Ausstellungseröffnung "Holy Shit oder das stille Örtchen" in der Kunstbrücke am Wildenbruch

Pressemitteilung vom 27.08.2025

Holy Shit oder das stille Örtchen | Alex Lebus

Ausstellungseröffnung am Freitag, 29. August 2025 um 18 Uhr

Mit „Holy Shit oder das stille Örtchen“ verwandelt Alex Lebus die Kunstbrücke am Wildenbruch in einen atmosphärisch dichten Parcours, in dem sich Sakrales und Profanes, Körperliches und Geistiges in einem vielschichtigen Dialog begegnen. Ausgangspunkt ist die Geschichte des Ortes als ehemaliges Toilettenhäuschen – ein „stiller Ort“, geprägt von Intimität, Verletzlichkeit und dem Akt des Loslassens. Lebus überführt diese alltägliche Sphäre in einen erweiterten Bedeutungsraum, in dem religiöse Symbolik, rituelle Gesten und existenzielle Fragen ineinandergreifen.

Die gefliesten Innenräume, deren Anmutung zwischen Badehaus und Schlachthof oszilliert, werden zur Bühne für narrative und materielle Überlagerungen. In thematisch gefassten Räumen – vom Mutter- bis zum Blutraum – entfaltet sich eine Dramaturgie, die zwischen Befleckung und Reinigung, Verborgenem und Offenbartem wechselt. Besucher:innen werden eingeladen, bisher verborgene Areale durch Selbstbetrachtung in sich zu entdecken. Spiegel, Wachs, Glas, Holz und gefärbtes Papier schaffen eine dichte Materialsprache, die die Nüchternheit des ursprünglich kargen Raums in eine gänzlich neue Ästhetik und Bildsprache verwandelt.

Christliche Ikonographien bilden einen wiederkehrenden Bezugspunkt: Mariendarstellungen, das Motiv der Maria Magdalena oder die Taube als Symbol des Heiligen Geistes werden aus ihrem vertrauten Kontext gelöst und in einen Raum zwischen Andacht und kritischer Brechung geführt. So erscheint Maria Magdalena – in der Kunstgeschichte zwischen Apostelin, Büßerin und Legende changierend – als Projektionsfläche für Fragen nach Geschlecht, Zuschreibung und Selbstermächtigung.

„Holy Shit oder das stille Örtchen“ versteht das Sakrale nicht als festgeschriebenes Glaubenssystem, sondern erweitert es im Sinne eines Realitätsabgleichs um wesentliche Faktoren. Die Ausstellung lädt dazu ein, Glaube, Körper und Öffentlichkeit neu zueinander ins Verhältnis zu setzen – poetisch, konfrontativ und vieldeutig zugleich.

Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Ausstellungsfonds Kommunale Galerien.

Begleitveranstaltungen
Sonntag, 19. Oktober 2025, 12-18 Uhr
Still occupied…
Wache halten im stillen Örtchen. Künstlerin übernimmt Aufsicht.

Freitag, 31. Oktober 2025, 16 Uhr
Finissage

Holy Shit oder das stille Örtchen
30. August bis 31. Oktober 2025
Öffnungszeiten: Mi-So 12-18 Uhr, Eintritt frei

Kunstbrücke am Wildenbruch
Weigandufer, Ecke Wildenbruchbrücke, 12045 Berlin