Auszug - Vorstellung der Arbeit der evangelischen Kirchengemeinde Genezareth durch den Pfarrer Herr Kees   

 
 
21. öffentliche Sitzung des Ausschusses für Integration
TOP: Ö 3
Gremium: Ausschuss für Integration Beschlussart: erledigt
Datum: Di, 18.12.2018 Status: öffentlich
Zeit: 17:00 - 18:30 Anlass: ordentliche Sitzung
Raum: Genezarethkirche, Herrfurthplatz 14, 12049 Berlin
Ort: Genezarethkirche, Herrfurthplatz 14, 12049 Berlin
 
Beschluss


Herr Kees stellt die Arbeit des Interkulturellen und Interreligiösen Zentrums (IZG) vor. Das IZG ist ein Projekt des Kirchenkreises, der, wie auch die Genezarethgemeinde jeweils die Hälfte der Stelle finanziert. Herr Kees hat nach seiner Tätigkeit als Afrikareferent der Kirche das Amt seit August 2017 inne. Er beschreibt das IZG als „Gebäude, Institution und Idee“. In diesem Dreiklang ist es möglich die Arbeit zu gestalten und Ideen zum Leben zu erwecken. Der vielfältige und offene Kiez wird von Herrn Kees als Grundlage für eine gute Arbeit in der Genezarethkirche genannt. Zudem habe seine Vorgängerin, Frau Kruse, eine sehr gute Arbeit geleistet, so dass viele Gäste und Mitwirkende den Weg in die Gemeinde finden. Diese wird zurzeit unter anderem einer westafrikanischen Gemeinde für Gottesdienste zur Verfügung gestellt.

 

Die Arbeit profitiere zudem von einem vielfältigen Raumangebot in der Kirche, welches durch die Anbauten zur Verfügung steht. Um die entsprechenden Kontakte zu knüpfen und ein Netzwerk aufzubauen, waren Herrn Kees die Kontakte im Migrationsbeirat und die Broschüre „Religionen in Neukölln“ ein „wichtiger Kompass“. Partner im IZG sind unter anderem die Sehitlik-Moschee, die Neuköllner Begegnungsstätte (Dar-el-Salam-Moschee), das Islamische Kulturzentrum (IKEZ), die Deutsche Islam Akademie, das Violence-Prevention-Network und das Bezirksamt Neukölln. Hierbei ist Herrn Kees bewusst, dass es bezüglich der Moscheevereine durchaus kontroverse Ansichten zu einer Zusammenarbeit gibt, er vertritt aber konsequent den Ansatz „Nachbarn sind da und mit denen arbeiten wir auch“.

 

Herr Kees berichtet über die Veranstaltungsreihe „Neukölln Interkulturell“. Diese soll in erster Linie anderen Kulturen die Möglichkeit geben sich in ihrer Vielfältigkeit und Einzigartigkeit zu präsentieren. Die erste Veranstaltung im Rahmen der Reihe war „Neukölln-Äthopisch“. Auch wenn die Veranstaltung als Erfolg zu werten ist, so ist doch auch deutlich geworden, dass Spannungen aus den Heimatländern auch in der neuen Heimat noch eine große Rolle spielen. So ist deutlich geworden, dass sich verschiedene Glaubensrichtungen, die sich in ihrer Herkunftsregion zum Teil bekriegen, sich in Berlin weitestgehend aus dem Weg gehen.

 

Die zweite Veranstaltung widmete sich dem Thema „Neukölln-Griechisch“. Hier wurden unter anderen 8 Personen porträtiert, die zudem ihre persönliche Geschichte erzählt haben. Die griechische Botschaft hat im Rahmen der Veranstaltung einen Fotowettbewerb unter dem Motto „Mein Blick auf Berlin“ initiiert. Die 25 Gewinnerfotos wurden im Rahmen der Veranstaltung, wie auch diverse religiöse Werkzeuge und Ikonenbilder ausgestellt. Zudem wurde im Rahmen der Veranstaltung über binationale Ehen und Partnerschaften diskutiert.

 

Dritte Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe war „Neukölln- Rumänisch“. In diesem Zusammenhang merkt Herr Kees an, dass die evangelische Romagemeinde, die bisher in der Luthergemeinde Ihre Gottesdienste gefeiert hat, auf der Suche nach einem neuen Gotteshaus ist, da die Gemeinde so stark gewachsen ist, dass die Luthergemeinde zu klein geworden ist.

 

Ein weiteres Arbeitsfeld sind die „Konzerte zur Marktzeit“. Diese finden (in der warmen Jahreszeit) am Samstagmittag statt, wenn auf dem Wochenmarkt der größte Andrang herrscht. Die Kirche öffnet ihre Türen für die Besucher, die ein einstündiges Konzert verschiedenster Musikrichtungen und –stile erleben können.

 

Am 10.12.18 fand der interreligiöse Dialog statt, der unter dem Motto „70 Jahre Menschenrechte“ stand. Für 2019 hat sich Herr Kees vorgenommen den Kontakt zum Hindutempel in der Hasenheide zu intensivieren und auch die anderen asiatischen Religionen stärker in die Zusammenarbeit einzubeziehen.

 

Des Weiteren soll die Veranstaltungsreihe „Besser Gemeinsam“ wiederbelebt werden. Hier ist eine Zusammenarbeit mit der NBS geplant. Der Verein „Treffpunkt Religion und Gesellschaft e.V.“, dessen Arbeit derzeit nahezu zum Erliegen gekommen ist, soll ebenfalls wieder mit Leben erfüllt werden. Für den Zeitraum vom 09.05. – 12.07.19 ist „Neukölln Arabisch“ geplant. Hier gibt es bereits weitreichende Planungen, unter anderem wird ein Kaligraph diverse Texte in unterschiedlichen Sprachen erstellen und auch seine Werke ausstellen.

 

Herr Kees bietet den Anwesenden an Ihre Kontaktdaten zu hinterlassen, um in seinen Verteiler für die Angebote vom IZG aufgenommen zu werden. Die Anwesenden bedanken sich bei Herrn Kees für den informativen und unterhaltsamen Vortrag.

 

Fragen zum Vortrag:

Herr Atashgahi fragt nach Details zur Veranstaltungsreihe Neukölln Interkulturell, Herr Kees erläutert, dass die Dauer der Veranstaltungen u.a. von den Angeboten und der jeweiligen Community in der Stadt abhängt.

Herr Abed möchte wissen, welche christlichen Araber zu Neukölln Arabisch eingeladen sind. Hierauf erläutert Herr Kees, das sowohl die Kopten, die syrisch-orthodoxen als auch das Rum-orthodoxe Patriarchat Antiochien eingeladen sind.

 

Frau Zielisch fragt, wieso trotz der bekannten Erwähnungen im Verfassungsschutzbericht, das IZG mit den Moscheegemeinden zusammenarbeite und ob man sich letztendlich auch eine Zusammenarbeit mit der Al-Nur-Moschee vorstellen könne. Herr Kees verweist auf die bereits getätigte Aussage zur Zusammenarbeit mit Nachbarn und in Nachbarschaften. Er führt weiter aus, dass es darum gehe Vorurteile abzubauen und dass die kritisierte Zusammenarbeit letztendlich für Verständigung sorge. Am Beispiel der Veranstaltung zu 70 Jahren Menschenrechte, bei denen sich alle Beteiligten auf die universelle Gültigkeit verständigt haben, führt Herr Kees aus, dass es ein Irrglaube sei, wenn man konservative Muslime automatisch als Islamisten bezeichne. Er werde im Rahmen seiner Kontaktaufnahmen zu den unterschiedlichsten Glaubensgemeinschaften auch die Al-Nur-Moschee kontaktieren.

 

Frau Gloeden möchte wissen, ob ein Zulauf junger Menschen, gerade nach den letzten Kirchentagen, festzustellen ist. Dies verneint Herr Kees. Es gebe zwar einen Zuzug junger christlicher Familien, die die Angebote der Gemeinde rege nutzen –so finden relativ viele Taufen statt-, allerdings engagieren sich wenige der jungen Menschen in der Gemeindearbeit. Herr Kees sieht dies in erster Linie darin begründet, dass in der Regel beide Elternteile Erwerbstätig sind und daher häufig die Zeit fehlt. Es ist –„wie bereits seit Jahrhunderten“- zu beobachten, dass viele Menschen im Alter wieder Zeit finden sich dem Glauben und der Gemeindearbeit zu widmen. Herr Kontschieder fragt, ob die Taufen durch die Gentrifizierung zugenommen haben, was Herr Kees auf Grund fehlender Zahlen mit „vermutlich schon“ beantwortet.

 

Herr Lüdecke ist daran interessiert zu erfahren, was das Ziel der Arbeit des IZG ist, da er dies den Ausführungen von Herr Kees nicht entnehmen konnte. Herr Kees fasst das bisher Gesagte noch einmal zusammen und führt aus, dass es mit der Arbeit darum gehe ein „friedliches und gedeihliches Miteinander“ zu befördern. Probleme sollen benannt und ausgeräumt werden. Es geht um Verständnis, Toleranz und Offenheit.

 

Abschließend führt Frau Manteuffel aus, es ist wichtig miteinander und nicht übereinander zu reden. Genau in diesem Sinn arbeite das IZG seit Jahren.


 
 

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