Gropiusstadt

Gropiusstadt
Bild: Thomas Duchauffour - Fotolia.com

Quartiersmanagementgebiet – Gropiusstadt/Lipschitzallee (Präventionsgebiet)

Wohnen mit Licht, Luft und Sonne hieß einst die Devise, nach der Bauhausgründer Walter Gropius in den 50er Jahren das städtebauliche Konzept Großsiedlung am südlichen Berliner Stadtrand entwarf, die 1975 fertig gestellt wurde und rund 50.000 Menschen beherbergte.
Sie hatte bei der Fertigstellung nicht mehr viel mit dem Gropius-Entwurf gemein: Die Häuser wiesen statt drei bis vier Stockwerken bis zu 30 Etagen auf, die in Gropius’ Vorstellungen üppig vorhandenen Grünflächen mussten in der Realität Schulen, Kitas, Supermärkten und Parkplätzen weichen, weil nicht knapp 15.000, sondern mehr als drei Mal so viele Menschen hierher zogen.
Die Gropiusstadt mit ihren komfortablen, hellen Wohnungen war eine moderne Wohnsiedlung, in die Mitte der 80er Jahre in die Umgestaltung des Wohnumfeldes investiert wurde. Das öffentliche Grün wurde aufgewertet, Plätze und Wege hochwertig umgestaltet. Mit der Erweiterung des Wohnungsmarktes in den neunziger Jahren zogen viele Bewohner weg und in die Sozialwohnungen der Gropiusstadt dafür schrittweise Menschen mit geringem Einkommen.

Um das Gebiet zu stabilisieren und nachhaltig aufzuwerten, wurde dort, wo die größte Problemdichte herrscht, ein Stadtteilmanagement installiert. Das Präventionsgebiet umfasst das Areal rund um die Lipschitzallee bis zum Zwickauer Damm und damit den größten Teil der Gropiusstadt.
24.000 Menschen wohnen hier in einer Gegend, die eine sehr gute Infrastruktur, hervorragende Verkehrsanbindungen und immer noch komfortable Wohnungen zu relativ günstigen Mieten bietet.
Saubere Grünflächen zwischen den drei- bis neunzehngeschossigen Gebäuden, gute Versorgung mit den Dingen des täglichen Bedarfs, Kitas, Schulen, Ärztehaus, Seniorenhäuser – es ist alles da, was man zum Leben braucht.

Doch trotz der Nähe anderer Menschen und vielfältiger, auch kultureller Angebote, wird die Anonymität unter den Nachbarn größer. Zahlreiche Mieter, die von Anfang an hier wohnen, geben der Bevölkerungsstruktur zwar Stabilität, aber neue Mieter wechseln häufig und kommen oft aus anderen Ländern. Sie haben eine andere Kultur, andere Sitten und Gewohnheiten und haben Probleme mit der deutschen Sprache. Der Anteil der Ausländer liegt bei 17,2 Prozent. Der Trend, dass vor allem Menschen, die vorwiegend von Sozialleistungen leben, nachziehen, hält an.

Viele der deutschen “Erstbewohner”, die mittlerweile zur älteren Generation zählen, sind unsicher im Umgang mit den fremden, kinderreichen Familien, mit den oft lautstarken Jugendlichen. Die Zugezogenen haben teilweise die Erfahrung von Diskriminierung gemacht. Mit Hilfe der im Gebiet ansässigen Partner, das sind u. a. Wohnungsbaugesellschaften, Schulen, Kitas und Horte, Jugendeinrichtungen und angrenzende Kirchengemeinden, werden Möglichkeiten geschaffen, damit sich Nachbarn näher kommen können. Kinder und Erwachsene erhalten zusätzlichen Sprachunterricht und soziale Projekte bieten Erziehungs- und Lebenshilfe.

Neben Spiel- und Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche müssen auch Möglichkeiten zum Erlernen von sozialen Fähigkeiten und Kompetenzen geschaffen werden, damit die junge Generation einen stärkeren Zugang zu Ausbildung und Arbeit bekommt. Außerdem sollen die Bewohner in alle Quartiersaktivitäten eng eingebunden werden, um ihre Identifikation mit dem Umfeld zu fördern.

Weitere Informationen

Größtes Einkaufzentrum Berlins

Bildvergrößerung: Außenansicht der Gropius Passagen
Bild: Bezirksamt Neukölln von Berlin

Die “Gropius Passagen” sind nicht nur das größte Einkaufszentrum Berlins, sondern mit über 2.500 Arbeitsplätzen auch einer der größten Arbeitgeber im Einzelhandel in der Hauptstadt. Die 180 Geschäfte bieten werktags von 10.00 – 20.00 Uhr und am Samstag von 10 – 24 Uhr ihre Waren und Dienstleistungen an. Das Einkaufszentrum verfügt über einen eigenen U-Bahn-Zugang (Johannisthaler Chaussee) und hält rund 2.100 Parkplätze in den 3 Parkhäusern für seine Kunden bereit. Über die Autobahn A 113 kommen Autofahrer einfach und schnell in die Gropius Passagen. Einfach ‘Johannisthaler Chaussee’ abfahren und ca. 2 km geradeaus fahren zu Berlins größtem Shopping-Center. Die “Gropius Passagen” sind eine Tochtergesellschaft der WealthCap Management Holding GmbH mit Sitz in München, die zurzeit sechs weitere Einkaufszentren betreibt: “das Schloss” in Berlin, die “Bahnhofspassagen Potsdam”, die “Goethe Galerie” in Jena, das “City Carré” in Magdeburg und die “Galerie Roter Turm” in Chemnitz.

weitere Informationen

Aus der bewegten Geschichte der Gropiusstadt

  • 09.03.1955

    Erste Besprechung im Bezirksamt Neukölln über das Siedlungsvorhaben Berlin-Buckow-Ost, Wildmeisterdamm zwischen dem damaligen Baustadtrat Zerndt und vier Wohnungsbaugesellschaften.

  • 21.06.1958

    Erste Landkäufe der Gehag im Planungsgebiet.

  • 14.01.1960

    Unterzeichnung des Architektenvertrages zwischen der Gehag, Walter Gropius und The Architects Collaborative (TAC).

  • 19.05.1960

    Erster TAC-Plan liegt vor: 16.400 Wohneinheiten für rund 44.000 Bewohner, kreis-, halbkreis- und zeilenförmige Grundformen der Bebauung, Hauptgrünzug mit drei Geschäftszentren.

  • 29.07.1960

    Die Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen kalkuliert die Kosten des Projekts: rund 565 Millionen Mark.

  • 02.08.1962

    Endgültiger Entwurf des Flächennutzungsplanes liegt vor.

  • 07.11.1962

    Der Grundstein für den ersten Bauabschnitt am Grünen Weg wird in Anwesenheit von Walter Gropius und Willy Brandt gelegt.

  • 06.03.1963

    Gropius kritisiert den gegenwärtigen Planungsstand.

  • 25.09.1963

    Endlich! Das Richtfest für den ersten Bauabschnitt der Trabantenstadt Berlin-Britz-Buckow-Rudow (BBR) kann mit der Gehag gefeiert werden.

  • 15.01.1964

    Die Senatsbauverwaltung drängt auf Grund der besonderen Lage West-Berlins zur Verdichtung, das heißt, die Geschoßflächenzahl wird erheblich erhöht. Damit ergeben sich Probleme beim Parkplatznachweis.

  • 15.07.1965

    Architektenvertrag zwischen dem Land Berlin und Anatol Ginelli über die Planug eines Gemeinschaftshauses wird abgeschlossen.

  • 28.02.1968

    Die Volkszählung von 1967 ergibt, dass der Anteil der Kinder höher ist als angenommen. Ein Teil der Wohnbebauung wir zugunsten einer Grundschule aufgegeben.

  • 10.09.1968

    Richtfest für das Ideal-Hochhaus. Gropius ist aus diesem Anlass zum letzten Mal in Berlin.

  • 05.07.1969
    02.01.1970

    Walter Gropius stirbt im Alter von 86 Jahren.
    Die U-Bahnstrecke Britz-Süd Zwickauer Damm wird eröffnet.

  • 12.01.1970

    Zusätzliche Standorte für zwei Grundschulen, eine Oberschule, eine Kindertagesstätte und einen Sportplatz werden festgelegt.

  • 21.01.1970

    Der Grundstein fürs Gemeinschaftshaus wird gelegt.
  • 16.09.1972

    Feierliche Umbenennung in Gropiusstadt und Grundsteinlegung für das halbkreisförmige Gropiushaus.

  • 06.04.1973 -
    11/1975

    Eröffnung des Gemeinschaftshauses.
    Der Senat bewirbt sich um die Bundesgartenschau, um der Unterversorgung der Gropiusstadt mit Freizeit- und Erholungsanlagen entgegenzuwirken.

  • 12/1975

    Die letzten Wohnbauten werden fertiggestellt. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 1, 74 Milliarden Mark.

  • 14.08.1976

    Das Gesundheitszentrum wird eröffnet. Damit steht in der Gropiusstadt das erste Modell einer ärztlichen Praxisgemeinschaft in Deutschland.

  • 06/1979

    Entscheidung, 1981 mit dem Bau eines Jugendzentrums an der Wutzkyallee zu beginnen. Die Baukosten in Höhe von 3,5 Millionen Mark trägt das Land Berlin.

  • 13.06.1981

    Zehnjähriges Jubiläums-Sommerfest in dem evangelischen Zentrum Haus der Mitte.

  • 11/1983

    Für rund 10 Millionen Mark soll das Einkaufszentrum Gropiusstadt an der Johannisthaler Chaussee erweitert werden.

  • 15.09.1984

    Gropius-Chor feiert zehnjähriges Jubiläum.

  • 02/1986

    Startschuss für die konzertierte Aktion für die Verschönerungskur der Gropiusstadt. Für Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung werden vom Senator für Bau und Wohnungswesen zwei Millionen Mark zur Verfügung gestellt.

  • 06.04.1986

    Erste Sitzung des Beirats zur Wohnumfeldverbesserung, zusammengesetzt aus Vertretern der Mieter, des Bezirksamtes, der Wohnungsbaugenossenschaften, des Senats und externen Fachleuten. Geplant sind die Schaffung neuer Grünflächen und neue Farbgebung.

  • 04/1987

    Beginn der Arbeiten zur Verschönerung der Gropiusstadt verzögert sich.
    Dafür stehen nun insgesamt fünf Millionen Mark zur Realisierung des Projekts Wohnumfeldverbesserung zur Verfügung.

  • 07.11.1987

    Zum 25-jährigen Jubiläum der Grundsteinlegung der Gropiusstadt werden vom Beirat für Wohnumfeldverbesserungen 25.000 Narzissenzwiebeln hinter dem Gemeinschaftshaus gepflanzt.

  • 01.04.1988

    Das Mittenwalder Dreieck in der Gropiusstadt, auch Tortenstück genannt, ist Gegenstand des dritten Gebietsaustauschs zwischen dem Senat und der Regierung der DDR.
    Es gehört von da an wieder zu West-Berlin.

  • 14.11.1989

    Treptow rückt näher: An der Massante-Brücke in Rudow wird ein neuer Grenzübergang für Fußgänger eröffnet.
    Nach dem Mauerbau herrschte 28 Jahre lang Funkstille zwischen Neukölln und Treptow.

  • 11/1989

    Die für das Projekt der Wohnumfeldverbesserungen vorgesehen Millionen stehen nach der Wende nicht mehr zur Verfügung.
    Die Trabantenstädte in Hellersdorf und Marzahn benötigen das Geld dringender.

  • 04/1990

    Im Umfeld tut sich was: Investoren planen für die Zukunft Einkaufszentren, Golfplätze, Hotel- und Freizeitanlagen.

  • 09/1990

    Der Gropiusstadt droht mehr Beton. Angesichts der Wohnungsnot werden neue Bauten geplant.

  • 09/1990

    Durch den Fall der Mauer hat sich der Verkehr stark verdichtet.

  • 11/1990

    Das Gemeinschaftshaus Lipschitzallee muss renoviert werden.
    Die Umgestaltung wird rund 12 Millionen Mark kosten.

  • 6.12.1991

    Eröffnung des neugestalteten Einkaufszentrums an der Wutzkyallee und Umbenennung in Wutzky-Center.

  • 10/1994

    Beginn des Umbaus des Einkaufszentrums Johannisthaler Chaussee.
    150 Millionen Mark sollen investiert werden, um einen Gegenpol zu den Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu schaffen, die im Umland entstanden sind.

  • 1995/1996

    Statistische Untersuchungen ergeben, dass in der Gropiusstadt jeder zweite älter als 50 Jahre ist. Die Kinder sind inzwischen alle weggezogen.
    Nur noch 38.000 Bewohner hat der Stadtteil.

  • 09/1997

    Eine Kulturkonferenz wird ins Leben gerufen. Kirchengemeinden, Vereine und Bezirksamt beschließen, mit einer Veranstaltungsreihe mehr Leben in die Gropiusstadt zu bringen.

  • 04.09.1997

    Die Gropius Passagen eröffnen mit 120 Geschäften und einer Verkaufsfläche von 46.000 Quadratmetern.
    Für die Gropiusstadt stellen sie nicht nur ein Einkaufszentrum dar, sondern auch einen Treffpunkt, eine Art Stadtmitte.

  • ab 12/1999

    Die Wohnungsbaugesellschaften sorgen mit Vor-Ort-Büros für kurze Wege für ihre Mieter und führen Mieterbefragungen durch.

  • 09/2000

    Gropiusstadt 2000 die zweite Chance wird gegründet, um das Wohnumfeld zu verbessern. Versäumnisse werden aufgelistet: Einbauküchen fehlen, die Eingangsbereiche der Häuser sollten freundlicher gestaltet werden.
    Dazu gehört auch das Fehlen kommunikativer Orte mit Biergärten oder Cafés.

  • 11/2000

    Die Fehlbelegungsabgabe für geförderte Wohnungen wird aufgehoben, um Besserverdiener in die Gropiusstadt zu holen.

  • 07.11.2002

    Das vom Kulturamt Neukölln herausgegebene Buch 40 Jahre Gropiusstadt ist erschienen.