Sich auf seiner mickrigen Taxifahrerrente auszuruhen, wäre für Klaus Meier ohnehin keine großartige Aussicht. „Mit meinem Rentenbescheid werde ich als erstes zum Sozialamt gehen und um Aufstockung bitten müssen“, sagt er. Dann schon lieber etwas tun und ein neues Unternehmen aufbauen – von Spendenakquise bis zu technischen Dienstleistungen schweben Klaus Meier verschiedene Szenarien vor. Geld spielt für ihn jedoch nicht die Hauptrolle. Vor allem möchte Klaus Meier das, was er aufgebaut hat, am Leben erhalten und ausbauen.
„Mit meiner Gruppe von Taxiaktivisten möchte ich weitermachen und die entstandene Energie aus dem SGE-Programm weiter nutzen“, sagt Klaus Meier. „Die Basisarbeit werde ich fortsetzen. Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich hineinstecken kann, doch das Beraten auf der Straße soll unbedingt Teil dessen bleiben, was ich tue.“ Wer wie er stets sein Hobby zum Beruf gemacht habe, so Klaus Meier, verliere so schnell nicht den Elan. „Ich würde das Taxifilmfestival 2026 gern erneut veranstalten und außerdem plane ich, einen Verlag zu gründen. Den Bettlerverlag.“ Natürlich soll in diesem alles erscheinen können, was im weitesten Sinne mit Taxikultur zu tun hat. „Es gibt bereits fünf Buchprojekte, eins davon produktionsreif. Inhaltlich wird der Verlag sicherlich ein breiteres Themenspektrum als der Taxisoziallotse abdecken. Aber meine Identität und Existenz als langjähriger Taxifahrer werden auch in der Verlagsarbeit Bedeutung behalten. Das will ich nicht aufgeben.“
Zwar läuft das SGE auch für Klaus Meier aus. Den Weg, den er über das Programm nahm, wird er dennoch auch über den Renteneintritt hinaus fortsetzen. Der Gedanke, Berlin mit dem SGE lebenswerter zu gestalten, wird in Klaus Meiers anhaltendem Engagement fortwirken. Das Taxigewerbe Berlins hat einen engagierten Kämpfer für soziale Fragen an seiner Seite.
Die Interviews und Texte der Reihe „Gesichter des SGE“ stammen von Sebastian Blottner von Rohnstock Biografien. Die Fotos hat Ina Schoenenburg von der Agentur OSTKREUZ gemacht.