30 Jahre Frauenviertel in Rudow – ein starkes Zeichen für die Frauen
Pressemitteilung vom 21.05.2026
Vor 30 Jahren, am 22. Mai 1996, traf die Bezirksverordnetenversammlung Neukölln eine damals einzigartige Entscheidung: Auf Initiative engagierter Neuköllnerinnen und der Frauenbeauftragten beschlossen die Bezirksverordneten, alle 20 Straßen, Plätze und Wege eines gesamten Neubaugebiets mit ca. 1.700 Wohnungen auf den „Rudower Feldern“ im Süden Neuköllns nach Frauen zu benennen. Es entstand das erste namentliche „weibliche“ Wohnviertel Deutschlands.
Dem Beschluss waren aufgeregte Diskussionen vorausgegangen: Die Gegner der Initiative hatten angezweifelt, dass es genügend würdige weibliche Persönlichkeiten gäbe, die als Namenpatroninnen geeignet wären.
Im „Frauenviertel Rudow“ wurden Frauen durch Straßenbenennungen geehrt, die sich um Neukölln, Berlin und Deutschland verdient gemacht haben. Es sind Frauen, die sich in Politik und Gesellschaft für die Rechte und die Gleichstellung von Frauen eingesetzt haben, Frauen, die sich den Nationalsozialisten widersetzten und Frauen, die sich nach dem Krieg für ein demokratisches und friedliches Deutschland engagierten, wie beispielsweise die Mütter des Grundgesetzes Helene Weber, Helene Wessel, Elisabeth Selbert und Friederike Nadig, denen so ein Denkmal gesetzt wurde.
Inzwischen ist das Frauenviertel Rudow weit über den Bezirk Neukölln bekannt. Den 30. Geburtstag in diesem Jahr hat das Bezirksamt Neukölln zum Anlass genommen, die Broschüre von 1996 mit den Kurzbiografien der namensgebenden Frauen in digitaler Form neu aufzulegen. Wie besonders das Engagement für das Frauenviertel war, zeigt auch heute die Tatsache, dass lediglich 14 Prozent der Neuköllner Straßen nach Frauen benannt sind – auch wenn wohl niemand heute mehr bezweifelt, dass es genug würdige Persönlichkeiten hierfür gibt.
Martin Hikel, Bezirksbürgermeister: „Aus heutiger Sicht ist die Vorstellung absurd, dass es vor 30 Jahren Widerstand dagegen gab, die Straßen in einem Stadtviertel nur nach Frauen zu benennen. Und doch zeigt die Geschichte, dass es keine Selbstverständlichkeit war, was Neuköllner Frauen durchgesetzt haben. Deshalb haben wir zum Jubiläum unsere Broschüre digitalisiert, um die Verdienste der damaligen Neuköllnerinnen zu würdigen und gleichzeitig das Gedenken an die namensgebenden Frauen wach zu halten. Die Geschichte des Frauenviertels zeigt: Es lohnt sich zu kämpfen. Das Jubiläum des Frauenviertels möge deshalb auch nach 30 Jahren noch Inspiration sein – in Neukölln und darüber hinaus.“
Zusammen mit der Neuköllner Gleichstellungsbeauftragten, der Initiative „SToP“ und weiteren engagierten Frauen hat Bezirksbürgermeister Martin Hikel am Donnerstag, dem 21. Mai 2026, im Vorfeld des Jahrestages eine Bank gegen Gewalt an Mädchen und Frauen auf dem Lieselotte-Berger-Platz aufgestellt. Das Foto steht unten auf dieser Seite zum Download bereit.
Das Museum Neukölln (Alt-Britz, Berlin) würdigt in der Ausstellung „(Um)Benennen – Neukölln und seine Straßennamen“ vom 4. Juli 2026 bis 11. April 2027 die Geschichte der Durchsetzung des ersten Frauenviertels in Deutschland und widmet ihr ein eigenes Kapitel (Eröffnung der Ausstellung am 3. Juli 2026 um 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.).
Die digitale Broschüre mit den Namensgeberinnen des Frauenviertels Rudow finden Sie ebenfalls unten auf dieser Seite zum Download.
Downloads
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Einweihung der Bank gegen Gewalt an Frauen* auf dem Lieselotte-Berger-Platz am 21.05.2026
JPG-Dokument (837.5 kB)
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Broschüre Das Frauenviertel in Rudow
PDF-Dokument (15.0 MB)
Dokument: BA Neukölln/2026