Sollte es eines Beweises bedürfen, dass Langzeitarbeitslosigkeit nicht selten das Resultat unfreiwilliger Dramen und unverschuldeter widriger Lebensumstände sein kann, dann erbringt ihn die Geschichte von Juli Leben. Die 1997 geborene Berlinerin kämpfte sich durch eine schwierige Kindheit. Im Westen Berlins aufgewachsen, trieben sie die Umstände schon als Vierzehnjährige dazu, die elterliche Wohnung zeitweise zu verlassen. Zwar kam sie immer unter, irgendwann aber auch von der Bahn ab. Ein schleichender Prozess begann, an dessen Ende sie krank und „verdeckt wohnungslos“ war, wie es im Fachjargon heißt. „Solche Fälle gibt es viele“, weiß sie heute, „es lief bei mir ziemlich standardmäßig ab.“ Auf der Straße schlief Juli Leben nie. Doch auf ihrer jugendlichen Odyssee durch das Berliner Hilfesystem geriet sie schnell in zweifelhafte Kreise.
Selbstbestimmt eigene Wege zu gehen konnte Juli Leben so kaum lernen. Stattdessen musste sie sich über lange Zeiträume hinweg in klinische Behandlung begeben. Den Behörden galt sie aufgrund dieser Umstände als in den Arbeitsalltag nicht integrierbar – sie legten Juli Leben im Alter von 19 Jahren eine Frühberentung nahe. Das kam für die junge Frau jedoch nicht in Frage. Sie wollte wenigstens eine Chance bekommen. Die gab ihr der Berliner Verein KARUNA – Zukunft für Kinder und Jugendliche in Not e.V., der Juli Leben in dieser schwierigen Phase auffing und ihr half, Stück für Stück Selbstvertrauen zu gewinnen. Mit diesem Rückhalt engagierte sie sich bei der von KARUNA mitorganisierten Bundeskonferenz der Straßenkinder und gab 2018 sogar der Tagesschau ein Interview.