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PONIATOWA – Delegation aus Steglitz-Zehlendorf zu Gast in Polen

Schriftzug der Stadt Poniatowa auf einer Anhöhe im Ostteil der Stadt

Schriftzug der Stadt Poniatowa auf einer Anhöhe im Ostteil der Stadt

Poniatowa / Juni 2022

In den vergangenen drei Jahren konnten aufgrund der pandemiebedingten Kontaktarmut keine offiziellen Begegnungen mit Vertreterinnen und Vertretern unserer polnischen Partnerstadt Poniatowa stattfinden.

60 Jahre Verleihung der Stadtrechte

Bei dieser Ausgangslage war es erfreulich, dass der Bürgermeister von Poniatowa, Paweł Karczmarczyk, eine Delegation aus Steglitz-Zehlendorf in seine in der Woiwodschaft Lublin gelegene Stadt einlud. Der Bezirk entsandte vom 17. bis 20. Juni 2022 eine dreiköpfige Delegation nach Polen: Michael Karnetzki, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, den BVV-Verordneten Tom Cywinski, sowie Sebastian Leskien, Vorstandsmitglied des Städtepartnerschaftsvereins Steglitz-Zehlendorf e.V.. Hintergrund der Einladung waren die Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1962. Poniatowa ist eine recht junge Stadt, die ab 1937 an der Stelle eines gleichnamigen Dorfes entstanden ist. Hintergrund des Siedlungsbaus war die Errichtung einer großen Fabrik, die während des Nationalsozialismus als Zwangsarbeitslager diente.

Musikensemble der "Scholares Minores pro Musica Antiqua"

Musikensemble der "Scholares Minores pro Musica Antiqua"

Herz und Seele der Partnerschaft war in der Vergangenheit der kulturelle Austausch mit dem Kinder- und Jugendensemble „Scholares Minores pro Musica Antiqua“, das auf historischen Instrumenten Musik des ausgehenden Mittelalters interpretiert. Wenig überraschend, dass auch diesmal ein Konzert des Ensembles ganz am Anfang des Programms stand, unmittelbar nach Ankunft der Berliner vor Ort.

Ein weiterer zentraler Programmpunkt war der Besuch des „Hauses der Musik“ in Kraczewice. Dort bringt die Stadt derzeit 51 ukrainische Flüchtlinge unter, darunter 25 Kinder. Gemeinsame Herausforderungen verbinden: Als Nachbarland der Ukraine ist Polen unmittelbar mit der Flüchtlingsproblematik konfrontiert.

Bezirksstadtrat Karnetzki (links) und BVV-Verordneter Cywinski (rechts) an der Gedenkstätte zur Erinnerung an die jüdischen Opfer des Lagers Poniatowa

Bezirksstadtrat Karnetzki (links) und BVV-Verordneter Cywinski (rechts) an der Gedenkstätte zur Erinnerung an die jüdischen Opfer des Lagers Poniatowa

Geschichte belastet: Poniatowa während der NS-Besatzung

Die Geschichte des deutschen Besatzungsregimes im früheren „Generalgouvernement“ ist belastend: Untem dem zynischen NS-Code „Aktion Erntefest“ versteckte sich ein koordinierter Massenmord, dem am 3. und 4. November 1943 Zehntausende Juden in Lublin, Trawniki und Poniatowa zum Opfer fielen. Das Lager in Poniatowa diente zunächst als Kriegsgefangenenlager für sowjetische Soldaten, später als Zwangsarbeitslager. Am 4. November 1943 kamen allein in Poniatowa 15.000 Juden durch Massenerschießungen um. Die meisten von ihnen waren ab April 1943 aus dem Warschauer Ghetto zwangsumgesiedelt worden. Neben den jüdischen Opfern fanden an diesem Ort bis zum Frühjahr 1942 rund 22.000 sowjetische Kriegsgefangene den Tod.

Die “Aktion Erntefest” gilt als der große Schlussakt der “Aktion Reinhardt”, in deren Rahmen seit 1941 die gesamte jüdische Bevölkerung im Generalgouvernement ermordet werden sollte.

Im Gedenken an die vielen Opfer und die bedrückende gemeinsame Geschichte statteten die Mitglieder der Steglitz-Zehlendorfer Delegation zwei Gedenkstätten einen Besuch ab.

Tafel mit den beiden deutschsprachigen Partnerstädten Poniatowas: Groß-Siegharts (Niederösterreich), Steglitz-Zehlendorf

Tafel mit den beiden deutschsprachigen Partnerstädten Poniatowas: Groß-Siegharts (Niederösterreich), Steglitz-Zehlendorf

Von links nach rechts: Witold Danielewicz (Scholares Minores pro Musica Antiqua), Sebastian Leskien (SPV), Bürgermeister Paweł Karczmarczyk, Stellv. Bürgermeisterin Poniatowska, Bezirksstadtrat Michael Karnetzki

Von links nach rechts: Witold Danielewicz (Scholares Minores pro Musica Antiqua), Sebastian Leskien (SPV), Bürgermeister Paweł Karczmarczyk, Stellv. Bürgermeisterin Aneta Poniatowska, Bezirksstadtrat Karnetzki

Hissen der Regenbogenflagge am Rathaus Zehlendorf 2022

Hissen der Regenbogenflagge am Rathaus Zehlendorf 2022

Trotz der belastenden Geschichte sind und bleiben Poniatowa und Steglitz-Zehlendorf Partner. Unterschiedliche Standpunkte, wie aktuell in der Frage des Umgangs mit dem LGBT-Thema (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender), werden dabei nicht ausgeklammert. Angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine sind gutnachbarschaftliche, ehrliche und tragfähige Beziehungen zwischen Kommunen innerhalb der EU so wichtig wie vielleicht niemals zuvor. Das gilt ganz wesentlich für lebendige Kontakte, die Akteure aus der Zivilgesellschaft untereinander pflegen.