Rund 1,5 Millionen Quadratmeter leerstehende Büroflächen stehen in Berlin derzeit ungenutzt zur Verfügung, während gleichzeitig der Bedarf an Wohnraum und lebendigen urbanen Orten stetig wächst. Wie dieses Potenzial besser genutzt werden kann, stand im Mittelpunkt des 33. RegioTalks am Dienstagabend, 24. März 2026, auf den Flächen des Zwischennutzungsprojekts „Zik“, das seit Dezember 2024 auf den Verkaufsflächen des ehemaligen Globetrotters im Steglitzer Kreisel sein temporäres zu Hause gefunden hat. Mit Angeboten wie Rollschuhdisco, Boxstudio, Gastronomie und Kunstausstellungen zeigt ZiK exemplarisch, wie Zwischennutzungen Orte neu beleben können.
Knapp 60 Gäste folgten der Einladung zum RegioTalk des Regionalinkubators Berlin Südwest. Nach der Begrüßung durch Zik-Geschäftsführer Moritz Senff und einleitenden Worten von Juri Effenberg, Projektleiter des Regionalinkubators Berlin Südwest, eröffnete Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff die inhaltliche Diskussion. Er betonte, dass Leerstand in Berlin häufig nicht sichtbar sei und vor allem Büro- und Gewerbeflächen betreffe, in denen sich über Jahre keine Entwicklung vollziehe. Zwischennutzung sei dabei „Teil der Lösung, nicht Teil des Problems“, da sie Räume aktiviere und neue Perspektiven eröffne.
Einen konzeptionellen Perspektivwechsel brachte Käthe Fleischer, Strategin und Beraterin für urbane Retail-Innovationen, NovaQ, ein: Leerstand sei weniger ein Immobilien- als vielmehr ein Nachfrageproblem. Entscheidend sei, Nutzungskonzepte konsequent an den Bedürfnissen und Verhaltensweisen der Menschen auszurichten und datenbasiert zu entwickeln.
Mit „Communits“ stellten Alexander Sascha Wolf und Timo Schwarz von der Stiftung AusserGewöhnlichBerlin eine innovative Lösung vor, um Gewerbeflächen temporär als Wohnraum zu nutzen. Durch modulare, reversible Wohneinheiten könnten kurzfristig neue Wohnangebote entstehen, perspektivisch für bis zu 10.000 Menschen in Berlin. Schätzungen zufolge wären 20 bis 30 Prozent der leerstehenden Gewerbeflächen dafür geeignet. Das erste reale Projekt dieser Art soll in wenigen Monaten starten, weitere sind in Vorbereitung.
Auch die Rolle von Ankernutzungen wurde thematisiert: Matthias Eisentraut, Leiter Portfoliomanagement der Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG, zeigte auf, wie durch die Ansiedlung von Lebensmittelmärkten in Bestandsimmobilien neue Frequenz und Belebung für ganze Quartiere entstehen kann. Gleichzeitig verwies er auf regulatorische Hürden und plädierte für mehr Flexibilität sowie den Mut, neue Konzepte zunächst im Kleinen zu erproben.
Notker Schweikhardt, Senior Manager Destinationsentwicklung bei visit.berlin, stellte zudem seine zukünftige Aufgabe als zentrale Koordinierungsstelle für Zwischennutzung in Berlin vor, die künftig als Schnittstelle zwischen Verwaltung, Immobilienwirtschaft sowie Kultur- und Kreativszene fungieren soll. Ziel sei es, Berlin als attraktiven Standort zu stärken und die Vielfalt der Kieze zu erhalten.
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich: Zwischennutzungen können nicht nur kurzfristige Impulse setzen, sondern auch Ausgangspunkt für langfristige Entwicklungen sein. Beispiele wie das Rotaprint-Gelände zeigen, wie aus temporären Lösungen dauerhafte Strukturen entstehen können.
Der Abend des 33. RegioTalks machte klar: Berlin braucht mehr Mut zu Experimenten, schnellere Entscheidungsprozesse und eine stärkere Orientierung an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen. Denn die Stärke der Stadt liegt im Wandel und in der Fähigkeit, aus Leerstand neue Lebendigkeit zu schaffen.