11/2024 – Kulturamt lädt zum Künstlergespräch über „Rosa Synagoge“

Ganz in Pink - Synagogendarstellung (Navot Miller, Man in Terborg synagogue, 2024, 200 x 160 cm, Öl auf Leinwand)

Ganz in Pink - Synagogendarstellung (Navot Miller, Man in Terborg synagogue, 2024, 200 x 160 cm, Öl auf Leinwand)

November 2024

„Wannsee Contemporary“ heißt eine Galerie in Wannsee, in der zeitgenössische Kunst präsentiert wird. Zwischen dem 13. September und dem 16. November 2024 war in ihren Räumlichkeiten eine quietschbunte Synagoge zu bewundern. Sie war Herzstück der Ausstellung „Navot Miller – A Pink Shul“. „Shul“ ist eine in der jiddischen Sprache verbreite Bezeichnung für „Synagoge“. Passend zur Ausstellung hatte Galerist Avi Feldmann die Räume farblich umgestaltet und ihr einen rosa Anstrich verpasst. Die Synagoge bot für einen sakralen Kontext recht ungewöhnliche Einblicke: nackte Männer, die eng umschlungen im Gebetsraum stehen.

Am 7. November 2024 waren der jüdisch-amerikanische Künstler Navot Miller und Galerist Feldmann bei einem Künstlergespräch im Rokokosaal des Gutshauses Steglitz zu Gast. Weitere Diskutanten aus den Bereichen Kunst, Architektur und Judaistik komplettierten das Podium. Diskutiert wurde ein spannender Themenmix aus Antisemitismus, „Queerness“ und jüdisches Leben in Deutschland heute. Gastgeber des Gesprächs war der Fachbereich Kultur des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf.

Der 1991 geborene Künstler stellte seine „Vision einer pinkfarbenen Synagoge“ vor, „die für Menschen aller Geschlechter, Glaubensrichtungen und Religionen offen ist, in der queeres und jüdisches Leben mit anderen Gemeinschaften und Minderheiten in Berlin imaginiert und praktiziert werden kann“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kulturamtes. Die Synagoge und deren künstlerische Farbgebung bringen zwei Kernkomponenten im Leben von Navot Miller zusammen: „das Aufwachsen in einer jüdisch-orthodoxen Familie in Israel und das Queer-Sein im pulsierenden Berlin“.

„Diese Vision greift die Idee auf, dass das Judentum, wie jede reichhaltige Tradition, eine ganze Bandbreite von Erfahrungen und Ausdrucksformen beherbergen kann und diese Vielfalt menschlichen Wissens eher feiert, anstatt es einzuschränken“, schrieb Miller am 13. September 2024 in einem Beitrag für die „Jüdische Allgemeine“. Sein Konzept „Pink Synagogue“ imaginiert er „als einen Raum (…), in dem Farbe und sexuelle Orientierung kein Tabu sind, sondern gefeiert werden“. Er spricht von ersten sexuellen Erfahrungen im Schutzraum der Synagoge und schließt mit einem überraschenden Bekenntnis: „Offensichtlich war die Synagoge für mich mehr als ein Ort für Gebete. Sie sollte ein Refugium sein, an dem ich mein authentisches Selbst sein konnte, fernab von den Erwartungen meiner Umwelt und Erziehung“.

2011 übersiedelte Navot Miller vom Westjordanland nach Berlin, wo er seither lebt und arbeitet. Er studierte an der Kunsthochschule Weißensee.

Nicht wenige „Free-Palestine“-Bewegte, auch aus dem queeren Umfeld, vergessen in diesen Tagen, dass Israel weit und breit der einzige Staat im Nahen Osten ist, in dem Homosexualität ungehindert gelebt werden kann.

Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannsee-Konferenz"

Gedenk- und Bildungsstätte "Haus der Wannsee-Konferenz"

Haus der Wannseekonferenz: Neues Seminarhaus eröffnet

Wannsee war der vorübergehende Rosa-Synagogen-Standort. Im Ortsteil hat sich in den letzten Monaten aber einiges mehr getan: Nach fast fünfjähriger Bauzeit wurde im Oktober 2024 ein neues Seminargebäude für die Gedenkstätte „Haus der Wannseekonferenz“ eröffnet. Mit dem neuen Seminarhaus wird die Bildungsarbeit für Demokratie und Vielfalt und gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit gestärkt. Durch den Zuwachs an Platzkapazitäten können künftig mehr Menschen erreicht werden. Zudem verfügt der Neubau über modernste Medien- und Klimatechnik. Herzstück ist ein Konferenzbereich, der 150 Menschen Platz bietet.

Haus der Wannseekonferenz: Neues Café eröffnet

Nur wenige Wochen nach der Inbetriebnahme des neuen Seminarhauses ist auch ein neues Café ins ehemalige Cafeteria-Gebäude des Hauses der Wannseekonferenz eingezogen. Seit dem 3. Dezember 2024 bietet es der Allgemeinheit jüdische Backwaren und Speisen an. Betreiber ist der 2022 gegründete jüdische Konditor-Meisterbetrieb „Babka und Krantz“. Nomen est omen: Der süße „Krantz“ aus der israelischen bzw. nahöstlichen Küche und die ursprünglich aus Osteuropa stammende (süße oder herzhafte) „Babka“ sind die kulinarischen Renner des Hauses. Dazu passt ein jemenitischer Kaffee mit Gewürzen.

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub