Erläuterungsschilder für die Blaschkoallee: Gedenken an Prof. Dr. Alfred Blaschko
Pressemitteilung vom 20.10.2026
Wer mit der U7 fährt oder einen Bürgeramtstermin in Neukölln sucht, kennt ganz sicher die Blaschkoallee. Und auch vielen Berlinerinnen und Berlinern ist Ost-West-Verbindung in Britz bekannt. Weitgehend unbekannt dürfte dagegen der Namensgeber sein: Prof. Dr. Alfred Blaschko (1858-1922), ein bedeutender Sozialreformer, Dermatologe und Vorreiter für diskriminierungsfreien Zugang zum Gesundheitssystem. Um an die Verdienste von Blaschko zu erinnern, werden am 26. Oktober 2026 um 11:30 Uhr Erläuterungsschilder an der Blaschkoallee enthüllt.
Initiiert wurden die Schilder durch den Oldenburger Dermatologen Dr. med. Volker Wendt, der bei der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft für das Gedenken an bedeutende Medizinerinnen und Mediziner zuständig ist. „Der Name Alfred Blaschko steht dafür, Menschen mit Geschlechtskrankheiten nicht wie ‚Aussätzige‘ zu behandeln, sondern wie alle anderen Patienten auch. Sein Verdienst für den Umgang mit Geschlechtskrankheiten und deren Behandlung ist bedeutend“, sagt Volker Wendt.
Als Mediziner setzte sich Alfred Blaschko insbesondere dafür ein, dass der Umgang mit sexuell übertragbaren Krankheiten in Berlin um das Jahr 1900 herum normalisiert wurde. Denn bis dahin galten Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhö oder Syphilis als selbstverschuldete Erkrankungen, bei denen Patientinnen und Patienten zwar eine Behandlung erhielten, sie bekamen aber kein Krankengeld, was letztendlich zur Verelendung führen konnte. Betroffene wurden wie Strafgefangene behandelt – weggesperrt in Anstaltskleidung und ohne Besuchsrecht. Auf Blaschkos Anregung hin kam es unter anderen zu einem Charité-Boykott, dessen Ergebnis nach einem Jahr zur Rücknahme dieser Ausnahmebestimmungen führte.
Alfred Blaschko hat sich sein ganzes Leben lang für das Thema Geschlechtskrankheiten engagiert. Er war Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten im Jahr 1902. Zudem setzte er sich zusammen mit anderen Sozialreformern für die Einrichtung von Beratungsstellen ein, in denen über Verhütung und Schutz vor Geschlechtskrankheiten aufgeklärt wurde. Die Bedeutung seiner Arbeit für Berlin und die Dermatologie wurde bereits im Jahr 1932 erkannt, als die Blaschkoallee nach ihm benannt wurde. Da Blaschko ein sozialistischer Freidenker jüdischer Herkunft war, wurde die Straße nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im April 1934 nach einer Nazi-Größe umbenannt. Nach dem Krieg erfolgte dann die Rückbenennung der Straße.
Mit den Erläuterungsschildern, die auf Anregung und durch Finanzierung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft angebracht wurden, wird nun – gut 100 Jahre nach Blaschkos Tod – auch angemessen auf sein Wirken hingewiesen.
Jochen Biedermann, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr: „Die Blaschkoallee kennen in Neukölln alle, den Namensgeber leider nur wenige. Der Berliner Dermatologe Blaschko setzte sich engagiert für die öffentliche Gesundheitspflege ein. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, mit sexuell übertragbaren Erkrankungen modern und pragmatisch umzugehen. Das war damals nicht selbstverständlich. Mit den neuen Erläuterungsschildern an der Blaschkoallee erinnern wir an diese außergewöhnliche Person. Der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft gilt mein besonderer Dank für die Initiative.“
Interessierte sind herzlich zum Termin eingeladen:
Montag, 26. Oktober 2026
11:30 Uhr – Enthüllung an der Blaschkoallee/ Ecke Fritz-Reuter-Allee, 12359 Berlin
12:00 Uhr – anschl. Gespräch für Interessierte im Café in der Hufeisensiedlung (Fritz-Reuter-Allee 44, 12359 Berlin)