07/2026 – Wie Emotionen Demokratie beeinflussen: Einladung zum Demokratietag am 15. September

Faltblatt Demokratietag 2026 Ingeborg-Drewitz-Bibliothek

Juli 2026

Populismus, Vorurteile, Verschwörungserzählungen nutzen häufig Emotionen und vereinfachen komplexe Zusammenhänge. Damit können sie die Stabilität demokratischer Institutionen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen sowie Polarisierung fördern. Bildung und Dialog sind der Schlüssel, um Demokratie lebendig und „wetterfest“ zu machen. Diesem Ziel widmet sich der zweite „Demokratietag“, der am 15. September 2026 von 11:00 bis 19:00 Uhr in der Steglitzer Ingeborg-Drewitz-Bibliothek stattfindet. Unter dem Leitmotiv „Was hält uns zusammen?“ laden Mutwerk e.V. und zahlreiche Initiativen des „Netzwerks Demokratiebildung“ im Bezirk Steglitz-Zehlendorf ein.

Die Mischung aus Workshops, Impulsvorträgen, Podiumsdiskussionen und interaktiven Ständen macht neugierig. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Rechtsextremismus, der Umgang mit Emotionen in gesellschaftlichen Konflikten sowie die Stärkung von Zivilcourage im Alltag. Der Politik- und Kommunikationsberater Dr. Johannes Hillje lädt um 16:30 Uhr zu einer Lesung mit anschließender Diskussion darüber ein, wie Emotionen in den Dienst der Demokratie gestellt werden können. Seine These lautet, dass man Emotionen wie Angst, Hoffnung und Wut nicht Populisten und Extremisten überlassen dürfe.

14. November 2025: Shay Dashevsky stellt sich am Infotisch den Fragen der Besucherinnen und Besucher

14. November 2025: Shay Dashevsky stellt sich am Infotisch den Fragen der Besucherinnen und Besucher

Emotionen in gesellschaftlichen Konflikten

In einer Präsentation mit anschließender Podiumsdiskussion erörtern Dr. Ahmed Albaba, Shay Dashevsky und Hofit Keshet auf der Basis persönlicher Erfahrungen um 12:00 Uhr die Frage, wie mit Emotionen in gesellschaftlichen Konflikten umzugehen sei. Der Fokus liegt dabei auf der stark polarisierten Debatte um den israelisch-palästinensischen Konflikt im Nahen Osten. In einer Atmosphäre, in der Diskurse oft von Ideologien vereinnahmt werden, muss nach Überzeugung des Trios ein partnerschaftlicher, offener Dialog auf Augenhöhe geführt, müssen Brücken gegen den Hass gebaut und damit demokratische Werte geschützt werden.

Kritisch setzen sich die Podiumsteilnehmer mit dem modernen Antizionismus auseinander, der, wie sie wörtlich schreiben, „im arabisch-palästinensischen Diskurs als destruktives ideologisches und emotionales Deutungsmuster wirkt“. Dadurch würden abweichende, moderate palästinensische Stimmen delegitimiert und ein friedliches Zusammenleben zwischen Palästinensern und Israelis erschwert. Das Risiko des Antizionismus liege darin, die Grenze zwischen legitimer politischer Kritik zu verwischen und antisemitische Narrative zu beschönigen.

Als Kunsttherapeutin arbeitet Hofit Keshet mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien zusammen, schafft Räume für kreative Begegnung und unterstützt Menschen, die Ausgrenzung, Migration, Diskriminierung, Verlust oder traumatische Erfahrungen erlebt haben.
Shay Dashevsky ist ein in Berlin lebender israelischer Jude, der sich seit dem 7. Oktober 2023 in der jüdischen Gemeinschaft engagiert. Er leitet die Dialogprojekte „I Am From Israel: Ask me Anything“ und „Voices from Gaza and Israel – We Want to Live“. Beide Formate fördern durch offene Gespräche das gegenseitige Verständnis und ermöglichen einen Perspektivwechsel.
Dr. Ahmed Albaba ist in den palästinensischen Gebieten im Westjordanland aufgewachsen. Er studierte Islamwissenschaft, Psychologie und Judaistik und promovierte 2021 an der Universität Göttingen mit einer Studie über das kollektive Gedächtnis und die Folgen von Flucht und Vertreibung. Derzeit arbeitet er als freiberuflicher Forscher und Dozent.

Demokratietag vom 14. November 2025

Demokratietag vom 14. November 2025

Im Rahmen eines Workshops setzt sich der Verein DEVI e.V. für Demokratie und Vielfalt in Schule und beruflicher Bildung um 12:00 Uhr mit den Kernelementen des Rechtsextremismus sowie dessen Symbolwelt und Erscheinungsformen auseinander. Der Förderkreis Gedenkort T4 e.V. erinnert in seinem inklusiven Workshop um 13:30 Uhr an die Ermordung von Menschen mit Behinderung während des Nationalsozialismus, der sogenannten Aktion T4. Dargestellt werden Geschichte und Lebensbedingungen der damals Betroffenen und die Frage, was diese menschenverachtende Mordaktion für uns heute bedeutet.

14. November 2025: Plaudern über Demokratie beim Demokratietag

14. November 2025: Plaudern über Demokratie beim Demokratietag

Das Martin-Niemöller-Haus der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Dahlem thematisiert an einem interaktiven Stand zwischen 13:30 und 18:00 Uhr die Frage der Nachbarschaft im Nationalsozialismus. Eine Auseinandersetzung mit den Tagebuchnotizen der Steglitzerin Gerda M. Meyer (1910-2009) bietet das Historikerlabor e.V. an seinem Stand an – ebenso ab 13:30 Uhr. Unter dem Motto „Ich leb‘ so gern“ hatten sich Studentinnen und Studenten der Alice-Salomon-Hochschule zwei Semester lang im Rahmen eines interdisziplinären Theater- und Filmprojekts künstlerisch mit dem Leben einer jungen und lebenslustigen Berlinerin in finsterer Zeit beschäftigt (wir berichteten). „Was würdest du tun“ fragt schließlich die Registerstelle Steglitz-Zehlendorf Besucherinnen und Besucher, wenn in einer konkreten Situation deren Zivilcourage gefordert ist. Der Stand des Registers ist ab 13:30 Uhr besetzt.

Fragile ... Demokratie ist ein zerbrechliches, schützenswertes Gut ...

Fragile ... Demokratie ist ein zerbrechliches, schützenswertes Gut ...

Für das Bezirksamt sprechen die für Jugend und Gesundheit zuständige Bezirksstadträtin Carolina Böhm und der stellvertretende Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Bürgerdienste und Soziales, Tim Richter, die Grußworte. Die Ansprachen sind für 15:45 Uhr angesetzt.

Alle Angebote im Rahmen des Demokratietages sind kostenlos. Die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek befindet sich in der dritten Etage des Einkaufscenters „Das Schloss“, Grunewaldstraße 3, 12165 Berlin-Steglitz, und ist barrierefrei erreichbar.

Der erste Demokratietag fand am 14. November 2025 am gleichen Ort statt (wir berichteten). Seit seiner Einführung 2007 durch die Vereinten Nationen (UN) wird der „Internationale Tag der Demokratie“ immer am 15. September weltweit begangen. Die UN wollten mit dem Gedenktag die Bedeutung demokratischer Grundsätze hervorheben und dazu beitragen, Demokratie weltweit zu fördern und zu stärken.

Demokratie beginnt mit Dir

Demokratie beginnt mit Dir

Antisemitismusprävention

Beauftragter gegen Antisemitismus

Christian Urlaub