Antje Majewski & Jen Tiger – Osage Orange
29. Mai bis 18. Oktober 2026
Gutshaus Steglitz
Eröffnung: Donnerstag, 28. Mai, 18:30
Begrüßung und Einführung: Brigitte Hausmann, Kuratorin, Leiterin des Fachbereich Kultur
Künstlerinnengespräch Antje Majewski und Jen Tiger, moderiert von Amy Patton
Presserundgang mit den Künstlerinnen: 28. Mai, 16:30 Uhr, um Anmeldung wird gebeten (telefonisch 030 90299-2399, Di-Do 9-12 Uhr, oder E-Mail an anja.braun@ba-sz.berlin.de
Samstag, 30. Mai, 16:00 Uhr, Ausstellungsrundgang mit Jen Tiger and Paz Guevara, Kuratorin am Haus der Kulturen der Welt (englisch)
Nach einer mehrmonatigen Schließzeit aufgrund von Instandsetzungsarbeiten öffnet die Galerie im Gutshaus Steglitz Ende Mai wieder.
Die Ausstellung Osage Orange der Künstlerinnen Antje Majewski und Jen Tiger erzählt anhand eines Baums, des Osagedorns, eine verflochtene Geschichte über indigene Kultur, Kolonialisierung durch europäische Siedler, Landnutzung und Umweltzerstörung.
Um die Osage Orange kreist ein recherchebasiertes und multiperspektivisches Langzeitprojekt der in Berlin lebenden Künstlerin Antje Majewski. Ausgehend von der Beschäftigung mit den auffallenden Früchten der Maclura Pomifera, die sich im Herbst auch im nahegelegenen Botanischen Garten finden, entwickelte sie seit 2009 verschiedene Werkgruppen. Die im Gutshaus ausgestellten Arbeiten entstanden nach einer Recherchereise in 2022 durch den Westen der USA.
Der Osagedorn trägt Geschichten in seinen verschiedenen Namen weiter: „Bodark“ nach den Jagdbögen („Bois d’arc“), die die indigene Osage Nation aus seinem Holz herstellten; „Hedgeapple“ nach den Hecken, mit denen die weißen Siedler ihr Vieh einzäunten und die Forstbeamten Windschutzreihen nach dem „Dust Bowl“ errichteten. Durch Videos mit dem Osage-Ältesten und Bogenbauer Raymond Lasley und dem Forstbeamten Mark Bays wird die Vertreibung der Osage Nation, das Ende der Büffeljagd und die ökologische Katastrophe, die die europäischen Siedler in der Prärie verursachten, thematisiert.
Die Ausstellung entstand im Dialog mit der Künstlerin Jen Tiger, die Antje Majewski in Oklahoma kennengelernt hatte. In zahlreichen Archiven, vom Kirchennachlass bis zur Smithsonian Institution, erkundet Jen Tiger seit langem, wie die Kinder, darunter eigene Familienangehörige, in Missionsschulen und Internaten außerhalb des Reservats im Sinne der Werte und Zwecke der Siedlergesellschaft (um)erzogen wurden und verdichtet ihre Befunde und gesichtetes Material in subtil komponierten Text-Bild-Collagen, in denen historische Spuren, persönliche Recherche und politische Analyse ineinandergreifen. Auch ihre Metallarbeiten verweisen auf kulturelle Kontinuitäten und Brüche, machen Traumata und Widerstand sichtbar. Indem Tiger sich bewusst für das Medium Schmuck entscheidet, setzt sie zugleich ein feministisches Zeichen: ein Gegenentwurf zu den männlich dominierten Perspektiven auf indigene Geschichte, Kunst und Handwerk. „Die Frage, die ich zu beantworten versuche, lautet: „Was ist in
dieser Zeit mit unserem Volk der Osage geschehen?“ Es ist eine Frage, die niemals vollständig beantwortet werden kann, aber es lohnt sich, sich vorzustellen, welche Umwälzungen und katastrophalen Veränderungen das Leben der Osage geprägt haben.“ (Jen Tiger)
Neben diesen polyphon die Geschichte umkreisenden Werken steht Majewskis malerische Nahsicht auf die Osage Orange in einer Installation neuer Gemälde. Der Baum ist ein evolutionärer Anachronismus, dessen Hauptverbreiter wie das Riesenfaultier mit der Megafauna Nordamerikas verschwanden. Seither ist er mit Menschen vielfältige Verbindungen eingegangen, führt aber auch sein eigenes, von uns unabhängiges Leben, das wir nie ganz begreifen oder besitzen können.
Antje Majewski thematisiert in Gemälden, Videoarbeiten und Installationen den menschlichen Umgang mit kulturellen Objekten, Pflanzen und Ökosystemen. Ein wichtiger Bestandteil von Majewskis Schaffen ist die Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen, ökologischen und zivilgesellschaftlichen Gruppen sowie Wissenschaftler*innen. Werke von Antje Majewski wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt, zuletzt Busan Sea Art Festival, Busan (2025); M HKA, Antwerpen (2024); Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2024); Lunds Konsthall, Lund (2024); KunstHausWien, Wien (2024); Almaty Gallery, Almaty (2023); Sauerland-Museum, Arnsberg (2023); Bundeskunsthalle, Bonn (2022); Kunstmuseum Thun, Thun (2021); Gropius Bau, Berlin (2019); Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (2018). Seit 2023 ist Majewski Professorin für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK). Sie lebt und arbeitet in Berlin und Himmelpfort.
Jen Tiger ist Künstlerin, visuelle Forscherin und Bürgerin der Osage Nation. Sie setzt sich in Fotocollage, Schmuck, Fotografie und digitalen Medien mit der Geschichte der Osage sowie der fortdauernden Präsenz kultureller Erinnerung im gegenwärtigen Leben auseinander. Ausgebildet als Fotografin, greift sie auf den umfangreichen fotografischen Bestand der Osage ebenso zurück wie auf Archivmaterial der Siedler. Tiger studierte zunächst am San Francisco Art Institute und später am Institute of American Indian Arts (IAIA). Ihre Arbeiten wurden unter anderem beim Indigenous Film and Art Festival, Denver (2019), bei der Contemporary Edge Show der Southwestern Association for Indian Arts, Santa Fe (2019), sowie in Ausstellungen des Osage Nation Museum, Pawhuska (2020, 2021, 2023), gezeigt. Jen Tiger lebt in Pawhuska, Oklahoma. Diese Ausstellung ist die erste Präsentation ihres Werks in Europa.
Rahmenprogramm
Samstag, 30. Mai, 16:00 Uhr, Ausstellungsrundgang mit Jen Tiger and Paz Guevara, Kuratorin am Haus der Kulturen der Welt (englisch)
Samstag, 29. August, 14:30 Uhr: Ausstellungsrundgang mit Antje Majewski
Samstag, 12. September, 16:00 Uhr: Ausstellungsrundgang mit Antje Majewski
Donnerstag, 24. September, 10-13 Uhr, Workshop mit Antje Majewski, Sina Ribak und Dr. Luiza Bengtsson im Botanischen Garten, für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Sonntag, 11. Oktober, 16:00 Uhr: Ausstellungsrundgang mit Antje Majewski
Zur Ausstellung erscheint im Kerber Verlag ein Katalog (208 S., zahlreiche Abb.en)
Gutshaus Steglitz
Schlossstr. 48
12165 Berlin
Tel 030 90299-2302
Täglich 10-18 Uhr, jeden 1. Di im Monat geschlossen
Eintritt frei
Berlin.de/kultur-steglitz-zehlendorf
Zugangsdaten:
Benutzer: Presse
Passwort: Steglitz12165
Pressekontakt:
Christine Nippe
christine.nippe@ba-sz.berlin.de
Tel 030 90299-2212
Brigitte Hausmann
brigitte.hausmann@ba-sz.berlin.de
Tel 030 90299-2381
English version:
The Gallery in the Gutshaus Steglitz Is Reopening with the Exhibition
Antje Majewski & Jen Tiger – Osage Orange
May 29 to October 18, 2026
Gutshaus Steglitz
Opening: Thursday, May 28, 6:30pm
Greeting and introduction: Brigitte Hausmann, curator, head of the Office of Culture
Artist talk with Antje Majewski and Jen Tiger, moderated by Amy Patton
Press tour with the artists: May 28, 4:30pm, please register in advance (tel.: +49 (0)30 90299-2399, Tue-Thu, 9am-noon; email: anja.braun@ba-sz.berlin.de )
Saturday, May 30, 4:00pm, exhibition tour with Jen Tiger and Paz Guevara, curator at Haus der Kulturen der Welt (in English)
After being closed for renovations for several months, the gallery in the Gutshaus Steglitz is reopening at the end of May.
The exhibition Osage Orange by the artists Antje Majewski and Jen Tiger utilizes the Osage orange tree to tell a story that weaves together indigenous culture, colonization through European settlers, land use and environmental devastation.
The Berlin-based artist Antje Majewski has been pursuing a research-based, multi-perspectival, long-term project revolving around the Osage orange for many years. Since 2009, she has developed various groups of works based on her occupation with the remarkable fruit of the Maclura pomifera, which can also be found in the nearby botanical gardens during the fall. The works exhibited at the Gutshaus Steglitz were created following a 2022 research trip spent travelling through the Western US.
The Osage orange’s various names preserve histories: “bodark,” from the hunting bows (“bois d’arc”) that the indigenous Osage Nation made from its wood, and “hedge apple,” from the hedgerows that white settlers used to enclose their livestock and government foresters planted to prevent wind erosion in the “Dust Bowl.” Videos featuring the Osage Elder and bowyer Raymond Lasley and the government forester Mark Bays deal with the forced displacement of the Osage Nation, the end of the buffalo hunt and the ecological catastrophe that European settlers caused on the prairie.
The exhibition was created in dialogue with the Osage artist Jen Tiger, whom Antje Majewski had met in Oklahoma. Jen Tiger has spent a great deal of time in numerous archives — from collections of ecclesiastical papers to the Smithsonian Institution — exploring how children, including members of her own family, were (re)educated in mission schools and boarding schools outside the reservation in keeping with the values and aims of the settler society. She distills her findings and assembled materials into subtly composed collages that combine text and image, intertwining historical traces, personal research and political analysis. Her metalwork also alludes to cultural continuities and ruptures, visualizing trauma and resistance. By deliberately choosing the medium of jewelry, Tiger simultaneously sends a feminist signal: a model that counters male-dominated perspectives on indigenous history, art and crafts. “What happened to our Osage people during this time?” It is a question
that will never be completely answered, but it remains a worthwhile endeavor to imagine what kind of upheaval and catastrophic change was felt in Osage life.” (Jen Tiger)
These works, which revolve around history in a polyphonic manner, are accompanied by Antje Majewski’s painted close-ups of the Osage orange in an installation of new paintings. The tree is an evolutionary anachronism whose main dispersers, such as giant sloths, vanished with the other megafauna of North America. Since that time, the Osage orange has become linked with humans in a wide variety of ways, but it also continues to lead an independent life of its own, a life we will never be able to fully understand or grasp.
Antje Majewski uses paintings, video works and installations to deal with the theme of human interactions with cultural objects, plants and ecosystems. Collaborating with other artists, ecological groups, civic organizations, and scholars is an important part of the artist’s work. Antje Majewski’s art has been shown in numerous international exhibitions, most recently at the Busan Sea Art Festival, Busan (2025); M HKA, Antwerp (2024); Haus der Kulturen der Welt, Berlin (2024); Lunds Konsthall, Lund (2024); KunstHausWien, Vienna (2024); Almaty Gallery, Almaty (2023); Sauerland-Museum, Arnsberg (2023); Bundeskunsthalle, Bonn (2022); Kunstmuseum Thun, Thun (2021); Gropius Bau, Berlin (2019); Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin (2018). Majewski has been a professor of painting at the Braunschweig University of Art (HBK) since 2023. She lives and works in Berlin and Himmelpfort.
Jen Tiger is an artist, visual researcher and citizen of the Osage Nation. She uses photocollage, jewelry, photography and digital media to engage with the history of the Osage as well as the continuing presence of cultural memory in contemporary life. Trained as a photographer, she utilizes the extensive photographic holdings of the Osage as well as the archival material of the settlers. Tiger initially studied at the San Francisco Art Institute and later at the Institute of American Indian Arts (IAIA). Among other places, her works have been shown at the Indigenous Film and Art Festival, Denver (2019); Contemporary Edge Show of the Southwestern Association for Indian Arts, Santa Fe (2019); and in exhibitions at the Osage Nation Museum, Pawhuska (2020, 2021, 2023). Jen Tiger lives in Pawhuska, Oklahoma. This is the first exhibition of her work in Europe.
Program of Events
Saturday, May 30, 4:00pm: exhibition tour with Jen Tiger and Paz Guevara, curator at Haus der Kulturen der Welt (in English)
Saturday, August 29, 2:30pm: exhibition tour with Antje Majewski
Saturday, September 12, 4:00pm: exhibition tour with Antje Majewski
Thursday, September 24, 10:00am-1:00pm: workshop with Antje Majewski, Sina Ribak and Dr. Luiza Bengtsson at the Berlin Botanic Garden — for children, teenagers and adults
Sunday, October 11, 4:00pm: exhibition tour with Antje Majewski
The exhibition will be accompanied by a catalogue published by Kerber Verlag (208 pp., numerous ill., English and German)
Gutshaus Steglitz
Schlossstr. 48
12165 Berlin
Tel. +49 (0)30 90299-2302
Open daily 10am-6pm, closed 1st Tuesday of each month
Free admission
Berlin.de/kultur-steglitz-zehlendorf
Login details:
User: Presse
Password: Steglitz12165
Press contact: Christine Nippe, christine.nippe@ba-sz.berlin.de Tel. +49 (0)30 90299-2212,
Brigitte Hausmann, brigitte.hausmann@ba-sz.berlin.de, Tel +49 (0)30 90299-2381