Neukölln setzt auf Schuldistanzteam – erster Bericht veröffentlicht

Pressemitteilung vom 24.07.2025

Seit 2017 entwickelt das Bezirksamt Neukölln zielgerichtet ein abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Schulen und Jugendamt, um Schuldistanz von Schüler:innen an den Neuköllner Schulen zu begegnen. Elemente sind die bezirkliche Koordinierung und Steuerung, der Handlungsplan Schuldistanz, die Schulsozialarbeit sowie das 2021 aufgebaute Schuldistanzteam des Jugendamtes.

Das Bezirksamt hat jetzt den ersten Bericht des Teams Schuldistanz veröffentlicht. Der Bericht beleuchtet erstmalig die Gründe für Schuldistanz von Kindern und zeigt auf, wie dieses innovative Projekt im Bezirk etabliert wurde und welche Voraussetzungen zum Erfolg geführt haben. Der Projektbericht evaluiert den Zeitraum von 2021 bis 2024. Die Auswertung der in diesem Zeitraum erfassten Daten belegt die Wirksamkeit des Projektes für die Neuköllner Familien mit schuldistanzierten Kindern und für die Kooperation an der Schnittstelle Jugendhilfe-Schule. Die Maßnahmen können zu einer nachhaltigen Verbesserung der Bildungschancen im Bezirk beitragen.

Bezirksbürgermeister Martin Hikel: „Seit vielen Jahren kümmert sich das Bezirksamt Neukölln darum, dass alle Kinder auch wirklich die Chance auf einen Schulbesuch und damit ein selbstbestimmtes Leben kriegen. Wir haben über Jahre im Bezirk dazu Expertise aufgebaut, von der nun mit der erstmaligen Auswertung auch andere Kommunen profitieren können. Meist sind es Missstände in den Familien, die zu Schuldistanz führen. Nur wenn wir genau hinschauen und die wirklichen Gründe angehen, kriegen wir auch das Recht der Kinder auf einen Schulbesuch umgesetzt. Deshalb bin ich den Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar für ihre tägliche Arbeit.“

Bezirksstadträtin Sarah Nagel: „Unser Bericht zeigt, dass der Schlüssel zu weniger Schuldistanz die Familienarbeit ist. Das Team im Jugendamt kann in über 80% der Fälle mittlerweile konkret mit den Familien arbeiten. Alleine diese Zahl ist schon ein großartiger Erfolg. Auch wenn die Maßnahmen kleinteilig sind und viel Mühe kosten, lohnt es sich in allen Fällen, um den Kindern und Jugendlichen einen Schulbesuch zu ermöglichen.“

Die Gründe für Schuldistanz sind vielfältig. Schuldistanz von Schüler:innen zeigt sich in der Regel in einer Wechselwirkung von individuellen Persönlichkeitsmerkmalen und verschiedenen Lebenswelten. In 70 % der Fälle sind familiäre Problemlagen eine (Mit-)Ursache, wie beispielsweise eine fehlende Tagesstruktur, soziale Isolation bis hin zu prekären Lebensverhältnissen wie Armut, Arbeitslosigkeit der Eltern u. ä. Hinzu kommen institutionelle Rahmenbedingungen, wie die richtige Schulform, psychische Belastungender Schüler:innen sowie Gewalt oder Mobbing.

Im Schuljahr 2023/2024 wurden in Neukölln 2630 Schulversäumnisanzeigen (SVA) mit insgesamt 37.521 Fehltagen erfasst. Insgesamt hatten 1.555 Kinder und Jugendliche mehr als fünf unentschuldigte Fehltage. Rund 5 % aller Schüler:innen im Bezirk blieben damit mindestens fünf Tage innerhalb eines Schulhalbjahres unentschuldigt dem Schulbesuch fern.

Schuldistanz tritt vor allem in der Schulanfangsphase und am Übergang zur weiterführenden Schule vermehrt auf. Von den ca. 15.200 Schüler:innen an weiterführenden Schulen waren im Schuljahr 2023/2024 rund 12,4 % von Schuldistanz betroffen. Bei den knapp 16.000 Kindern an Grundschulen waren es im Schuljahr 2023/2024 rund 4,6 %. Die höchsten Zahlen an Schulversäumnissen sind dabei am Übergang von der Kita in die Schule zu erkennen.

Das Schuldistanzteam nimmt nach einer Schulversäumnisanzeige umgehend Kontakt zu den Familien auf und bietet seine Unterstützung an. Die Eltern erhalten ein schriftliches Beratungsangebot durch das Schuldistanzteam. Das Team informiert dabei Sorgeberechtigte, bietet Beratung und Unterstützung an, begleitet Schüler:innen auf dem Weg zur Schule und vermittelt auch Hilfsangebote anderer Stellen. Ziel ist es, die regelmäßige Teilnahme am Unterricht zu sichern und die Selbstwirksamkeit der Familien zu stärken. Im Schuljahr 2021/22 erreichte das Schuldistanzteam so 77 % der angeschriebenen Familien. Im Schuljahr 2022/23 waren es 78 % der betroffenen jungen Menschen bzw. deren Sorgeberechtigten und im Schuljahr 2023/2024 bereits 84 %.

In den vergangenen Jahren wurde durch die aktive Arbeit des Teams die Meldungen unentschuldigter Fehlzeiten von den Schulen deutlich erhöht. Dies ist allerdings ein Zeichen für die hohe Sensibilität und die Unterstützung der Arbeit durch die Schulen. Denn die Arbeitsgrundlage des Schuldistanzteams ist, dass wirklich alle Fälle von Schuldistanz auch gemeldet werden und dann so früh wie möglich ein Unterstützungsbedarf erkannt und Schuldistanz wirksam reduziert werden kann. Die prozentual sinkende Anzahl der Erstmeldungen von Schulversäumnissen von 67,2 % in 2021/2022 auf 45,2 % in 2023/2024 zeigt, dass der präventive Ansatz mit dem
frühzeitigen Beratungsangebot greift.

Langzeitprognosen über die Verringerung der Schuldistanzzahlen im Bezirk können nach nur drei Schuljahren mit der RSD-Team Schuldistanz noch nicht abgegeben werden. Dennoch sind erste deutliche Effekt sichtbar.

Den kompletten Projektbericht des Neuköllner Schuldistanzteams 2021 – 2024 finden Sie hier.