Klimaresiliente Hasenheide

Volkspark Hasenheide in Neukölln

Der Volkspark Hasenheide, Neuköllns größter Park, wird umgebaut. Ziel ist die Anpassung an den Klimawandel. Der Park soll „klimaresilient“ werden, das heißt: er soll gegenüber den Belastungen des Klimawandels widerstandsfähiger werden und flexibler darauf reagieren.

Anlass der Maßnahme sind umfangreiche Baumschäden. Diese gehen auf die steigenden Temperaturen und sinkenden Niederschlagsmengen der vergangenen Jahre zurück. Aber auch die intensive Erholungsnutzung bewirkt Beeinträchtigungen der Vegetation und der Böden. Den Belastungen steht das herausragende Potenzial der Hasenheide für das Stadtklima, die Artenvielfalt und die menschliche Gesundheit gegenüber. Diese positiven Funktionen des Parks für die Stadt und ihre Bewohner:innen sollen erhalten werden: Die natürlichen Leistungen für das Stadtklima, die Gesundheit und Erholung der Bevölkerung sowie für die Artenvielfalt sollen stabilisiert und weiterentwickelt werden. Der „Umbau“ des Parks betrifft daher insbesondere Verbesserungen des Bodens, die Einführung klimaangepasster Baumarten, den Umgang mit Regenwasser und die behutsame Nutzungslenkung.

Das Projekt wird möglich durch die großzügige Förderung aus Bundesmitteln. Aus dem Programm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ werden dem Bezirk 4,95 Millionen Euro gewährt. Weitere zehn Prozent dieses Betrages steuert der Bezirk aus eigenen Mitteln bei, so dass insgesamt ca. 5,5 Mio Euro für die „klimaresiliente Hasenheide“ zur Verfügung stehen. Konzeption und Koordination der „klimaresilienten Hasenheide“ liegen beim Fachbereich Grün- und Freiflächen des Straßen- und Grünflächenamtes, die Planungsleistungen werden an externe Büros vergeben. Planung und Umsetzung erfolgen in den Jahren 2022 bis 2025.

Volkspark Hasenheide in Neukölln - Weg

Daten und Fakten

* Die Projektlaufzeit erstreckt sich über die Jahre 2022 bis 2025. * 2022 wurde als Gesamtplan für das Gelände ein sogenannter Pflege- und Entwicklungsplan (PEP) erarbeitet (Büro Gruppe F). Auf Grundlage des PEP wurde 2022 und 2023 die konkrete Objektplanung erstellt (Büro Planstatt Senner). Weitere Informationen

Volkspark Hasenheide in Neukölln - Blick über Wiese

Projektbeschreibung

Der Volkspark Hasenheide, Neuköllns größter Park, gelegen in der stark verdichteten Innenstadt, soll mit dem Ziel der verbesserten Klimaresilienz umgebaut werden. Grund: umfangreiche Baumschäden und starke Beeinträchtigungen der Vegetation und der Böden durch die intensive Erholungsnutzung. Weitere Informationen

Übersichtsplan

Die Hasenheide liegt im dicht bebauten Neuköllner Norden. In ihrer Nachbarschaft finden sich einige der dichtest bebauten Quartiere Berlins. Aber auch Friedhöfe und die große Frei-fläche des Tempelhofer Feldes sind benachbart.

Von ihrer Umgebung unterscheidet sich die Hasenheide durch eine Kombination vielfältiger Eigenschaften: Sie ist öffentlich nutzbar, verfügt über Spiel- und Sportangebote, Tierpark und Teich, Berg und Tal und viele weitere attraktive Orte.

Zum besonderen Charakter der Hasenheide trägt ihr wertvoller Baumbestand bei. Im Klimawandel sind gesunde Bäume für den Fortbestand des Parks und seiner wohltuenden Effekte auf Mensch und Natur von ganz entscheidender Bedeutung. Die Pflege und Entwicklung des Baumbestandes ist deshalb ein wichtiges Ziel des Projektes „Klimaresiliente Hasenheide“ – sie tragen dazu bei, die Auswirkungen des Klimawandels für die Hasenheide zu mildern.

Der Übersichtsplan zeigt in Dunkelgrün die bestehenden Bäume und Sträucher. Hellgrün sind die Bäume dargestellt, die in den Jahren 2023 bis 2025 neu gepflanzt werden.

Bauabschnitte

Der Umbau der Hasenheide erfolgt in mehreren Bauabschnitten.

  • Ein erster Bauabschnitt wurde im Frühling 2023 realisiert. Er betrifft nur kleine Flächen und dient der Erprobung verschiedener Techniken, Materialien und Arbeitsabläufe.
  • Der zweite Bauabschnitt ist für den Frühling 2024 geplant. Hier sollen Leitungen für die Bewässerung der neu zu pflanzenden Gehölze gebaut werden. Die Erkundung der Grundwasserqualität beanspruchte viel Zeit und macht nun, wegen der Verschmutzung des Grundwassers, die Ergänzung des Trinkwasserleitungsnetzes erforderlich.
  • Der dritte Bauabschnitt wird von Januar bis ca. Mai 2024 realisiert. Hier geht es um Baum- und Strauchpflanzungen, Ansaaten, Bodenverbesserungen, Regenwassermanagement und die Aufwertung einzelner Eingangsbereiche.
  • Ähnliche Maßnahmen betreffen den vierten Bauabschnitt, der von Herbst 2024 bis Frühling 2025 realisiert wird.
  • Übersichtsplan der Bauabschnitte

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Bauzäune und Nutzbarkeit

Während der Bauarbeiten bleibt der Volkspark Hasenheide für alle Nutzer:innen geöffnet. Sowohl die Sicherheit der Parkbesucher:innen als auch das Gelingen des Umbaus machen aber die Aufstellung von Zäunen erforderlich.

Blaue Linien umrahmen die Flächen, die anlässlich des dritten Bauabschnittes bis zum Herbst 2024 eingezäunt werden müssen. Grün sind diejenigen Bereiche dargestellt, die vorerst offen bleiben.

Für den vierten Bauabschnitt werden ab Herbst 2024 weitere Flächen eingezäunt. Der dritte Bauabschnitt wird dann wieder für die öffentliche Nutzung geöffnet.

  • Bauzäune und Nutzbarkeit während der Bauphasen

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Klimaresiliente Baumarten

Die Forschung hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten zunehmend mit der Frage befasst, welche Baumarten den Auswirkungen des Klimawandels am besten trotzen können. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen und Erprobungen sind Grundlage für die Pflanzenauswahl im Volkspark Hasenheide.

Neben der Eignung für die gegenwärtigen und zukünftigen klimatischen Bedingungen spielen für die Auswahl auch die Ansprüche an den Boden, die Herkunft, Form und Wuchseigenschaften, das Angebot für Insekten u.a. Kriterien eine Rolle.

Im Hinblick auf zunehmende Hitze und Trockenheit können nicht nur heimische Gehölze verwendet werden, dennoch wurden diese soweit als möglich bevorzugt.

Baumgruben

Das Gedeihen von Bäumen hängt u.a. von den Bedingungen ab, die den Baumstandort prägen. Die Bodenverhältnisse sind hier ein wesentlicher Faktor. Je besser Baum und Boden harmonieren, desto nachhaltiger ist die Baumpflanzung.

Städtische Böden sind vielfach kulturell überformt. In der Hasenheide sind die Böden z.B. durch die intensive Nutzung verdichtet, sie enthalten Trümmerschutt oder sind durch Nährstoffeinträge und Grabungsarbeiten verändert. Die genannten und andere Faktoren stellen Einschränkungen für das Wachstum von Bäumen dar. Deshalb soll der Boden speziell dort verbessert werden, wo Bäume gepflanzt werden.

Forschung und Fachdiskussion über angemessene Größen und Ausgestaltung von Baumgruben sind im Fluss. Für die Hasenheide wurden mehrere Baumgrubentypen entwickelt (s. die folgenden Seiten). Sie unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf die verwendeten Substrate und Zusätze sowie auf die Gestaltung der Sohle. Diese besteht entweder aus dem anstehenden Boden oder aus einer eingebrachten wasserstauenden Tonschicht oder aus Zylindern, die mit – Splitt und Pflanzenkohle gefüllt – die Durchwurzelung in die Tiefe befördern sollen.

Ziel ist es, einerseits optimale Wachstumsbedingungen gerade für die jungen Bäume zu schaffen, andererseits aber den sogenannten Blumentopfeffekt, d.h. die Beschränkung des Wurzelwachstums auf die Baumgrube, zu verhindern. Die Baumwurzeln sollen, u.a. auch durch die Herstellung eines weichen Übergangs zum anstehenden Boden, in die Lage versetzt werden, über die Baumgrube hinaus zu wachsen. Sie sollen den Baum langfristig am Standort verankern. Nach der Überwindung der sensibleren Jugendphase soll der gesunde Baum in die Lage versetzt werden, mit den weniger optimalen Bodenverhältnissen der Umgebung zurechtzukommen.

Ob dieser Versuch, der nachhaltigen Etablierung von Bäumen an ihrem Standort gelingt, und welcher Baumgrubentyp hierfür besonders gute Voraussetzungen bietet, wird in einem langjährigen Monitoring beobachtet.

  • Baumgrube Detaildarstellung

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Umgang mit Regenwasser

Das Budget für die dauerhafte Pflege und Unterhaltung der Hasenheide ist seit etwa zwei Jahrzehnten gering. Deshalb muss das SGA sich in seiner täglichen Praxis auf solche Arbeiten konzentrieren, die – wie etwa die Beseitigung von Totholz aus Baumkronen – aus Sicherheitsgründen bewältigt werden müssen. Zunehmend mussten in der Vergangenheit solche Probleme vernachlässigt werden, die keine unmittelbaren Gefährdungen darstellten. Dazu zählt etwa der Umgang mit Niederschlagswasser und der Zustand der Wege.

Die Oberfläche von wassergebundenen Wegedecken muss regelmäßig gepflegt werden. Geschieht dies nicht, entwickeln sich Unebenheiten und Pfützen, die ihrerseits weitere Schäden hervorrufen. Auch der Übergang von Wegen zu Vegetationsflächen bedarf der Unterhaltung: Es muss gewährleistet sein, dass Niederschlagswasser, das auf befestigten Flächen auftrifft, in die Vegetationsflächen fließen kann.

Sowohl Wege als auch ihr Anschluss an benachbarte Vegetationsflächen sind in der Hasenheide in schlechtem Zustand. Allerdings lässt sich die Grundsanierung von Wegen mit den Zielen des Förderprogramms nicht vereinbaren. Demgegenüber ermöglichen geringfügige Interventionen die entscheidende Verbesserung des beschriebenen Problems. Die folgenden Details stellen dar, wie jeweils kleinräumig das Wasser von befestigten Flächen in Vegetationsflächen abgeleitet wird.

Diese Maßnahmen dienen sowohl der Verbesserung der Aufenthaltsqualität als sie auch die Nutzung der knappen Ressource Wasser verbessern.

  • Regenwasser-Ableitung durch Randabsenkung der Einfassung

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Attraktive Eingangsbereiche

Die Verbesserung der Ökosystemleistungen des Parks, also der Leistungen, die die Natur in Gestalt des Volksparks Hasenheide für die Stadt und ihre Bewohner:innen erbringt, ist ein wichtiges Ziel des Umbaus der Hasenheide.
Hier geht es u.a. um die Frischluftproduktion und die kühlende Wirkung auf umgebende Quartiere und den Park selbst. Möglich wird die Ökosystemleistung „Frischluftproduktion“ u.a. durch eine vitale Vegetation.
Das Einbringen von Gehölzen, die höhere Temperaturen und vermehrte Trockenheit ertragen können, ist deshalb ein zentraler Baustein für die Verbesserung der Ökosystemleistungen. Damit aber die Parkbesucher:innen sich eingeladen fühlen, von den angenehmeren Temperaturen im Park zu profitieren, werden die Eingangsbereiche zum Volkspark aufgewertet.

Im dritten Bauabschnitt sind hiervon zwei Eingänge am Columbiadamm (gegenüber Columbiabad, nahe Fontanestraße) betroffen sowie eine Fläche nahe der Lucy-Lameck-Straße (schon Richtung Parkinneres gelegen, oberhalb des dortigen Spielplatzes). Die Bestandsvegetation wird durch Stauden und Sträucher ergänzt, außerdem werden vorhandene Trampelfade befestigt. Im Hinblick auf heiße Sommertage, in denen der Park eine wichtige kühlende Ressource bildet, werden Bänke aufgestellt, um auch weniger mobilen Menschen, die ggf. besonders anfällig für die Belastungen durch sommerliche Hitze sind, den Aufenthalt im Park zu ermöglichen.

  • Planung Eingangsbereiche

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Schutzmaßnahmen

Der Umbau der Hasenheide mit dem Ziel der verbesserten Klimaresilienz erfolgt in einem bestehenden Park. Alle Maßnahmen müssen deshalb an der Tragfähigkeit des Bestandes orientiert werden. Dieser Bestand ist empfindlich, sein Fortbestand ist entscheidend für das Gelingen des Projektes.

Baustelleneinrichtungen und Maschineneinsatz müssen deshalb so organisiert werden, dass Schäden am Bestand vermieden werden. Dem dienen verschiedene Maßnahmen:

  • Das Maximalgewicht der in Vegetationsflächen eingesetzten Baumaschinen wird mit 2,8 Tonnen festgesetzt.
  • Traufbereiche von Bäumen werden nicht befahren.
  • Zur Minderung der Bodenverdichtung erfolgt das Befahren von Vegetationsflächen über lastverteilende Platten.

Zum Schutz gegen Schäden durch intensive Erholungsnutzung werden die Bereiche, in denen Bodenverbesserung, Anpflanzungen und Aussaaten vorgenommen wurden, anschließend mehrere Monate lang eingezäunt.

Der Umgang mit den genannten Maßnahmen wird im Folgenden beispielhaft anhand eines Teilbereiches der Hasenheide dargestellt.

  • Schutzmaßnahmen am Beispiel Alter Baumhain West

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Der Pflege- und Entwicklungsplan als Gesamtkonzept

Der Umbau der klimaresilienten Hasenheide wird in mehreren Planungsschritten vorbereitet.

Grundlage der Bau- und Pflanzmaßnahmen ist die am Detail orientierte Objektplanung. Sie bestimmt z.B. Baumarten, Pflanzorte oder Substratmischungen.

Über solche Detaillösungen hinaus erfordern aber die Größe des Parks, die Vielfalt der Einflüsse und die Wechselwirkungen dieser Einflussfaktoren die systematische Vorbereitung der kleinteiligen objektplanerischen Entscheidungen.

Zu diesem Zweck wurde als Analyse übergeordneter Zusammenhänge und als Überblick über den gesamten Park ein sogenannter Pflege- und Entwicklungsplan (PEP) erstellt. Er untersucht die Ausgangsbedingungen in der Hasenheide, das heißt z.B. die Böden, die vorhandene Vegetation oder die Nutzung und zeigt Entwicklungsmöglichkeiten auf. Außerdem macht er Vorschläge für die mittel- und langfristige Pflege des Parks.

  • Pflege- und Entwicklungsplan (Broschüre)

    PDF-Dokument (18.4 MB)

  • Pflege- und Entwicklungsplan (Kartenübersicht)

    PDF-Dokument (7.4 MB)

Das Projekt "Klimaresiliente Hasenheide" wird gefördert durch

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