle Reise ins Heilige Land dazu einen wertvollen Beitrag dazu geleistet.

Weltkugel umgeben von religiösen Symbolen

Christliche und islamische Fastenzeit

Es kommt nicht sehr häufig vor, dass der Beginn der christlichen und muslimischen Fastenzeit auf ein- und denselben Tag fallen. 2026 trifft genau dies zu. Vermutlich ist es nur Zufall, dass der Vortrag von Nils Seethaler am Aschermittwoch, der gleichzeitig den Ramadan einleitete, stattfand. Der Aschermittwoch gilt im Christentum als Beginn der 40-tägigen Zeit des Fastens, der Buße und Umkehr, die im österlichen Fest der Auferstehung gipfelt. Durch das Auflegen des Aschenkreuzes werden die Gläubigen zeichenhaft an die menschliche Vergänglichkeit erinnert. Etwas kürzer dauert der muslimische Ramadan, etwa einen Monat. Die zentralen Elemente des Fastens – Verzicht, Gebet, Almosen – haben Christen und Muslime gemeinsam.

Nils Seethaler, geboren 1981 in Berlin-Lichterfelde, ist Kulturanthropologe und Ethnologe. An der Freien Universität Berlin studierte er Ethnologie, Literaturwissenschaft und Politologie. Seit 2012 koordiniert er das Archiv der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte (BGAEU) im Archäologischen Zentrum der Staatlichen Museen zu Berlin, welches seinerseits „die archäologischen Kompetenzen der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz unter einem Dach“ vereint. Seethaler ist in der universitären und außeruniversitären Lehre tätig.

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub