Gallwitzallee

Gallwitzallee

Max von Gallwitz

Seit 1937 existiert die Gallwitzallee in Berlin. Sie trägt den Namen des am 2. Mai 1852 in Breslau geborenen preußischen Generals Max Karl Wilhelm Gallwitz. Gallwitz war einer der prägenden Militärs während des Ersten Weltkriegs und politisch in der Weimarer Republik im antidemokratischen Spektrum aktiv.

Er entstammte einer katholischen bürgerlichen Familie und unterschied sich somit von der Mehrheit der protestantisch-adlig geprägten preußischen Militärführung. Politisch im Sinne des Konservatismus, Militarismus und Monarchismus wurde er durch seinen Großvater mütterlicherseits geprägt. Nach dem Ausbruch des deutsch-französischen Krieges trat Gallwitz am 13. August 1870 in das preußische Heer ein. Der Sieg gegen Frankreich 1871 prägte den jungen Gallwitz, der in der Folgezeit rasche Karriere in der preußischen Armee machte. Bereits 1883 wurde er in den Großen Generalstab kommandiert. Im Mai 1891 heiratete er Frieda Englerth. Aus der Ehe gingen 1893 der Sohn Werner, der als Generalleutnant während der nationalsozialistischen Diktatur in der Wehrmacht diente, sowie 1896 die Tochter Barbara hervor. Politische Erfahrungen sammelte Gallwitz als stellvertretender Bevollmächtigter des Kriegsministeriums beim Bundesrat. 1911 wurde er zum General der Artillerie befördert und 1913 schließlich in den Adelsstand erhoben.

Den Ausbruch des Ersten Weltkriegs begrüßte Gallwitz, da er nun, anstatt Präsident des Reichsmilitärgerichts zu werden, wieder in den aktiven Dienst versetzt wurde. Entsprechend schrieb er in sein Tagebuch: „Wie wunderbar bin ich an das Ziel meiner Wünsche gelangt! Sollte ich die Erfüllung mit meinem Blute bezahlen müssen, es wäre gerecht und konsequent.“1 Mit seiner Truppe war Gallwitz an der völkerrechtswidrigen Invasion des neutralen Belgiens beteiligt. Kurze Zeit später wurde er an die Ostfront versetzt. Im Juli 1915 wurde ihm der Orden Pour le mérite verliehen. Nach der Eroberung Serbiens wurde er an die Westfront nach Verdun versetzt, schließlich zum Oberbefehlshaber der 2. Armee ernannt und zur Abwehr der Entente-Offensive an die Somme beordert. Nach dem Scheitern des alliierten Angriffs erhielt er im Dezember 1916 den Oberbefehl über die 5. Armee, konnte jedoch keine Entscheidung in der Schlacht von Verdun herbeiführen. Mehrmals war Gallwitz, der sich gegen jedwede Einbindung der Sozialdemokratie in hohe Staatsämter ausgesprochen hatte, 1917/18 als Reichskanzler im Gespräch. Er arbeitete daraufhin ein autoritäres Regierungsprogramm aus, das unter anderem die Ausschaltung des Reichstags und den Einsatz von Militär zur Niederschlagung sozialdemokratischer Aufstände vorsah. Im letzten Kriegsjahr erhielt Gallwitz den Oberbefehl über eine nach ihm benannte Heeresgruppe. Bis Kriegsende setzte sich Gallwitz für eine offensiv ausgerichtete Militärstrategie und -taktik sowie eine Weiterführung des Krieges ein – auch, als die deutschen Truppen bereits in einer hoffnungslosen Defensivposition verharrten. Nach der endgültigen Niederlage und der Abdankung von Kaiser Wilhelm II. hoffte Gallwitz vergebens auf eine Militärdiktatur. Kurze Zeit später schied er am 6. Dezember 1918 nach fast 50-jähriger Dienstzeit aus dem preußischen Militär aus.

Die Novemberrevolution lehnte er ebenso wie die Gründung der Weimarer Republik ab. Einer der „unseligsten Tage unserer deutschen Geschichte!2 sei der Tag der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 gewesen und die neue Nationalflagge des demokratischen Deutschlands wertete er als „schwarz-rot-gelben Lappen^3^ ab. Er engagierte sich in der antidemokratischen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), wo er als Katholik in der protestantisch dominierten Partei eine Sonderrolle einnahm. Er verbreitete die „Dolchstoßlegende“, wonach das deutsche Heer im Felde nicht besiegt worden sei, sondern der vermeintliche Verrat linker und demokratischer Kräfte im Inland die Niederlage provoziert hätten. Auch hielt er engen Kontakt zu Antisemiten und Monarchisten. Zwischen 1920 und 1924 vertrat er die DNVP als Abgeordneter im Reichstag. Die Gründung der antidemokratischen, rechtsextremen Harzburger Front begrüßte er und nahm an deren Gründungstreffen am 11. Oktober 1931 teil.

Eine ambivalente Haltung nahm Gallwitz gegenüber der nationalsozialistischen Diktatur ein. Als überzeugter Antisemit und Antidemokrat begrüßte er einerseits die Politik der Nationalsozialisten. Andererseits sah er zu Beginn der Diktatur die Gefahr einer Marginalisierung der DNVP durch die NSDAP. Grundsätzlich verblieb Gallwitz bei seiner monarchistisch-preußischen Orientierung, die in Teilen der Radikalität der NS-Diktatur widersprach. Trotz aller Kritik hielt er Adolf Hitler jedoch für einen geeigneten Staatsmann.

Am 18. April 1937 verstarb Gallwitz während eines Urlaubs in Neapel. Hitler kondolierte Gallwitz‘ Sohn und er erhielt ein Staatsbegräbnis. Zu seinen Ehren wurden die Gallwitzallee in Berlin-Lankwitz sowie zusätzlich mehrere Kasernen und eine Straße in Freiburg benannt, die inzwischen jedoch stillgelegt oder umbenannt wurden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Gallwitz mit seinem prononcierten Antisemitismus, Monarchismus, Militarismus und Nationalismus die Demokratie im Allgemeinen und die Weimarer Republik im Speziellen vehement ablehnte und politisch bekämpfte.

Prof. Dr. Nikolas Dörr

Weiterführende Literatur

  • Afflerbach, Holger: Art. Gallwitz, Max von, in: Gerd Krumeich/Gerhard Hirschfeld/Irina Renz (Hrsg.), Enzyklopädie Erster Weltkrieg. 2. Aufl., Paderborn 2014, S. 519.
  • Dörr, Nikolas: General der Artillerie Max von Gallwitz, in: Lukas Grawe, (Hrsg.), Die militärische Elite des Kaiserreichs. 24 Lebensläufe, Darmstadt 2020, S. 77-87.
  • Grawe, Lukas, Feldherr an vielen Fronten. General der Artillerie Max von Gallwitz, in: Clausewitz – Das Magazin für Militärgeschichte, 7. Jahrgang, Nr. 6/2016, S. 74-80.
  • Jung, Jakob, Max von Gallwitz (1852-1937), General und Politiker, Osnabrück 1995.

Nachlass

Der archivalische Nachlass von Max von Gallwitz (N 710) befindet sich im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg im Breisgau und kann dort, nach vorheriger Anmeldung, eingesehen werden:

Bundesarchiv Freiburg im Breisgau (Abteilung Militärarchiv)
Wiesentalstraße 10
79115 Freiburg im Breisgau
Telefon: 030 18 665-1180
E-Mail: benutzersaal.freiburg@bundesarchiv.de

Fußnoten

1 Bundesarchiv-Militärarchiv, N 710/26, Tagebuch von Max von Gallwitz, Kriegstagebuch 1 (Nr. 26), 2. August 1914 bis 22. November 1914, Tagebucheintrag Sonntag, 9. August, S. 16.
2 Bundesarchiv-Militärarchiv, N 710/39, Tagebuch von Max von Gallwitz (Nr. 39), 1. Juli 1923-11. Januar 1925, Tagebucheintrag Freitag, 9. November.
3 Gallwitz zitiert in: Jung 1995, S. 10.

Kontakt

Regionalgeschichte
Dr. Christiana Brennecke