Isaac Chong Wai knüpft mit einem Werk aus seiner Reihe Breath Marks an das Werk von Kollwitz an. In den Arbeiten nutzt er den eigenen Atem als künstlerisches Medium. Die flüchtigen Spuren, die durch das Beschlagen einer Glasscheibe entstehen, werden in eine gläserne Skulptur überführt. Sichtbar wird dabei nicht der Atem selbst, sondern lediglich seine vergänglichen Hinterlassenschaften.
Namensgebend für die Ausstellung ist das Werk Die Mütter aus dem Jahr 2022. Die Zweikanal-Videoinstallation zeigt den Künstler selbst und eine Gruppe von Darstellenden, die sich zu einer Festung zusammengeschlossen haben und im Uhrzeigersinn drehen, während sie Wiegenlieder und Trauergesänge aus verschiedenen Kulturen singen.
In Missing Space nimmt Chong Einschusslöcher an historischen Gebäuden zum Ausgangspunkt. Die fragilen Glasskulpturen sind Abgüsse des durch die Einschläge verlorenen Materials: Sie geben dem Fehlenden eine Form und machen einen Negativraum sichtbar, der sonst nur als Beschädigung wahrgenommen wird. Eingravierte GPS-Koordinaten führen zurück zum jeweiligen Einschussloch und damit zum konkreten historischen Ort. In der Ausstellung werden drei Arbeiten der 2023 entstandenen Werkgruppe gezeigt.
Für die Serie Traces legt Isaac Chong Wai Papier auf Einschusslöcher in Gebäudefassaden und überträgt deren unregelmäßige Oberflächen. Aus diesen Abdrücken entwickelt er mit Tuschestift und Farbstift feine Zeichnungen, die die materiellen Spuren vergangener Gewalt festhalten. Die im Titel angegebenen GPS-Koordinaten verweisen auf den jeweiligen Ort und verbinden die abstrakt wirkenden Linien und Splitter mit einer konkreten historischen Topografie.
Für Muted Dimensions recherchierte Isaac Chong Wai historische Bomben in den Archiven des Imperial War Museum. Ihre tatsächlichen Abmessungen bilden die Grundlage der auf Plexiglas übertragenen Formen. Die Arbeiten übersetzen Waffen, die für Zerstörung und Verletzung bestimmt waren, in reduzierte, beinahe abstrakte Umrisse. Zugleich sind sie als partizipative Arbeiten angelegt: Besucher:innen können mit einem Stein auf der Oberfläche zeichnen und so selbst Spuren hinterlassen. In der Ausstellung sind drei Arbeiten zu sehen, die sich auf unterschiedliche historische Brand- beziehungsweise Fliegerbomben beziehen.
Isaac Chong Wai lebt und arbeitet zwischen Berlin und Hongkong. Der Künstler studierte unter anderem an der Bauhaus Universität Weimar und verfolgt eine multidisziplinäre Praxis, die Fotografie, Video, Performance, Zeichnung und Glasarbeiten umfasst. Der Künstler ist international mit seinen Arbeiten präsent und war in den vergangenen Jahren auf bedeutenden Ausstellungen weltweit vertreten. Zu seinen jüngsten Ausstellungsbeteiligungen zählen die 22. Biennale Sesc_Videobrasil in São Paulo (2023) sowie die 60. Biennale von Venedig (2024). 2025 realisierte er mit The Horizon We Can Never Touch eine Performance in der Neuen Nationalgalerie in Berlin.
Käthe Kollwitz (1867–1945) gilt als eine der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Mit Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen widmete sie sich den sozialen Folgen von Armut, Krieg und Verlust. Bereits zu Lebzeiten erlangte Käthe Kollwitz große Anerkennung. Einen wichtigen Meilenstein stellte ihre Einzelausstellung in der Galerie Paul Cassirer dar. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden ihre künstlerischen Möglichkeiten jedoch zunehmend eingeschränkt. In den 1930er Jahren wurden Ausstellungen ihrer Werke immer häufiger untersagt. Nach ihrem Tod wurde ihr Werk in zahlreichen nationalen und internationalen Museen und Ausstellungen präsentiert, darunter in der Neuen Nationalgalerie, dem Kupferstichkabinett und der Hamburger Kunsthalle. Ihrem künstlerischen Erbe widmen sich heute unter anderem das Käthe Kollwitz Museum Köln sowie das Käthe Kollwitz Museum Berlin.
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Täglich: 10-18 Uhr
Eintritt: frei
Berlin.de/kultur-steglitz-zehlendorf