Der Hindenburgdamm erinnert an Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (1847–1934). Bis November 1914 trug diese Straße den Namen Chausseestraße.
Hindenburg war vor dem Ersten Weltkrieg in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Das änderte sich jedoch nach dem ihm zugeschriebenen Sieg in der „Schlacht von Tannenberg” im August 1914. Diese Schlacht trug dazu bei, die russischen Truppen, die in den Wochen zuvor Teile Ostpreußens besetzt hatten, von deutschem Staatsgebiet zu vertreiben. Der Sieg bestärkte die deutsche Bevölkerung in dem Glauben, das Deutsche Reich führe einen Verteidigungskrieg, obwohl deutsche Truppen unmittelbar nach Kriegsausbruch die belgische Neutralität verletzt hatten. Auch nährte Tannenberg trotz der zunehmend schwierigen militärischen Lage im Westen die Hoffnung auf einen deutschen Sieg. Hindenburg wurde von breiten Teilen der Bevölkerung als Kriegsheld verehrt und als „Retter des Vaterlandes” mythisch verklärt. Ab Herbst 1914 benannten viele Gemeinden Straßen und Plätze nach ihm, so auch die Gemeinde Lichterfelde, die durch die hier gelegene Hauptkadettenanstalt und die Gardeschützenkaserne eng mit dem Militär verknüpft war. Zum Zeitpunkt der Umbenennung hatte Hindenburg das Oberkommando über die deutschen Truppen an der Ostfront inne. 1916 wurde er Chef der Obersten Heeresleitung (OHL) und übernahm dadurch die strategisch-operative Leitung des gesamten Feldheeres. Er trug maßgebliche Verantwortung für die Kriegsführung im Ersten Weltkrieg, der durch den Einsatz von Massenheeren und neuer Waffentechnologien bisher unbekannte Dimensionen der Gewalt und Zerstörung erreichte und in dem immer wieder Normen überschritten wurden. Nach der Abdankung Kaiser Wilhelms II. im November 1918 blieb er zunächst im Amt und arbeitete mit der neuen Regierung zusammen. Kurz nach der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags durch Mitglieder der demokratisch gewählten Regierung ging er in den Ruhestand. Die militärische Niederlage des Deutschen Reiches wurde anderen angelastet.
Heute wird Hindenburg vor allem aufgrund seiner politischen Laufbahn nach 1918 kritisch beurteilt. Bereits 1919 begann er, die sogenannte „Dolchstoßlegende“ zu verbreiten. Demnach hatte Deutschland den Krieg nicht militärisch verloren, sondern aufgrund von Defätismus und Verrat in der Heimat. Diese Verschwörungstheorie belastete die junge Weimarer Republik schwer, denn die republikanischen Kräfte wurden dadurch mit Niederlage und Hinterlist in Verbindung gebracht. Dennoch blieb Hindenburg in breiten Teilen der Bevölkerung eine populäre Figur. Als Friedrich Ebert, der sozialdemokratische Präsident der Republik, im Jahr 1925 verstarb, nominierte ein nationalistisches Parteienbündnis Hindenburg als Kandidaten für die Reichspräsidentenwahl. Im April 1925 wurde er in einer Direktwahl zum Staatsoberhaupt gewählt. Er agierte zunächst verfassungskonform und sicherte sich dadurch auch die Unterstützung der politischen Parteien, die für die Republik eintraten. Ab 1930 umging Hindenburg das Parlament jedoch zunehmend, indem er von ihm abhängige Präsidialkabinette ernannte. Dadurch wurde die Republik zu einem autoritären Staat umgebaut. Trotzdem wurde Hindenburg 1932, auch auf Betreiben der Weimarer Parteien – darunter die SPD –, wiedergewählt. Sie sahen in ihm den Retter der Republik. Nach anfänglichen Bedenken aufgrund seiner sozialen Herkunft und seines niedrigen militärischen Dienstgrads ernannte Hindenburg am 30. Januar 1933 den Vorsitzenden der NSDAP, Adolf Hitler, zum Reichskanzler. Durch diese Entscheidung ist sein Name untrennbar mit der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur verbunden. Bis zu seinem Tod am 2. August 1934 – und durch sein politisches Testament sogar noch darüber hinaus – unterstützte er Hitlers politischen Kurs. Im „Dritten Reich“ wurde Hindenburg vielfach geehrt, unter anderem durch die Benennung zahlreicher Straßen nach ihm und die Verleihung der Ehrenbürgerwürde in etlichen Städten.
Im Zuge der Entmilitarisierung und Entnazifizierung Deutschlands durch die Alliierten wurden ab 1945 Straßen und Einrichtungen, die nach bekannten Nationalsozialisten benannt waren, in der Regel umbenannt. Im Osten Deutschlands wurde auch der Name Hindenburgs aus dem öffentlichen Raum entfernt. Im Westen geschah dies ebenfalls an einigen Orten. Da die Entscheidung jedoch bei den einzelnen Gemeinden lag, war das Vorgehen nicht einheitlich. Zwar war die Umbenennung der bedeutendsten Straße Lichterfeldes im allgemeinen Umbenennungsplan für Groß-Berlin vorgesehen und wurde im März 1950 von der Steglitzer Bezirksverordnetenversammlung auch beschlossen – der Hindenburgdamm sollte Königsberger Damm heißen –, aber angesichts praktischer und bürokratischer Hürden in der geteilten Stadt wurde das Vorhaben bald darauf ausgesetzt. Obwohl verschiedene zivilgesellschaftliche Akteure immer wieder eine Umbenennung gefordert haben, trägt der Hindenburgdamm bis heute den Namen des Generalfeldmarschalls des Ersten Weltkriegs und zweiten Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin wurde Hindenburg hingegen im Januar 2020 aberkannt.
Prof. Dr. Anna von der Goltz
Weiterführende Literatur
- Pyta, Wolfram, Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler, Berlin 2007
- von der Goltz, Anna, Hindenburg: Power, Myth, and the Rise oft he Nazis, Oxford 2009