Stolpersteinverlegung für Charna und Fritz Litwinschuk
Pressemitteilung vom 12.10.2026
am 16. Oktober 2026 um 11 Uhr in der Reuterstraße 40, 12047 Berlin
Das Museum Neukölln setzt in Erinnerung an das Ehepaar Charna und Fritz Litwinschuk am 16. Oktober 2026 um 11 Uhr zwei Stolpersteine vor das Haus Reuterstraße 40 in Neukölln. Die Verlegung findet im Beisein von Angehörigen der Familie sowie von Bezirksstadträtin Janine Wolter und Dr. Matthias Henkel, Leiter des Fachbereichs Museum, Stadtgeschichte, Erinnerungskultur statt.
Charna (geb. Sirota) und Fritz Litwinschuk wurden in Odessa geboren und kamen in den frühen 1920er Jahren mit ihren vier Kindern Sophie, Julius, Raisi und Erich nach Berlin. Fritz Litwinschuk war als Tabakhändler tätig. 1936 wurde er Mitinhaber der „Bibertis Zigaretten- Fabrik Litwinschuk und Reutlinger“ in der Wilmersdorfer Straße. Charna Litwinschuk kümmerte sich um den Haushalt und die Familie. Ihre Kinder besuchten jüdische Schulen in Berlin.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde die Familie zunehmend verfolgt und auseinandergerissen. Ihr jüngster Sohn Erich reiste 1934 mit der Jugend-Alija nach Palästina aus. Tochter Raisi gelang 1938 mit ihrem Mann und ihrer Tochter die Flucht nach Bolivien; der Sohn Julius floh mit seiner Familie nach Belgien; die Tochter Sophie floh 1939 mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern nach Polen.
Fritz Litwinschuk war im Zuge der „Arisierung“ 1938 gezwungen worden, seinen Anteil an der Zigarettenfabrik zu verkaufen. Am 12. September 1938 flohen er und Charna in die Tschechoslowakei und lebten anschließend in Prag. Sie bemühten sich vergeblich um Aufenthalts- und Transitpapiere, um nach Südamerika auszuwandern und sich ihrer Tochter Raisi anzuschließen.
Am 24. April 1942 wurden Charna und Fritz Litwinschuk aus Prag nach Theresienstadt deportiert und drei Tage später weiter nach Izbica, wo sie ermordet wurden. Ihre Tochter Sophie wurde gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern 1942 in Auschwitz ermordet.
Der Sohn Erich und ihre Tochter Raisi bauten sich nach der Flucht ein neues Leben in Israel beziehungsweise Bolivien auf; Julius und seine Familie überlebten – untergetaucht – in Belgien.
Stolpersteine erinnern am letzten frei gewählten Wohnort an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Sie können von allen interessierten Bürger:innen gestiftet werden. 120 Euro ermöglichen die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines. Für den Bezirk Neukölln koordiniert das Museum Neukölln die Stolpersteinverlegungen.
Weitere Informationen finden Sie hier. https://www.stolpersteine-berlin.de