35. RegioTalk in der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) diskutiert neue Perspektiven für multifunktionale Fassaden

Pressemitteilung vom 15.06.2026

(v.l.n.r.) : Juri Effenberg (Regionalinkubator Berlin Südwest) und Oliver Perzborn (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

(v.l.n.r.) : Juri Effenberg (Regionalinkubator Berlin Südwest) und Oliver Perzborn (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Berlin, 11. Juni 2026 – Beim 35. RegioTalk des Regionalinkubators Berlin Südwest in der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) stand die Frage im Mittelpunkt, wie Gebäudefassaden künftig stärker zur Klimaanpassung und Lebensqualität in dicht bebauten Städten beitragen können. Unter dem Titel „Innovative Fassadennutzung – Wie schafft Architektur messbaren Mehrwert?“ diskutierten Fachexpertinnen und -experten aus Forschung und Industrie über Potenziale und Zielkonflikte zwischen Ästhetik, Funktion und Nachhaltigkeit.

Nach der Begrüßung durch Juri Effenberg, Projektleiter des Regionalinkubators Berlin Südwest und Dr. Andreas Rogge, Leiter Bauwerkssicherheit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), präsentierten Prof. Dr. Anna Gorbushina und Dr. Julia von Werder, beide ebenfalls von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), aktuelle Forschung zu mikrobiellen Biofilmen auf Gebäudeoberflächen. Diese natürlichen Besiedlungen könnten – so die Wissenschaftlerinnen – bislang ungenutzte ökologische Funktionen übernehmen.

Prof. Dr. Anna Gorbushina betonte dabei den grundlegenden Perspektivwechsel: „Jede Fassade ist ein dynamischer Lebensraum, wir müssen sie nur kennenlernen und sie dann aktiv nutzen.“
Biofilme, insbesondere Algenkulturen, könnten durch Photosynthese zur lokalen CO₂-Reduktion beitragen und so einen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas leisten.

Dr. Julia von Werder ergänzte die materialwissenschaftliche Perspektive und verwies auf die Bedeutung geeigneter Baustoffe für kontrollierte Anwendungen:
„Im Wald stören Biofilme nicht. Es wäre doch schön, wenn sie auch auf Fassaden nicht als störend empfunden werden.“

Als besonders geeignetes Forschungssubstrat nannte sie Beton, da sich dessen Eigenschaften gezielt variieren lassen, um das Zusammenspiel von Material und Umwelt systematisch zu untersuchen.

Aus Sicht der Baupraxis setzte Christopher Kern (Dieringer Blechbearbeitung OHG) einen anderen Schwerpunkt. Für ihn steht weiterhin der Schutz der Gebäudehülle im Vordergrund: „Mein Leben war bisher davon geprägt, Wasser von den Wänden fernzuhalten.” Gleichzeitig betonte er die Bedeutung von Ästhetik und Akzeptanz technischer Lösungen:„Alle Lösungen, die wir schaffen, müssen ästhetisch sein, um akzeptiert zu werden.“

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es keine universelle Lösung für zukünftige Fassadenkonzepte gibt. Vielmehr, so der gemeinsame Tenor, wird die Kombination unterschiedlicher Ansätze entscheidend sein.
Im Anschluss nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zu einer kurzen Führung durch die Werkhallen der BAM, in denen Verfahren zur Prüfung und Erforschung von Baustoffen vorgestellt wurden.

Der RegioTalk zeigte insgesamt, dass Fassaden künftig stärker als multifunktionale Schnittstellen zwischen Architektur, Technik und Ökologie gedacht werden könnten und damit ein mögliches Bild der Stadt von morgen mitprägen.

  • (v.l.n.r.): Dr. Julia von Werder, Dr. Andreas Rogge, Prof. Dr. Anna Gorbushina (alle drei von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Christopher Kern (Dieringer Blechbearbeitung OHG) und Juri Effenberg (Regionalinkubator Berlin Südwest)

    (v.l.n.r.): Dr. Julia von Werder, Dr. Andreas Rogge, Prof. Dr. Anna Gorbushina (alle drei von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Christopher Kern (Dieringer Blechbearbeitung OHG) und Juri Effenberg (Regionalinkubator Berlin Südwest)

  • (v.l.n.r.): Juri Effenberg (Regionalinkubator Berlin Südwest), Dr. Julia von Werder (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Prof. Dr. Anna Gorbushina (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und Christopher Kern (Dieringer Blechbearbeitung OHG)

    (v.l.n.r.): Juri Effenberg (Regionalinkubator Berlin Südwest), Dr. Julia von Werder (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Prof. Dr. Anna Gorbushina (Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und Christopher Kern (Dieringer Blechbearbeitung OHG)

  • Dr. Andreas Rogge (vorne mittig) gibt den Gästen des RegioTalks eine Führung durch eine der Werkhallen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), in der Baustoffe getestet und geprüft werden

    Dr. Andreas Rogge (vorne mittig) gibt den Gästen des RegioTalks eine Führung durch eine der Werkhallen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), in der Baustoffe getestet und geprüft werden