Der Gegensatz könnte größer nicht sein. Auf der einen Straßenseite einer der zunehmend das Stadtbild prägenden ausdruckslos-modernen Quaderbauten für Besserverdienende. Auf der anderen ein Überbleibsel des alten Prenzlauer Berg-Charmes: In einer ehemaligen Schule, einem typischen Altberliner Backsteinbau, sind hier an der Schwedter Straße 232 über vierzig Künstler*innen am Werk. Ihr kreatives Chaos quillt bereits auf den Hof des weit zurückgesetzten Gebäudes. Streetart ziert die Wände, ein Gipstorso steht herum, verschiedene Materialien stapeln sich und harren ihrer weiteren Verwendung. In dem kleinen Ausstellungspavillon auf dem Hof finden regelmäßig Vernissagen und Veranstaltungen statt.
Mieterin ist die Arbeitsgemeinschaft Milchhof e.V., eine 1991 gegründete Ateliergemeinschaft. Maler*innen, Bildhauer*innen, Fotograf*innen, Video- und Performancekünstler*innen, Musiker*innen, Choreograf*innen und Regisseur*innen produzieren hier Kunst am laufenden Band. Sie alle eint der Wunsch, ein möglichst großes Publikum zu finden, ihr Werk an den Mann und die Frau zu bringen. Sichtbarkeit ist hier das Stichwort.
„Aus diesem Grund schwelte seit langem die Idee, eine Artothek auf die Beine zu stellen, die von unseren Künstler*innen produzierten Werke ausleihbar zu machen und so zusätzliche Außenwirkung herzustellen“, sagt Jan Gottschalk. Er leitet unter anderem das aus dem Milchhof heraus entwickelte artspring-Festival. Als erster im Verein begriff er 2020, dass sich mit dem Pilotprojekt Solidarisches Grundeinkommen (SGE) des Berliner Senats eine einmalige Chance bot. „Wir sind Teil eines Netzwerks der Kulturinitiative Förderband. Die fragte uns damals, ob wir nicht eine SGE-Stelle im Milchhof einrichten wollten. Ich sagte ohne nachzudenken ja und überfuhr unser Plenum wie eine Dampfwalze. Selbst würden wir nie und nimmer eine Artothek-Stelle finanzieren können, argumentierte ich. Uns fehlten jegliche Ressourcen. Wir mussten diese Gelegenheit einfach ergreifen, die Artothek endlich mit dem SGE-Projekt zu realisieren.“