09/2026-KIRIAT BIALIK – Israelische Schülerinnen und Schüler zu Gast am Dreilinden-Gymnasium

7. September 2026: Gruppenfoto in der Schulaula - v.l.n.r.: Roni Rusnak (Lehrerin Kiriat Bialik), Katharina Dannenberg (Lehrerin Dreilinden-Gymnasium), Maya Toledano (Lehrerin K. Bialik), Raya Tabul (Schulleiterin ORT Kiryat Bialik School), Sylvia Bailey (Lehrerin Dreilinden-G.), Jens Stiller (Schulleiter Dreilinden-G.)

7. September 2026: Gruppenfoto in der Schulaula - v.l.n.r.: Roni Rusnak (Lehrerin Kiriat Bialik), Katharina Dannenberg (Lehrerin Dreilinden-Gymnasium), Maya Toledano (Lehrerin K. Bialik), Raya Tabul (Schulleiterin ORT Kiryat Bialik School), Sylvia Bailey (Lehrerin Dreilinden-G.), Jens Stiller (Schulleiter Dreilinden-G.)

Kiriat Bialik / September 2026

Unter dem Dach der deutsch-israelischen Städtepartnerschaft zwischen Kiriat Bialik und Steglitz-Zehlendorf hat sich eine lebendige Schulpartnerschaft entwickelt: Das Dreilinden-Gymnasium in Wannsee hat vom 2. bis einschließlich 7. September 2026 insgesamt 20 Schülerinnen und Schüler der ORT Kiryat Bialik School zu einem Schüleraustausch in der Bundeshauptstadt empfangen. Untergebracht waren die jungen Israelis bei deutschen Gastfamilien.

Besonders spannend ist die Vorgeschichte dieser deutsch-israelischen Schulpartnerschaft: Den Startschuss gaben bereits im März 2022 der damalige Schulleiter aus Kiriat Bialik, Rami Porat, und Reinhold Maier, eine frühere Lehrkraft am Dreilinden-Gymnasium. Maier überbrachte Grüße von Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg und übermittelte deren Unterstützung für den Aufbau einer Partnerschaft zwischen beiden Schulen (wir berichteten). Im Juni 2022 folgte die Reise einer 50-köpfigen Gruppe aus Schülern und Lehrkräften nach Israel. Ein Durchbruch zur Verstetigung der partnerschaftlichen Beziehungen gelang im Sommer 2025 beim Berlin-Besuch einer von Bürgermeister Eli Dukorski geleiteten Delegation (wir berichteten). Bei der Begegnung am 8. Juli 2025 im Dreilinden-Gymnasium nahm auch Bezirksstadtrat Patrick Steinhoff teil, der damals kommissarisch das Ressort Bildung, Kultur und Sport leitete. Weitere Treffen am Rande einer deutsch-israelischen Netzwerkkonferenz im November 2025 trugen zu einer Vertiefung der beidseitigen Kontakte bei.

Haupteingang des Dreilinden-Gymnasiums, Ortsteil Wannsee

Haupteingang des Dreilinden-Gymnasiums, Ortsteil Wannsee

Schülerinnen und Schüler begegnen Miriam Harel

Ein wichtiger und auch emotional bedeutsamer Schritt war schließlich eine von der Stadt Kiriat Bialik organisierte Videokonferenz am 27. Januar 2026 mit Miriam Harel. Die in Kiriat Bialik lebende hochbetagte Holocaust-Überlebende wandte sich anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages an die jungen Menschen. Neben Schulleiter Jens Stiller nahmen Schülerinnen und Schüler der damaligen Klasse 9c sowie Deutschlehrerin Katharina Dannenberg an dem Austausch teil. Das Lebenszeugnis der alten Dame beeindruckte die Jugendlichen tief. Sie erhielt im Nachgang Briefe von Schülern, in denen sie ihren Dank für die virtuelle Begegnung zum Ausdruck brachten, ihre Eindrücke schilderten, aber auch zahlreiche Fragen formulierten. Die Briefe gelangten auf ungewöhnlichem Weg nach Israel: Dannenberg und ihre Kollegin Sylvia Bailey, die sich auf deutscher Seite maßgeblich für den Schüleraustausch engagieren, hielten sich während der Winterferien in Israel auf. Bei dieser Gelegenheit übergaben sie die Briefe persönlich an Dr. Alona Eisenberg, Sprecherin der Stadtverwaltung von Kiriat Bialik.

Im Rahmen dieser Israelreise sprachen sie mit der stellvertretenden Schulleiterin der ORT Kiryat Bialik School, Liti Greenstein, um Möglichkeiten zur Durchführung eines Schüleraustauschs auszuloten. Es entwickelte sich eine Eigendynamik: An beiden Schulen wurden interessierte Schülerinnen und Schüler gesucht und anhand umfangreicher Fragebögen „Austauschpaare“ mit jeweils einem israelischen und einem deutschen Jugendlichen gebildet, von denen man annahm, dass sie am besten zusammenpassten. Drei Videokonferenzen, vorbereitet von den israelischen Lehrerinnen Roni Rusnak und Maya Toledano, Schulleiterin Raya Tabul sowie deren Stellvertreterin Liti Greenstein, dienten dem gegenseitigen Kennenlernen.

Miriam Harel ließ es sich nicht nehmen, jeden einzelnen Brief der Schülerinnen und Schüler ausführlich zu beantworten. Außerdem stellte sie dem Dreilinden-Gymnasium einen eigenhändig geschriebenen Brief sowie ein Foto von sich und ihrem Ehemann zur Verfügung. Beides fand Eingang in eine Anne-Frank-Ausstellung, die vom 12. Juni 2026 bis zum Beginn der Sommerferien im Foyer der Schule gezeigt wurde. Wie die Schülerinnen und Schüler in ihrer Recherche herausfanden, kannten sich Miriam Harel und Anne Frank persönlich. Diese Erkenntnis ist auch auf der Schulwebseite dokumentiert.

Ein Schüler drückt seine Friedenssehnsucht für den Nahen Osten aus

Ein Schüler drückt seine Friedenssehnsucht für den Nahen Osten aus

Das Besuchsprogramm im Überblick

Als sich die Jugendlichen am Abend des 2. September 2026 erstmals persönlich gegenüberstanden, war das Eis schnell gebrochen. Das Gefühl, sich bereits länger zu kennen, machte den Einstieg in die gemeinsame Woche leichter.

Insgesamt verband das Programm Schulalltag, kreatives und sportliches Erleben sowie – nicht nur touristische – Einblicke in Berlin. In der Jugendkunstschule YouKunst, einem außerschulischen Lernort des Bezirks Steglitz-Zehlendorf, entstanden gemeinsam bedruckte T-Shirts und Keramikarbeiten. Beim Rudern am Kleinen Wannsee wurde ein sportlicher Akzent in freier Natur gesetzt. Für die Gastschüler sicher spannend war die Teilnahme am Unterricht ihrer Gastklassen. Das Wochenende bot Gelegenheit für gemeinsame Ausflüge mit den Gastfamilien. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der deutsch-jüdischen Geschichte – mit Besuchen des Denkmals für die ermordeten Juden Europas und des Jüdischen Museums Berlin. Ein Besuch des Deutschen Bundestags rundete das Programm ab.

7. September 2026: Abschlussveranstaltung in der Schulaula

An der Abschlussveranstaltung in der Aula des Gymnasiums nahm neben Schulleiter Jens Stiller und den begleitenden Lehrerinnen beider Schulen auch Christian Urlaub, Beauftragter für Partnerschaften und Antisemitismusprävention des Bezirksamts, teil. Sie alle wurden Zeugen eines spontanen Konzerts, als zwei begabte Schüler – einer aus Kiriat Bialik, einer aus Steglitz-Zehlendorf – am Flügel Platz nahmen und zu vier Händen spielten. Die beiden jungen Pianisten bildeten eines der „Austauschpaare“, die sich bereits vor dem Besuch in Videokonferenzen kennengelernt hatten.

Alle Augen richteten sich auf zwei große Aufsteller, auf die Schülerinnen und Schüler aus beiden Ländern ihre Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen an den Schüleraustausch gepinnt hatten. Die Bandbreite der auf Zetteln verewigten Gefühlslagen reichte von „aufgeregt“, „nervös“ und „glücklich“ bis zur Erwartung, „eine tolle Zeit mit meinem Austauschschüler zu verbringen“. Auch die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten fand ihren Platz.

„Für die beiden Schulen ist die erste persönliche Begegnung ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer dauerhaften deutsch-israelischen Schulpartnerschaft“, zieht Lehrerin Katharina Dannenberg eine rundum positive Bilanz.

Am Schluss waren sich alle einig: Dieser Schüleraustausch macht neugierig auf mehr. Und gerne auch mal in die andere Richtung.

7. September 2026: Abschlussveranstaltung des deutsch-israelischen Schüleraustauschs in der Aula des Dreilinden-Gymnasiums

7. September 2026: Abschlussveranstaltung des deutsch-israelischen Schüleraustauschs in der Aula des Dreilinden-Gymnasiums

Beauftragter für Partnerschaften

Christian Urlaub