Antje Majewski & Jen Tiger – Osage Orange

Antje Majewski, Still aus dem Video "Gespräch mit Raymond Lasley", 2022

Antje Majewski, Still aus dem Video "Gespräch mit Raymond Lasley", 2022

29. Mai bis 18. Oktober 2026

Ausstellungseröffnung

Donnerstag, 28. Mai 2026, 18.30 Uhr
Begrüßung und Einführung: Dr. Brigitte Hausmann, Leiterin des Fachbereichs Kultur
Künstlerinnengespräch: Antje Majewski und Jen Tiger, moderiert von Amy Patton

Nach einer mehrmonatigen Schließzeit aufgrund von Instandsetzungsarbeiten öffnet die Galerie im Gutshaus Steglitz Ende Mai wieder.

Die Ausstellung Osage Orange der Künstlerinnen Antje Majewski und Jen Tiger erzählt anhand eines Baums, des Osagedorns, eine verflochtene Geschichte über indigene Kultur, Kolonialisierung durch europäische Siedler, Landnutzung und Umweltzerstörung. Um die Osage Orange kreist ein recherchebasiertes und multiperspektivisches Langzeitprojekt der in Berlin lebenden Künstlerin Antje Majewski. Ausgehend von der Beschäftigung mit den auffallenden Früchten der Maclura Pomifera, die sich im Herbst auch im nahegelegenen Botanischen Garten finden, entwickelte sie seit 2009 verschiedene Werkgruppen.

Die im Gutshaus ausgestellten Arbeiten entstanden nach einer Recherchereise in 2022 durch den Westen der USA. Der Osagedorn trägt Geschichten in seinen verschiedenen Namen weiter: „Bodark“ nach den Jagdbögen („Bois d’arc“), die die indigene Osage Nation aus seinem Holz herstellten; „Hedgeapple“ nach den Hecken, mit denen die weißen Siedler ihr Vieh einzäunten und die Forstbeamten Windschutzreihen nach dem „Dust Bowl“ errichteten. Durch Videos mit dem Osage-Ältesten und Bogenbauer Raymond Lasley und dem Forstbeamten Mark Bays wird die Vertreibung der Osage Nation, das Ende der Büffeljagd und die ökologische Katastrophe, die die europäischen Siedler in der Prärie verursachten, thematisiert.

Jen Tiger, The Arts of "Civilized Life"

Jen Tiger, The Arts of "Civilized Life"

Die Ausstellung entstand im Dialog mit der Künstlerin Jen Tiger, die Antje Majewski in Oklahoma kennengelernt hatte. In zahlreichen Archiven, vom Kirchennachlass bis zur Smithsonian Institution, erkundet Jen Tiger seit langem, wie die Kinder, darunter eigene Familienangehörige, in Missionsschulen und Internaten außerhalb des Reservats im Sinne der Werte und Zwecke der Siedlergesellschaft (um)erzogen wurden und verdichtet ihre Befunde und gesichtetes Material in subtil komponierten Text-Bild-Collagen, in denen historische Spuren, persönliche Recherche und politische Analyse ineinandergreifen. Auch ihre Metallarbeiten verweisen auf kulturelle Kontinuitäten und Brüche, machen Traumata und Widerstand sichtbar. Indem Tiger sich bewusst für das Medium Schmuck entscheidet, setzt sie zugleich ein feministisches Zeichen: ein Gegenentwurf zu den männlich dominierten Perspektiven auf indigene Geschichte, Kunst und Handwerk. „Die Frage, die ich zu beantworten versuche, lautet: „Was ist in dieser Zeit mit unserem Volk der Osage geschehen?“ Es ist eine Frage, die niemals vollständig beantwortet werden kann, aber es lohnt sich, sich vorzustellen, welche Umwälzungen und katastrophalen Veränderungen das Leben der Osage geprägt haben.“ (Jen Tiger)

Neben diesen polyphon die Geschichte umkreisenden Werken steht Majewskis malerische Nahsicht auf die Osage Orange in einer Installation neuer Gemälde. Der Baum ist ein evolutionärer Anachronismus, dessen Hauptverbreiter wie das Riesenfaultier mit der Megafauna Nordamerikas verschwanden. Seither ist er mit Menschen vielfältige Verbindungen eingegangen, führt aber auch sein eigenes, von uns unabhängiges Leben, das wir nie ganz begreifen oder besitzen können.

Rahmenprogramm

  • Samstag, 30. Mai, 16 Uhr: Ausstellungsrundgang mit Jen Tiger and Paz Guevara, Kuratorin am Haus der Kulturen der Welt (englisch)
  • Samstag, 29. August, 14:30 Uhr: Ausstellungsrundgang mit Antje Majewski
  • Samstag, 12. September, 16 Uhr: Ausstellungsrundgang mit Antje Majewski
  • Mittwoch, 23. September, 10–13 Uhr: Workshop mit Antje Majewski, Sina Ribak und Dr. Luiza Bengtsson im Botanischen Garten, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
  • Sonntag, 11. Oktober, 16 Uhr: Ausstellungsrundgang mit Antje Majewski

Zu der von Brigitte Hausmann kuratierten Ausstellung erscheint im Kerber Verlag ein Katalog.

Gefördert aus dem Ausstellungsfonds für die Kommunalen Galerien der Berliner Bezirke und dem Fonds für Ausstellungsvergütungen für bildende Künstler:innen (FABiK)

Galerie Gutshaus Steglitz

Mo–So 10-18 Uhr
Eintritt frei
jeden 1. Dienstag im Monat geschlossen