Erster Bericht zu Kinderarmut in Neukölln

Pressemitteilung vom 26.11.2025

Mit dem ersten Neuköllner Kinderarmutsbericht hat das Bezirksamt Neukölln eine Bestandsaufnahme zur Kinderarmut im Bezirk vorgelegt. Der Bericht analysiert einerseits das Ausmaß und die Auswirkungen von Armut auf verschiedene Lebensbereiche von Kindern und Jugendlichen in Neukölln. Andererseits stellt er zahlreiche Maßnahmen des Bezirksamts für mehr Teilhabe von Kindern und Jugendlichen und zur Bekämpfung von Armutsfolgen vor.

33,6 % der Minderjährigen in Neukölln erhielten im Jahr 2024 Leistungen nach dem SGB II. Auch wenn sich der Anteil in den vergangenen zehn Jahren deutlich verringert hat, liegt diese Quote noch immer mehr als 10 Prozentpunkte über dem Berliner Durchschnitt (23,1%). Neukölln bleibt damit im Bezirksvergleich der Bezirk mit der höchsten Armutsquote junger Menschen in Berlin. Besonders betroffen ist dabei Nord-Neukölln (40,5%), gefolgt von der Gropiusstadt (37,3%). Lediglich in Buckow-Nord und Rudow liegen die Quoten unter dem Berliner Durchschnitt.

Sarah Nagel, Bezirksstadträtin für Jugend: „Unser Bericht zeigt, dass Armut für Kinder und Jugendliche in Neukölln real ist. Zu enge Wohnverhältnisse, kein Geld für Freizeitangebote oder finanziell bedingte Familienkonflikte belasten junge Menschen ganz konkret, Tag für Tag. Wir können Kinder und Jugendliche nur dann gezielt unterstützen, wenn unsere Strukturen weiter ausgebaut und gestärkt werden. Jede Einsparung zu Lasten von jungen Menschen wird sich vielfach negativ auswirken. Andersherum wird sich jeder Euro, der heute
in die Armutsprävention gesteckt wird, in Zukunft vielfach auszahlen.“

Armut definiert sich jedoch nicht nur durch statistische Daten zum Familieneinkommen. Der Bericht zeigt die verschiedenen Dimensionen von Armut auf. Dazu wurden u.a. zehn Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk befragt, deren Erfahrungen in den Bericht eingeflossen sind. Der Bericht befasst sich daher auch mit Diskriminierungsformen wie Rassismus und Bildungsbarrieren, die zu Armutserfahrungen junger Menschen in Neukölln beitragen.

„Kinder- und Familienarmut in Neukölln begegnen“: So lautet der vollständige Titel des Armutsberichts, der gleichzeitig auch Programm ist. Denn die zahlreichen präventiven Maßnahmen des Jugendamtes und anderer Bereiche dienen dazu, frühzeitig Chancen für junge Menschen zu schaffen und im besten Fall ein Leben ohne Armut und in Selbstbestimmung möglich zu machen.

Der Bericht stellt dazu die wichtigsten Maßnahmen vor, darunter das vielfach ausgezeichnete Peertrainer:innen-Netzwerk, bei dem Jugendliche sich gegenseitig unterstützen und das durch das hohe Maß an Authentizität besonders erfolgreich funktioniert. Auch die Stadtteilmütter, das FamilienServiceBüro oder das Zusammenwirken von Schule und Jugendhilfe stellen wichtige Pfeiler in der Armutsprävention dar.

Im Rahmen der 2. Kinderarmutskonferenz vom 27. November (Beginn: 15:00 Uhr, Junges Tanzhaus, Lucy-Lameck-Straße 32) wird der Bericht vorgestellt und mit Fachkräften, Multiplikator:innen und Interessierten diskutiert. Der vollständige Bericht kann unter https://www.berlin.de/ba-neukoelln/politik-und-verwaltung/aemter/jugendamt/kinderarmutspr-vention-1470274.php heruntergeladen werden.