Seit 50 Jahren bietet der Bereich Wohnen & Teilhabe des Diakoniewerks Simeon Menschen mit Behinderungen ein Zuhause – weit mehr als nur Wohnraum, sondern ein Ort der Gemeinschaft und individuellen Begleitung. Unter dem Leitmotiv „Für Menschen, von Menschen, mit Menschen“ hat sich das Konzept stetig weiterentwickelt und prägt bis heute die Art und Weise, wie Teilhabe und personzentriertes Wohnen gelebt werden.
Am vergangenen Freitag wurde genau das in der Dreieinigkeitskirchengemeinde in der Lipschitzallee gefeiert. Mit dabei war auch Bezirksbürgermeister Martin Hikel, der in seinem Grußwort den Dank und die Anerkennung des Bezirks betont hat. Es war eine bewegende Veranstaltung, die vor allem die Bewohnerinnen und Bewohner in den Mittelpunkt rückte. Einige von ihnen leben seit Anfang an hier und haben neben Unterkunft und Beschäftigung vor allem Freundschaften und Gemeinschaft gefunden.
Nicht zufällig fiel die Gründung des Wohnstättenwerkes in eine Zeit, in der in der Bundesrepublik sehr intensiv über den Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen und anderen Einschränkungen gestritten wurde. An die Stelle der Isolation in “Anstalten” sollte die gemeindenahe Versorgung treten.
Das Wohnstättenwerk mitten in die Stadt zu setzen war ein frühes Zeichen für den beginnenden Reformprozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Teilhabe ist ein Menschenrecht. Diese seit den 1970er Jahren hart erkämpfte Grundhaltung wird heute wieder offen infrage gestellt. Es ist in der politischen Debatte offenbar nicht mehr selbstverständlich, dass jeder Mensch einen Wert an sich hat. Ich habe große Sorge, dass die immer kleinteiliger werdende Ausdifferenzierung der Gesellschaft zu Spaltung und Abwertung einzelner Menschen und (vermeintlicher) Gruppen führt.
Was passiert denn mit denen, die “anders” sind, wenn die politischen Ränder über ihr Schicksal entscheiden können? Und wer ist der nächste, der “nicht mehr dazu gehört”?
Schutz davor bietet nur das klare Bekenntnis: wir sind eine Gesellschaft. Und die Teilhabe an ihr ist unser aller Recht.