Integration in Neukölln

kleines Kind malt mit Kreide

Die Integrationsbeauftragte des Bezirks setzt sich für ein friedliches und möglichst spannungsfreies Zusammenleben der unterschiedlichen kulturellen und ethnischen Gruppen in Neukölln ein.

Eines der Anliegen ist es, Verständnis füreinander zu wecken und zu fördern und Fremdenfeindlichkeit entgegenzuwirken. Eine vorrangige Aufgabe wird in der Förderung der Integration der hier dauerhaft ansässigen Migranten gesehen. Die Integrationsbeauftragte ist Ansprechpartnerin der in Neukölln ansässigen Migrantenvereine und -projekte.

Damit Sie sich ein genaueres Bild über die Tätigkeiten machen können, folgt hier ein Überblick.

  • Integration geht nur gemeinsam

    Integrationsarbeit in Neukölln
    Der Begriff der Integration ist in letzter Zeit viel diskutiert. Nicht wenige sind hierbei der Meinung der Begriff passe nicht mehr in unserer Zeit. Doch egal, wie wir das, was täglich in Neukölln passiert auch nennen, es ist ein äußerst dynamischer Prozess. Alle Beteiligten lernen täglich Neues, hinterfragen sich und ihr Handeln beständig und behalten dabei doch immer eins im Blick, ein gutes und friedliches Miteinander aller Neuköllnerinnen und Neuköllner, bei dem alle die gleichen Teilhabemöglichkeiten haben.

    Die neue Sicht auf Integration spiegelt sich in unserem Konzept „Integration durch Normalität“ wieder, die das gute Zusammenleben in einer interkulturellen Großstadt zum Ziel hat.

    Wenn sich eine Stadt als interkulturelle Großstadt bezeichnen darf, dann Neukölln. In Neukölln leben 330.000 Menschen, die aus 150 verschiedenen Ländern stammen. Einwanderung ist seit Jahrhunderten ein Teil der Neuköllner DNA. Neukölln hat schon immer von den neuen Kulturen, Ideen und Sichtweisen der Zugewanderten profitiert. Es kann aber auch nicht verschwiegen werden, dass Zuwanderung auch zu jeder Zeit mit Problemen und besonderen Herausforderungen an die Stadtgesellschaft verbunden war und ist.

    Unterschiedliche Zuwanderungsepochen
    In den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts kamen viele so genannte Gastarbeiter vor allem aus der ländlichen Türkei und zogen in die Altbauquartiere zwischen der Karl-Marx-Straße und dem S-Bahn-Ring. Hier standen viele Wohnungen leer, weil sich die deutschen Familien Häuser im südlichen Teil des Bezirks gebaut hatten oder die neuen Hochhäuser in der Gropiusstadt attraktiver fanden.

    In den achtziger und neunziger Jahren lösten Familien aus dem arabischen Raum die türkischen Familien in den Altbauvierteln ab, darunter viele Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem Libanon, Palästina und Syrien. Auch Menschen, die den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien entflohen waren, kamen hinzu.

    Die türkischen Familien, die den sozialen Aufstieg geschafft hatten, folgten häufig den Deutschen in den ruhigeren, südlichen Teil des Bezirks. Aufgrund der Asylregelungen war es geflüchteten Menschen zunächst verboten einer Erwerbstätigkeit nachzugehen Zudem gab es keinen Zugang zu Sprach- oder Integrationskursen. Vielen Familien fiel es daher sehr schwer, Fuß zu fassen. Die Folge ist bis heute zum Teil der Rückzug in die eigene ethnische Gemeinschaft.

    Dazu kam, dass viele der ungelernten Arbeitenden, die in den sechziger Jahren gekommen waren, haben in den neunziger Jahren ihre Arbeitsplätze verloren, da in Neukölln zahlreiche Unternehmen schließen mussten. Diese Entwicklungen sowie die soziale Spreizung, auch der einheimischen Bevölkerung, führten dazu, dass Neukölln noch heute die höchsten Arbeitslosen- und Transferempfängerquoten in Berlin hat.

    Diesen Herausforderungen stellen wir uns in Neukölln. Sie bestimmen den Arbeitsalltag all derer, die für alle Neuköllnerinnen und Neuköllner Teilhabe ermöglichen wollen.

    Die Neuköllner Gesellschaft ist eine Einwanderungsgesellschaft
    Es ist wichtig, die Gesellschaft als Einwanderungsgesellschaft zu begreifen und sich immer wieder zu vergegenwärtigen, was dies für alle Neuköllnerinnen und Neuköllner bedeutet. Die Offenheit der Gesellschaft für Einwanderung muss gestärkt und eine Willkommenskultur –wie wir sie nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Zuzug vieler Geflüchteter erleben durften und noch immer erleben dürfen- gefördert werden. Ohne die grundlegende Aufnahmebereitschaft in der Bevölkerung und Integrationsbereitschaft bei den Einwanderern kann Migration nicht erfolgreich gestaltet werden. Die Chancen die Zuwanderung durch das Einbringen neuer Ideen und Sichtweisen und die Auseinandersetzung mit Bewährtem mit sich bringt, muss das Denken und Handeln aller leiten. Unsere Stadtgesellschaft muss eine solche Offenheit an den Tag legen, dass sie allen Neubürgerinnen und Neubürgern auf Augenhöhe begegnet und ihnen in keinem Lebensbereich die Teilhabe erschwert oder vorenthält.

    Neukölln ist bereits eine solidarische, offene und liberale Stadtgesellschaft, für die alle Bürgerinnen und Bürger Verantwortung tragen. Die Verständigung zwischen den vielfältigen gesellschaftlichen Gruppen und der gegenseitige Respekt sind Grundlagen für Integration und friedliches Mit- und Nebeneinander. Klare Regeln führen dazu, dass keine Gruppe über eine andere dominiert und sich alle ohne Angst begegnen.

    Teilhabe für alle Neuköllnerinnen und Neuköllner ermöglichen
    Vielfältige Maßnahmen stärken die Fähigkeiten aller in Neukölln lebenden Menschen, unabhängig von Nationalität, kultureller Herkunft, Hautfarbe, Alter, Geschlecht, Religion, Weltanschauung und sexueller Neigung, unabhängig auch von Behinderung oder Krankheit.

    Zu den Kernbereichen der gesellschaftlichen Teilhabechancen zählen wir Bildung und Ausbildung, Arbeitsmarkt, Wohnraum, Gesundheitsversorgung sowie das kulturelle Leben und die politische Partizipation. Alle Menschen haben eine faire Chance, auf ein eigenes, selbst bestimmtes Leben in unserem Bezirk zu führen. Sie nehmen ihre demokratischen Rechte wahr, erfüllen ihre Pflichten und bringen sich tolerant und demokratisch in unsere Gemeinschaft ein. Die Wohnquartiere sind sozial und kulturell durchmischt und haben eine hohe Aufenthaltsqualität. Bildungsbewusste Familien wohnen gerne hier. Es gibt viele Orte der Begegnung und des Austauschs.

    In diesem Sinne verstehen wir unsere Arbeit für ein demokratisches, friedliches, tolerantes und buntes Neukölln, in dem Teilhabe und Vielfältigkeit Normalität sind.

  • Die Integrationsbeauftragte - Ansprechpartner, Initiator und was noch?

    Aufgabenprofil

    Migrantenvereine und -projekte * Projektberatung * Planung und Durchführung von gemeinsamen Veranstaltungen * Vernetzung der Projekte untereinander

    • Initiierung und Beratung von ressortübergreifenden Arbeitsgruppen
    • Vorsitz des bezirklichen Migrationsbeirates

    Bürger

    • Beratung von Bürgern über Hilfsmöglichkeiten, Anlaufstellen, Zuständigkeiten innerhalb und außerhalb der Verwaltung zu migrantenspezifischen Problemen
    • Hinweise und ggf. Vermittlung zu Projekten und Vereine, die Beratungsangebote muttersprachlich anbieten

    Bezirksamt

    • Beratung des Bezirksamtes, der BVV und der Fachausschüsse
    • Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen des Bezirksamtes bei migrantenspezifischen Fragestellungen
    • Mitwirkung bei der Entwicklung von Konzepten, Stellungnahmen und Initiativen zu migrantenspezifischen Belangen in allen bezirklichen Aufgabenfeldern

    Soziokulturelle Arbeit in Kooperation mit Vereinen, Projekten und anderen Dienststellen

    • Organisation von Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen, Seminaren und Fachtagungen
    • Antidiskriminierungs- und Aufklärungsarbeit
    • Mitwirkung bei AGs im Fachbereich Kultur

    Öffentlichkeitsarbeit

    • Erstellen von Informationsmaterialien und Publikationen
    • Erstellung und Pflege einer Datenbank über Beratungs- und Freizeitangebote für Migranten und Flüchtlinge in Neukölln
    • Pressemitteilungen
    • Veranstaltungshinweise

    Gremienarbeit

    • Vorsitzende des Neuköllner Beirates für Migrationsangelegenheiten
    • Landesarbeitsgemeinschaft bezirklicher Integrations- und Migrationsbeauftragter
    • Integrations- und Migrationsbeauftragter des Senates von Berlin
  • Migrationsbeirat - ein wichtiges Bürgergremium

    Der Beirat vertritt die Interessen aller im Bezirk Neukölln wohnenden Migrantinnen und Migranten in allen Lebensbereichen. Er trägt zur politischen und sozialen Integration der Migrantinnen und Migranten und zum freundschaftlichen Zusammenleben von deutscher und nichtdeutscher Bevölkerung bei.
    Weitere Informationen

  • Integrationsfonds - ein finanzielles Unterstützungsinstrument

    Der Integrationsfonds ist ein Förderprogramm des Landes Berlin, welches Maßnahmen der Bezirke zur Integration und Partizipation von Menschen mit Fluchtgeschichte finanziert. Es erlaubt den Bezirken eine flexible Umsetzung ihrer Maßnahmen, die sich an den jeweiligen Bedarfen und Besonderheiten vor Ort orientieren und stellt ein Unterstützungsinstrument im Gesamtkonzept zur Integration und Partizipation Geflüchteter dar. Die Projekte werden in Zusammenarbeit mit lokalen und gemeinnützigen Organisationen durchgeführt.

Aktuelles

  • Stellungnahme des Migrationsbeirates zu den Vorfällen im Jugendzentrum Wutzkyallee

    Der Migrationsbeirat Neukölln verurteilt den Umgang mit den Vorfällen im Jugendzentrum Wutzkyallee aufs Schärfste. Wenn sich bestätigt, dass Hinweise auf sexualisierte Gewalt nicht konsequent verfolgt wurden, dann wäre das ein eklatanter institutioneller Fehler mit gravierenden Folgen für die Betroffenen. Ein derartiger Umgang mit Gewalt gegen Mädchen und junge Frauen ist nicht hinnehmbar und muss lückenlos aufgeklärt werden.

    Der Schutz von Mädchen und jungen Frauen darf in Neukölln niemals politischen, kulturellen oder institutionellen Rücksichtnahmen untergeordnet werden. Wer bei sexualisierter Gewalt wegschaut, verharmlost oder aus falsch verstandener Rücksichtnahme nicht handelt, macht sich mitverantwortlich. Gerade in Jugendeinrichtungen braucht es maximale Klarheit, Konsequenz und eine unmissverständliche Haltung zugunsten der Betroffenen.

    Der Migrationsbeirat fordert daher eine vollständige Aufarbeitung aller Abläufe, eine Offenlegung der Verantwortlichkeiten und klare politische Konsequenzen. Es muss geklärt werden, warum Hinweise offenbar nicht mit der gebotenen Entschlossenheit weitergegeben wurden und weshalb der Schutz der Betroffenen nicht an erster Stelle stand. Solche Vorgänge dürfen sich nicht wiederholen.

    Zugleich macht der Migrationsbeirat deutlich: Mädchenarbeit muss parteiisch, feministisch und ausdrücklich antipatriarchal organisiert sein. Sie muss sich klar gegen Rollenmuster, Gewaltverhältnisse und jede Form von Geschlechterunterdrückung stellen. Mädchen brauchen Räume, in denen sie sich frei, sicher und selbstbestimmt entwickeln können — ohne Angst, ohne Zwang und ohne patriarchale Begrenzung.

    Deshalb fordert der Migrationsbeirat eine deutliche und dauerhafte finanzielle Stärkung von MaDonnaMädchenkult.Ur e.V. Die Kürzung der Mittel für eine derart zentrale und existenziell wichtige Arbeit ist nicht nur falsch, sondern politisch verantwortungslos. In einer Situation, in der Mädchen Schutz, Begleitung und Stärkung dringend brauchen, sind Kürzungen ein fatales Signal.

    Der Migrationsbeirat Neukölln verlangt, dass der Bezirk endlich die richtigen Prioritäten setzt: konsequenter Schutz statt Wegsehen, starke Mädchenarbeit statt Kürzungen, klare feministische Haltung statt Anpassung. Wer Mädchen wirksam schützen will, muss ihre Rechte stärken — ohne Einschränkung und ohne Relativierung.

  • Erster Neuköllner Dialog für Integration: "Muslimbruderschaft in Berlin" - Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Neuköllner Integrationsbeauftragten am 19.06.2026 im Rathaus Neukölln

    In Berlin und insbesondere im Bezirk Neukölln zeigen sich die Herausforderungen von Integration und Segregation und islamistischem Extremismus für den gesellschaftlichem Zusammenhalt so stark wie an kaum einem anderen Ort in Deutschland. Spätestens seit dem 7. Oktober 2023 ist deutlich geworden, dass islamistische und antisemitische Mobilisierung nicht nur in radikalen Moscheevereinen und auf den Straßen stattfindet, sondern auch Schulen und andere öffentliche Einrichtungen erreicht.

    Im Zentrum der Veranstaltung steht die Aufklärung über die Aktivitäten der vom Verfassungsschutz als extremistisch eingestuften Muslimbruderschaft. Auf Grundlage des ersten Berliner Islamismus-Monitors, den die Senatsverwaltung für Inneres und Sport im April 2026 veröffentlicht hat, sowie der Recherchen des Investigativjournalisten Sascha Adamek (»Unterwanderung – Der Politische Islam weiter auf dem Vormarsch«, 2026) werden die Strategien des Politischen Islam dargestellt: über Vereine, religiöse Infrastruktur, Parteien, Behördenkontakte und internationale Finanzierungsnetzwerke.

    WANN: Freitag, 19.06.2026, 15 Uhr
    WO: Rathaus Neukölln, BVV-Saaal, Karl-Marx-Str. 83, 12043 Berlin

    Programm:
    Grußwort von Bezirksbürgermeister Martin Hikel
    Vortrag Sascha Adamek
    Podiumsgespräch mit
    - Aziz Bozkurt, Staatssekretär für Soziales
    - Hannes Rehfeldt, CDU Neukölln
    - Angefragt: Bündnis 90 / Die Grünen, Die Linke
    - Seyran Ateş, Ibn-Rushd-Goethe-Moschee
    - Sascha Adamek, Investigativer Journalist
    Moderation: Frederik Schindler

    Der Saal des Rathauses ist geöffnet als Forum für den Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Parteien, Fraktionen, Sicherheitsbehörden, Schulen, Vereinen und muslimischen Gemeinden – mit dem Ziel, Befunde und Konsequenzen gemeinsam zu diskutieren.

    Anmeldungen bis 18.06.2026 unter: https://www.ak-polis.de/veranstaltung/260619/

Mitschnitt der Rede von Bezirksbürgermeister Hikel auf dem ersten "Neuköllner Dialog"

Formate: video/youtube

Mitschnitt der Rede von Bezirksbürgermeister Hikel auf dem ersten "Neuköllner Dialog"

Weitere interessante Links :

Die Beauftragte für Integration

Güner Balci