Sollte es eines Beweises bedürfen, dass Langzeitarbeitslosigkeit nicht selten das Resultat unfreiwilliger Dramen und unverschuldeter widriger Humorvoll, aufgeschlossen, geradeheraus – wer Nicole Draber kennenlernt, ahnt nicht, dass die zielstrebige Frau ihr Leben noch vor wenigen Jahren schlecht im Griff hatte. „Früher stellte ich mich meinen Problemen nicht und blendete nach der Vogel-Strauß-Methode einfach alles aus“, sagt Nicole Draber. „Dann passieren manche Dinge schneller, als man denkt.“ Zu diesen gehörten abgebrochene Ausbildungen, Wohnungslosigkeit und sogar eine zweijährige Inhaftierung in Frankreich. Langzeitarbeitslosigkeit mochte da noch nicht einmal das schlimmste aller Probleme sein. Doch es hing mit allen anderen irgendwie zusammen.
Nicole Draber spricht offen über ihre Geschichte und reflektiert ihren Werdegang selbstbewusst. Diese Souveränität ist vergleichsweise neu. Draber hat sie sich zu einem Großteil in den vergangenen fünf Jahren erarbeitet, in denen sie als Obdachlosenlotsin mit dem Projekt Solidarisches Grundeinkommen (SGE) nach langer Pause wieder im Arbeitsleben Fuß fasste. „Ich bin in dieser Zeit definitiv selbstbewusster geworden“, sagt sie.
Das wundert kaum, denn sie wurde nicht nur gebraucht und entsprechend wertgeschätzt, sondern entwickelte ihre persönlichen Talente bis hin zu einem überdurchschnittlich guten Abschluss einer berufsbegleitenden Ausbildung. Inzwischen hat Draber auf eigene Initiative nochmals eine Weiterbildung mit anvisierter Übernahme in Festanstellung gefunden und angetreten.