Abraham galt als sensibler, introvertierter und verträumter Mensch, zugleich gewissenhaft und großzügig, jedoch innerlich unsicher und wenig durchsetzungsfähig. Zwischen fachlicher Anerkennung und persönlicher Fragilität bestand ein dauerhaftes Spannungsverhältnis. Hirschfeld förderte ihn, schützte ihn lange und band ihn eng an das Institut, sah aber zugleich seine Passivität und mangelnde Belastbarkeit. Damit wurde Abraham zugleich getragen und abhängig von dieser Beziehung.
Schon früh zeigten sich Zeichen innerer Erschöpfung. Kollegen berichteten von Rauschzuständen und Medikamentenmissbrauch. Abraham entwickelte eine zunehmende Abhängigkeit von starken Arzneimitteln, die offenbar der Flucht vor Überforderung, politischem Druck und Selbstzweifeln diente. Nach der Zerstörung des Instituts 1933 verschärfte sich seine Krise. Zwar eröffnete er eine eigene Praxis, geriet jedoch zunehmend in finanzielle und gesundheitliche Not. Seine Emigrationsversuche nach Schweden scheiterten 1936; er lebte dort verarmt und isoliert. Ende 1936 äußerte er Suizidgedanken.
1937 ging Abraham nach Italien, möglicherweise auch wegen eines gegen ihn anhängigen Verfahrens im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. In Florenz versuchte er noch einmal neu zu beginnen, scheiterte jedoch an Sucht, Einsamkeit und wachsender Verzweiflung. Am 8. September 1937 nahm er sich das Leben.
Sein Freitod markiert das tragische Ende eines hochbegabten, sensiblen und innerlich zerrissenen Menschen, dessen Lebensweg durch persönliche Abgründe, politische Verfolgung und den Verlust seiner geistigen Heimat zerstört wurde.
Der Stolperstein an der zweiten Station des Spaziergangs wurde am 12. November 2016 verlegt. Zu Lebzeiten Abrahams lautete die Adresse Arndstraße 40.